Juli 9, 2020

WaldWolfWildnis – Kunst trifft Artenschutz

Gisela Krohn: Wolf. Die Bilder der Kuratorin von WALDWOLFWILDNIS sind von magischem Ausdruck und transportieren mit geradezu suggestiver Kraft die Schönheit der uns Menschen anvertrauten Kreaturen.

Auf drei Säulen gründet der Kosmos, der das Sein des Menschen umfasst:

Das Schöne, das Wahre, das Gute.

Was vor 2500 Jahren in der griechisch-antiken Philosophie formuliert wurde, hat ewige Gültigkeit: Ästhetik, Erkenntnis und Wissenschaft, Ethik und Moral sind die großen Drei, die uns in der Suche nach Ganzheitlichkeit im Umgang mit der Natur, bei der Formulierung der Prinzipien eines Ganzheitlichen Naturschutzes, führen können. Zwei von Drei fußen in der Innenseite des menschlichen Kosmos: Sie sind nicht meßbar und nicht zählbar – auch dann, wenn Neunmalkluge inzwischen versuchen, Schönheit, Eigenart und Vielfalt mit Geldwerten oder in Werte-Tabellen zu verdinglichen…

Die Reihenfolge ist gleich: Wir dürfen im Zusammenhang mit dem Schutz der Natur ohne Zögern die Ästhetik voran stellen. Denn schließlich waren es ästhetische Empfindungen und daran anschließende Argumente, die zu allerersten Befassungen mit Schutz und Erhalt von – zunächst herausragend schönen oder eindrucksvollen – Naturerscheinungen und Lebewesen führten.

Das Projekt WaldWolfWildnis der renommierten Künstlerin Gisela Krohn sei hier unter Positiv-Beispielen für Ganzheitlichkeit besonders gewürdigt.

Gisela Krohn: Jungwölfe

Die Kuratorin schreibt in Ihrem Intro-Statement zum Projekt jedem Naturschutzfachmann – sollte dieser nicht auf der Innenseite seines persönlichen Kosmos verkümmert sein – aus dem Herzen:

„(…)Ich entschied mich, das große Thema des Verlusts der Natur, die Entkoppelung von unseren Wurzeln, wirklich ernstzunehmen. Ich habe eine sehr persönliche Reihe von namhaften Künstlern sowie Vortragenden ausgewählt und zur Wanderausstellung Wald Wolf Wildnis eingeladen mit der Idee, die Rolle des Menschen innerhalb des Netzwerks der Natur zum Thema zu machen.

Ein Wald ist vor allem Lebensraum für Tiere und Pflanzen, zugleich Erholungsraum für den Menschen. Aber er ist auch ein Wirtschaftsunternehmen, das mit Holz handelt. In dieser Reihenfolge würde ich es gerne sehen, doch von diesen Prioritäten sind wir weit entfernt: Die wirtschaftlichen Interessen stehen über allem; die Ausbeutung hat ihre Grenze mehr als überschritten.

Deshalb brauchen wir einen neuen Umgang zwischen Mensch und Natur. Die Rückkehr des Wolfes und wie der Mensch darauf reagiert ist ein prominentes Beispiel dafür. Mit Wald Wolf Wildnis will ich es künstlerisch ausloten. Denn die Anwesenheit eines Beutegreifers hat auch eine archaische Resonanz, die ich für bedeutend halte. In einer Welt, die sich immer mehr eingrenzt in Systeme, ist ein „Systemsprenger“ wie der Wolf eine Herausforderung. Ob es dem Menschen gelingt, sich wieder in einem System der Natürlichkeit zu verorten? Bei der Antwort darauf sind wir an einem Scheidepunkt angelangt. (…)“

Gisela Krohn: Wolfsrudel am Treffpunkt

Eine Künstlerin wagt sich auf das Konflikt-Minenfeld um die Arten im Interessenkonflikt! Es gelingt ihr, weitere Künstlerkollegen zu begeistern und an Bord ihres Projektes zu holen! Alleine der vermeintliche Grenzgang ist ein Ungeheurliches. Weckt doch die Schlüsselart – der Wolf – seit seiner Wiederkehr den alten Argwohn gegen einen klugen „Konkurrenten“ aus der Natur. Jedoch: Gisela Krohn ist von Herzen – ich betone: von Herzen – auch „Naturschützerin“! Aus unseren langen Gesprächen ist zu spüren: Sie ist infiziert – wie alle, dies sich dem Thema widmen – sie ist angesteckt von dem, was uns beglückt uns gleichzeitig krank macht. Es ist jene schmerzliche Erkenntnis, die am Beginn des dritten Jahrtausends unserer Zeitrechnung die Menschheit mit aller Härte trifft:

Wir sind dabei, durch unser eigenes Verschulden DAS ALLES MIT UNS (siehe hier) zu verlieren.

Die aus Kultur geborene reflektierte Frontstellung des Menschen gegen die Natur ist gemessen am langen Gewordensein aus ihr – es sind kaum 5.000 Jahre von 200.000 Jahren Homo sapiens – eine winzige Spanne. Der Reflex aus Erkenntnis von Bedrohung und Verlust, den wir Naturschutz nennen, ist mit seinem Beginn im Zeitalter der Spät-Romantik noch nicht einmal ein Wimpernschlag, und die Zeitspanne, in der im Zusammenhang mit Bewahrung der Natur eine angemessene Ethik gesucht wird, ist der Hauch dieses Wimpernschlags.

Der Wert eines Projektes wie WaldWolfWildnis kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, denn:

Naturschutz benötigt Resonanz. Er benötigt Gleichklang, der mehr ist als fachliche Einigkeit einiger Insider über ein der Erkenntnis und Wissenschaft zugängliches Phänomen.

Kaum 10 bis 15 % des Menschheitskollektives kommen mit den höheren Wellen eine Bewusstseins in Berührung, das in eine umfassend barmherzige Weltsicht mündet.

Es gibt Hoffnung, wenn Vertreter des Schönen den Grenzgang wagen in den Sperrverhau von Konflikten, der dem Naturschutz einen friedlichen Weg bereits im öffentlichen Diskurs derzeit versperrt.

Ich schrieb dem Projekt in sein wundervolles Stammbuch:

Nichts aber ist seit Anbeginn besser geeignet als die schönen Künste, Menschen in Resonanz zu bringen und ihre Herzen zu erreichen. Weshalb ich das Projekt WALDWOLFWILDNIS von Herzen unterstütze.“

Gisela Krohn: Wildschwein

DIE AUSSTELLUNG ZU WALDWOLFWILDNIS IN DER VILLA ROT, BURGFRIEDEN, IST AB SOFORT WIEDER ERÖFFNET.

Unterstützen und würdigen Sie diesen Brückenschlag zwischen Kunst und Artenschutz durch Ihren Besuch!

Adresse:

Museum Villa Rot
Schlossweg 2
D – 88483 Burgfrieden – Rot