{"id":2434,"date":"2020-05-15T09:41:02","date_gmt":"2020-05-15T09:41:02","guid":{"rendered":"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=2434"},"modified":"2025-01-22T18:55:46","modified_gmt":"2025-01-22T18:55:46","slug":"ethik-fuer-einen-ganzheitlichen-naturschutz-versuch-einer-richtschnur","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=2434","title":{"rendered":"Ethik f\u00fcr einen ganzheitlichen Naturschutz &#8211; Versuch einer Richtschnur"},"content":{"rendered":"\n<p>Quelle Beitragsbild:<a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/illustrations\/galaxie-kopf-mann-wesen-abstrakt-3696061\/\"> Pixabay<\/a><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Von der Gerechtigkeitsfrage zur Ethik<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Wie auf der <a href=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/\">Startseite<\/a> betont, hat eine ganzheitliche Herangehensweise an Naturschutzfragen ethische Konsequenzen. Aus den erkennbaren Defiziten und nicht gel\u00f6sten Fragen, besonders aus den aktuellen Herausforderungen der weltweiten Bedrohung der Natur durch den Energiehunger einer weiter wachsenden Menschheit, durch die weitere Landnahme dieser wachsenden Menschheit auf Kosten der Prim\u00e4rnatur, aus der Ungleichverteilung zwischen den Menschen,  durch das Eindringen des Menschen in die letzten Wildnisse der Erde, durch die \u00dcbernutzung nat\u00fcrlicher Ressourcen und im Hinblick auf die Problematik um<a href=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=1207\"> Arten, die in Interessenkonflikt<\/a> mit den Menschen geraten, zus\u00e4tzlich aus der Problematik des umfassend nicht gel\u00f6sten Senkenproblems, ausgel\u00f6st durch den enorm gesteigerten wirtschaftlichen Stoffwechsel der gesamten menschlichen T\u00e4tigkeiten auf unserem Heimat-Planeten stellt sich insgesamt die<a href=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=91\"> Frage der Gerechtigkeit<\/a> in umfassendem Sinne: <strong>Es ist die Frage des gerechten Teilens bei der Benutzung aller Ressourcen des Planeten. Und dabei geht es nicht nur um Gerechtigkeit zwischen Menschen. Es geht um einen <em>gerechten <\/em>Umgang mit allem nat\u00fcrlich Seienden, der diesen Begriff verdient. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>An die allem vorausgehende Frage der Gerechtigkeit aber schlie\u00dft sich zwingend die Frage nach sittlichem Verhalten, also die Formulierung einer Ethik an<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Folge unserer nat\u00fcrlichen Herkunft<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte ein wenig provozierend an die Herkunft des Menschen, an sein Werden im Laufe der Stammesgeschichte erinnern, und diese Fragen vorausschicken: Wann endlich begreifen wir Menschen das noch immer fortw\u00e4hrende Wunder unserer Naturb\u00fcrtigkeit? Wann lassen wir endlich ein, dass unsere Herkunft uns verpflichtet? Wann endlich akzeptieren wir, dass die Erde vergleichbar einer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tragik_der_Allmende\">Allmende<\/a> ist, die wir nicht nur unter Menschen, sondern mit allem nat\u00fcrlich Seienden und allem nat\u00fcrlich Gewordenen teilen m\u00fcssen &#8211; und zwar gerecht, vorausschauend, nachhaltig &#8211; f\u00fcr unser eigenes \u00dcberleben, f\u00fcr ein gutes Leben?<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ethik &#8211; eine Entwicklungsfrage<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>In den folgenden Betrachtungen wird der Versuch unternommen, die f\u00fcr eine Ethik des ganzheitlichen Naturschutzes plausibel erscheinenden Ans\u00e4tze einer <strong>integralen Theorie &#8222;von allem&#8220;<\/strong>  nach<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ken_Wilber#cite_note-15\"> Ken Wilber<\/a> mit den Denkanst\u00f6\u00dfen f\u00fcr eine <strong>Erweiterung der Ethik \u00fcber den Anthropozentrismus hinaus zu einer pluralistisch-holistischen Ethik <\/strong>nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Martin_Gorke\">Martin Gorke<\/a> im Sinne einer Synopse zu ordnen. Den vielen an anderer Stelle verfeinerten Theorien zur Nachhaltigkeit kann in diesem Rahmen nicht nachgegangen oder gar gerecht werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Das hier vorgetragene Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine m\u00f6glichst weitreichende, \u00fcber den Anthropozentrismus hinausreichende Ethik f\u00fcr den Naturschutz soll begr\u00fcnden, weshalb auch <strong>Ethik einer Entwicklung vergleichbar den nat\u00fcrlichen ineinander geschachtelten Hierarchien der Natur, den Holarchien (s.u.), zug\u00e4nglich und unterworfen ist.<\/strong> <strong>Eine holarchische Sicht begr\u00fcndet ohne Zwang und widerspruchsfrei sowohl die Sonderstellung des Menschen in der Natur, als auch meine auf dieser Homepage immer wieder betonte Grundvoraussetzung aller Befassung mit dem Naturschutz: Die Verwirklichung von Gerechtigkeit zwischen den Menschen.<\/strong> Salopp k\u00f6nnte man formulieren: <\/p>\n\n\n\n<p>Erst wenn wir Menschen unsere Hausaufgaben innerhalb der anthropozentrischen ethischen Umh\u00fcllung der Mitmenschlichkeit erledigt haben, steht unser Fundament fest genug f\u00fcr die Begr\u00fcndung und Verteidigung aller Argumente, die von einem gesunden Egoismus \u00fcber die L\u00e4uterung des Anthopozentrismus bis hinaus und hinauf zu einer barmherzigen Weltsicht reichen und in Konsequenz unsere Froschperspektive des reinen anthropozentrischen Nutzen-Denkens sprengen. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans_Jonas\">Hans Jonas<\/a> hat entscheidende Gedanken zur Sprengung des anthropozentrischen Denk- und Moral-Rahmens in seinem Hauptwerk &#8222;Prinzip Verantwortung&#8220; (1979) beigetragen. Meine <a href=\"https:\/\/core.ac.uk\/download\/pdf\/14520106.pdf\">W\u00fcrdigung<\/a> der Jonas&#8217;schen Verantwortungsethik unter Naturschutzaspekten finden Sie auch unter <a href=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=15\">Publikationen<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Allle im Folgenden verwendeten Literaturzitate und (leicht ver\u00e4ndert) hier verwendeten Texte und Grafiken sind zu finden bei<strong> <a href=\"https:\/\/core.ac.uk\/download\/pdf\/14520106.pdf\">Epple 2009<\/a><\/strong> und wurden teilweise auch in der Denkschrift   bzw. in das Ethik-Kapitel meines Buchs zum Konflikt Windkraftindustrie und Naturschutz (Epple 2017, 2021) eingebettet; siehe unter <a href=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=15\">Publikationen<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz im Gegensatz zur bei Hans Jonas bereits fundiert eingeleiteten und vor Jahrzehnten an anderer berufener Stelle (siehe oben, z.B. Martin Gorke) nachvollziehbar vollzogenen  Sprengung eines anthropozentrischen ethischen Denkrahmens und im erstaunlichen Widerspruch zum hochtrabenden eigenen Anspruch zeigen manche neueren Ans\u00e4tze zum <em>&#8222;Moralischen Fortschritt&#8220;<\/em>* eine deutlich wieder verengte Befassung der Ethik mit Fokussierung auf Probleme <em>innerhalb<\/em> der anthropozentrischen Umh\u00fcllung. Angesichts der nicht erledigten Hausaufgaben f\u00fcr den zwischenmenschlichen Bereich (s.o., Stichworte: <em>Rassismus, Ungleichverteilung von G\u00fctern und von Zugang zu Ressourcen, Landraub<\/em>, <em>Gewaltherrschaft verschiedenster Auspr\u00e4gung<\/em> usw.) ist dies zwar nicht \u00fcberraschend, dennoch aus meiner Sicht deprimierend. Zu nennen ist beispielhaft f\u00fcr diese den Naturschutz eher retardierende Entwicklung der Gegenwarts-Philosophie:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list has-vivid-red-color has-text-color\">\n<li>* <em>Markus Gabriel (2020): Moralischer Fortschritt in dunklen Zeiten. Universale Werte f\u00fcr das 21. Jahrhundert. Ullstein Verlag, 368 Seiten. <\/em><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Ich werde das mit Blick auf die Notwendigkeiten eines ganzheitlichen Naturschutzes und die derzeitigen Abgr\u00fcnde der Naturzerst\u00f6rung ern\u00fcchternd wenig informierte, deutlich am derzeitigen Mainstream orientierte Werk  an anderer Stelle besprechen und diese Einsch\u00e4tzung konkret belegen. In meinem Ethik-Konzept bedeutet das Verbleiben innerhalb der anthropozentrischen Umh\u00fcllung das Gegenteil von zukunftweisender Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Holarchie der Ethik<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst zum Begriff<strong> Holarchie<\/strong>: <\/p>\n\n\n\n<p><em>Der&nbsp;Begriff des&nbsp;Holons&nbsp;(Teil-Ganzes) und der Holarchie (verschachtelte Hierarchie) wird von Ken Wilber (1997, 2006) verwendet, um die universelle Tatsache, dass alle nat\u00fcrlichen Seinsformen&nbsp;Ganze&nbsp;und&nbsp;gleichzeitig&nbsp;Teile&nbsp;eines umfassenderen Ganzen sind, zu beschreiben. Jedes Holon hat einerseits Autonomie, also \u201eSelbstzweck\u201c, und ist andererseits in ein Beziehungsgeflecht eingebunden. Damit ist die Wirklichkeit aufsteigender evolution\u00e4rer Komplexit\u00e4t vorstellbar in \u201eHierarchien\u201c von Holonen, sie ist&nbsp;\u201eholarchisch\u201c.&nbsp;Veranschaulichen kann dies folgende \u00e4u\u00dferliche Holarchie: Elektronen sind Teile von Atomen, diese sind Teile von Molek\u00fclen, die sind Teile von Zellen, diese Teile von Geweben, diese Teile von Organen, diese Teile von K\u00f6rpern. Die Tiefe eines Holons, gleichzeitig seine evolution\u00e4re&nbsp;Bedeutung,&nbsp;w\u00e4chst entsprechend seiner immer weiter reichenden Umfassung vieler Ebenen und der Verflechtung mit anderen Holonen. Die \u201eunteren\u201c Schichten repr\u00e4sentieren das&nbsp;Grundlegende: Atome sind sehr verbreitete&nbsp;Grundlage&nbsp;von organischem und anorganischem Sein. Bedeutendes baut auf Grundlegendem auf, H\u00f6herentwickeltes beh\u00e4lt das evolution\u00e4r Bew\u00e4hrte des Grundlegenden bei, das es mit der n\u00e4chsten Ebene von Bedeutung \u201eumh\u00fcllt\u201c,&nbsp;in Beziehung&nbsp;setzt und mit etwas Neuem versieht. Die Verschachtelung von Holarchien hat im evolution\u00e4ren Ma\u00dfstab inhaltliche, r\u00e4umliche und zeitliche Dimension. Das Komplexere, Bedeutendere folgt innerhalb eines holarchischen Entwicklungsstranges dem Grundlegenden. Entscheidend f\u00fcr die Holarchie und den Zusammenhang zu unserer ganzheitlichen Naturschutzfrage ist: Das Bedeutendere kann ohne \u201eseine\u201c grundlegenden Holone, \u201eaus denen es ist\u201c, nicht existieren. Bei Zerst\u00f6rung des Grundlegenden zerf\u00e4llt das Bedeutende, schon bei Besch\u00e4digung nur von Teilen oder Ebenen des Beziehungsgeflechtes wird es teilbesch\u00e4digt. Je gr\u00f6\u00dfer die Ganzheit, die ein Holon umf\u00e4ngt, umso gr\u00f6\u00dfer sind nun seine \u201eRechte\u201c oder&nbsp;\u201eFreiheiten\u201c&nbsp;zu \u201efunktionieren\u201c bzw. zu \u201eagieren\u201c. Es&nbsp;&nbsp;entstehen jedoch gleichzeitig durch die vielseitigen Bedingungen des Geflechts, die es in sich geh\u00fcllt hat, und Beziehungen, in die es verkn\u00fcpft ist, diesen entsprechende&nbsp;\u201ePflichten\/Notwendigkeiten\u201c&nbsp;f\u00fcr die Aufrechterhaltung des Geflechts (Einzelheiten bei Wilber 2006: 88)<\/em><strong>. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Beispiele:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"773\" src=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cde-1024x773.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2511\" srcset=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cde-1024x773.jpeg 1024w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cde-300x226.jpeg 300w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cde-768x579.jpeg 768w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cde.jpeg 1320w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"771\" src=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cdf-1024x771.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2512\" srcset=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cdf-1024x771.jpeg 1024w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cdf-300x226.jpeg 300w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cdf-768x578.jpeg 768w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cdf.jpeg 1334w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Oben: \u00c4u\u00dferliche Holarchie des Individuums. <br>Unten: Die Holarchie des Innerlichen eines Individuums. In diesem Falle, da wir von &#8222;Geist&#8220; ausgehen, ein Menschenindividuum<br>Die jeweils unteren, inneren Umh\u00fcllungen k\u00f6nnen gelesen werden: <em>&#8222;&#8230;ist Teil und Grundlage von&#8230;&#8220;<\/em> Eine wichtige Konsequenz holarchischer Sicht: Besch\u00e4digung grundlegender Sph\u00e4ren bedeutet Sch\u00e4digung bzw. Nicht-M\u00f6glichkeit aller dar\u00fcber liegenden Umh\u00fcllungen. Die Abbildungen sind entnommen aus dem pers\u00f6nlichen ppt-Curriculum und Archiv Wolfgang Epple.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die folgenden Grafiken m\u00f6gen veranschaulichen, was das <strong><em>Holarchieprinzip<\/em> <\/strong>f\u00fcr die Entwicklung einer <strong><em>Ethik eines ganzheitlichen Naturschutzes <\/em><\/strong>bedeutet:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1014\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd5-1014x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2458\" srcset=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd5-1014x1024.jpeg 1014w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd5-297x300.jpeg 297w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd5-150x150.jpeg 150w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd5-768x776.jpeg 768w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd5.jpeg 1182w\" sizes=\"(max-width: 1014px) 100vw, 1014px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Erweiterung der Ethik \u00fcber den Anthropozentrismus&nbsp;hinaus (obere Grafik ver\u00e4ndert nach Gorke 1999) entspricht eine Ausdehnung des Verantwortungskreises und der Moralgemeinschaft \u00fcber den Menschen hinaus mit der Vertiefung der Reichweite von Verantwortungs- und Mitgef\u00fchl (untere Grafik, ver\u00e4ndert nach <a href=\"https:\/\/core.ac.uk\/download\/pdf\/14520106.pdf\">Epple 2009<\/a>; Stufen der Moral sind konkretisiert in den Tabellen unten). Diese Ausdehnungen sind im Idealfall \u201eHolarchien\u201c im Sinne Wilbers (1997, 2006; vgl. Fu\u00dfnote 11 in Epple 2009): Jede Umh\u00fcllung ist grundlegend f\u00fcr die n\u00e4chste. Bew\u00e4hrtes wird im Rahmen einer \u201eguten\u201c Entwicklung beibehalten, vertieft und mit Neuem versehen. <strong>Die Argumente der Egozentrik&nbsp;und des Anthropozentrismus&nbsp;sind in der Erweiterung der Moralgemeinschaft demnach keinesfalls nur zu verwerfen, sondern haben ihre Berechtigung. Sie werden erg\u00e4nzt und vertieft. So geh\u00f6rt zur Lebensf\u00e4higkeit auch ein \u201egesundes\u201c Ma\u00df an Egozentrik. Dies bedeutet \u201evon oben nach unten betrachtet\u201c: Eine Gesellschaft, in der Mitmenschlichkeit nicht verwirklicht wird, hat keine Basis f\u00fcr die h\u00f6heren Ebenen des Mitgef\u00fchls. Mitgesch\u00f6pflichkeit, umfassender Artenschutz&nbsp;oder gar umfassend gef\u00fchltes und gelebtes \u201eMitsein in der Natur\u201c als erweiterte Kennzeichen der \u201eTiefen\u00f6kologie\u201c (vgl. Naess 1997) und einer barmherzigen Weltsicht k\u00f6nnen ohne die Basis verwirklichter Mitmenschlichkeit nicht erreicht werden.<\/strong> <br><br>Die Ethiken, die in Stufen \u00fcber den Anthropozentrismus hinausreichen, werden in der Literatur als <strong><a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/philosophie\/naturethik\/1393\">Physiozentrismus <\/a><\/strong>zusammengefasst. <br><br>Das Holarchiemodell bietet \u00ad angewandt auf  Stufen des moralischen Urteils \u00ad(etwa nach<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kohlbergs_Theorie_der_Moralentwicklung\"> Lawrence Kohlbergs  Modell<\/a>) auch schl\u00fcssige Denkans\u00e4tze zur fallweisen Aktivierung grundlegender F\u00e4higkeiten\/Strukturen in der pers\u00f6nlichen Entwicklung bereits durchschrittener Stufen\/Wellen, die in der erreichten Ich\u00ad-Identit\u00e4t des jeweiligen Individuums \u201eweiterschlummern\u201c (siehe die Tabellen weiter unten; Tab. 2 in <a href=\"https:\/\/core.ac.uk\/download\/pdf\/14520106.pdf\">Epple 2009<\/a>, Fu\u00dfnote 19). Dazu geh\u00f6ren auch R\u00fcckf\u00e4lle in negativem Sinne, etwa in Situationen nicht ausreichender Gerechtigkeit oder Knappheit von Versorgung der Grundbed\u00fcrfnisse.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"686\" src=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd4-1024x686.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2487\" srcset=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd4-1024x686.jpeg 1024w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd4-300x201.jpeg 300w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd4-768x514.jpeg 768w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd4.jpeg 1198w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Moralische Entscheidungen finden im Spannungsfeld der \u00e4u\u00dferlichen materiellen und der innerlich subjektiven Wirklichkeit statt. F\u00fcr ethische Abw\u00e4gungen entsteht eine Richtschnur. Entscheidend: Altruistischer Naturschutz (siehe Tabelle unten) muss nicht mit einer \u201eGleichmacherei\u201c von Mensch und Natur\u201c im wertetheoretischen Sinne einhergehen. Denn dies ist der g\u00e4ngige, notorische Vorwurf des nutzenorientierten Anthropozentrismus&nbsp;gegen den Naturschutz, gerade auch im Rahmen der <a href=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=86\">Windkraftinvasion<\/a>: \u201eSind Wildtiere etwa mehr wert als der Mensch?\u201c <br><strong>In der Zusammenschau beh\u00e4lt der Mensch in W\u00fcrdigung der bei ihm aufs \u00c4u\u00dferste vertieften Subjektivit\u00e4t seine Sonderstellung<\/strong>&nbsp;(rechte Seite; zur&nbsp;evolution\u00e4ren Vertiefung der&nbsp;<em>Subjektivit\u00e4t der Selbstzwecke der Organismen<\/em>&nbsp;vgl. Jonas, 1979: 157). Aus dieser erw\u00e4chst seine (ethische) Verantwortung f\u00fcr Individuen, Spezies, \u00d6kosysteme (bis zur globalen Dimension).&nbsp;<strong>Zu beachten ist: In der linken Umh\u00fcllung ist das Individuum als ein&nbsp;<em>individuelles<\/em>&nbsp;Teil-Ganzes (Holon)&nbsp;<em>au\u00dferhalb<\/em>&nbsp;versinnbildlicht; Lebensgemeinschaften, Spezies und Populationen setzen sich aus Individuen zusammen; es handelt sich um verschiedene&nbsp;<em>\u00f6kologische<\/em>&nbsp;Systemebenen der Makroevolution auf&nbsp;<em>derselben<\/em>&nbsp;evolution\u00e4ren Ebene wie die Individuen, an denen die Mikroevolution stattfindet. Deshalb k\u00f6nnen diese Ebenen der linken Seite der Abbildungen nicht im Sinne einer Holarchie gedacht bzw. ineinander geschachtelt werden (siehe Wilber 2006:113 ff;)<\/strong>. <strong>Die auf der rechten Seite der Grafik symbolisierte  Entwicklung der inneren Subjektivit\u00e4t dagegen ist eine Holarchie im evolution\u00e4ren Ma\u00dfstab. <\/strong>In der \u00e4u\u00dferen Wirklichkeit(linke Seite)\u201eumh\u00fcllt\u201c  ein von Menschen definiertes \u201e\u00d6kosystem\u201c nur r\u00e4umlich und funktional die Systemebenen bis hinab zu Populationen und Individuen, die \u201edarin\u201c leben. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Aus den Grafiken lassen sich erste schwerwiegende &#8211; und unter Ethikern weiterhin diskutierte &#8211;  Folgerungen herleiten: &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus der Zusammenschau \u201ewiegt\u201c menschliches Leben \u201eschwerer\u201c als das eines Tieres (rechte Seite). Allen Ebenen kann jedoch angemessener eigener Wert (intrinsischer Wert) oder \u201eGewicht\u201c zugestanden werden<\/strong>. <\/p>\n\n\n\n<p>Moralische Abw\u00e4gung, etwa zwischen menschlichem Individualinteresse und Verlust einer Spezies (linke und rechte Seite), erlaubt keine \u201eAufrechnung\u201c beider Seiten und ist streng genommen nicht zul\u00e4ssig, weil moralische Werte keine objektiv&nbsp;<em>messbaren<\/em>&nbsp;Gr\u00f6\u00dfen sind. Zur Frage &#8222;Mensch oder Natur? &#8211; Was hat Vorrang?&#8220; siehe unten.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielmehr ist jeweils die moralische Grundentscheidung entsprechend der erreichten Entwicklungstiefe (siehe untere Tabelle) ausschlaggebend.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eGewichtungen\u201c auf derselben evolutiven H\u00f6he k\u00f6nnen an biologischen Systemebenen ausgerichtet werden. So ist der weltweite Verlust einer Spezies \u201eh\u00f6her\u201c zu gewichten als das lokale Verschwinden einer Population oder der Verlust eines Individuums. F\u00fcr den&nbsp;<em>faktischen<\/em>&nbsp;Vergleich der Verluste muss jedoch der&nbsp;<em>konkrete \u00f6kologische Beziehungsrahmen<\/em>&nbsp;des Einzelfalls erfasst sein.<\/strong> Beim Verschwinden eines regional begrenzten \u00d6kosystems ist selten die ganze Weltpopulation einer Spezies betroffen (ausf\u00fchrliche Diskussion z.B. Gorke 1999, weitere Vertiefung <a href=\"https:\/\/core.ac.uk\/download\/pdf\/14520106.pdf\">Epple 2009<\/a>).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die&nbsp;<em>ethische<\/em>&nbsp;Bewertung&nbsp;eines Eingriffes in die Natur mit&nbsp;<em>individuell<\/em>&nbsp;t\u00f6dlichen Folgen ist nicht durch die&nbsp;<em>\u00e4u\u00dferliche<\/em>&nbsp;Gewichtung oder Bewertung&nbsp;ersetzbar.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"806\" src=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd3-1024x806.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2440\" srcset=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd3-1024x806.jpeg 1024w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd3-300x236.jpeg 300w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd3-768x604.jpeg 768w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd3.jpeg 1182w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Stufen der Ethik in Verbindung mit individueller Moral (ver\u00e4ndert nach Tab.2 in <a href=\"https:\/\/core.ac.uk\/download\/pdf\/14520106.pdf\">Epple 2009<\/a>): Im Rahmen individueller Entwicklung und Reifung (in der Tabelle von oben nach unten) wird der Horizont des Mitgef\u00fchls geweitet. Entwicklungsmodelle unterscheiden innerhalb der Hauptstufen (linke Spalte; pr\u00e4konventionell, konventionell, postkonventionell) verschiedene moralische Vertiefungen (\u00dcbersicht und Zusammenschau der Modelle z.B. bei Wilber 2001, 2006). <strong>Die f\u00fcr die Ziele und Intuitionen des ganzheitlichen Naturschutzes wesentliche Ausdehnung des Mitgef\u00fchls manifestiert sich in stetig abnehmender Egozentrik. <\/strong>Dem k\u00f6nnen in grober N\u00e4herung erweiterte ethische Standpunkte zugeordnet werden (mittlere Spalte). Stufen und \u00dcberg\u00e4nge sind flie\u00dfend zu denken. <strong>Wie die L\u00e4uterung des kindlichen Egoismus die moralische Eingliederung in die Gesellschaft erm\u00f6glicht, k\u00f6nnte eine L\u00e4uterung und schlie\u00dflich Sprengung des anthropozentrischen&nbsp;Standpunktes nach \u00dcberwindung \u201ekonventioneller\u201c Moral-Stufen zur Ausdehnung der Moralgemeinschaft&nbsp;\u00fcber den Menschen hinaus f\u00fchren: von Pathozentrik (Mitgef\u00fchl genie\u00dft alles Leben, das Schmerzen empfinden kann) \u00fcber Biozentrik (alles Leben hat moralischen Status) zur \u00d6kozentrik bzw. Holismus&nbsp;(alle nat\u00fcrlichen Seinsformen, auch die unbelebten, sind moralisch ber\u00fccksichtigungswert).<\/strong> Die rechte Spalte zeigt eine begrenzte Auswahl und grobe Zuordnung der innerhalb der jeweiligen Entwicklungstiefe erdenklichen und auch auftretenden Identit\u00e4ts- und Verhaltens-Merkmale, teilweise in Bezug auf den Umgang mit der Natur. Die Ethik-Begriffe sind verwendet nach Krebs (1997) und Gorke (1999).&nbsp;Pers\u00f6nliche Moral&nbsp;kann nur im Austausch mit anderen Individuen auf Tragf\u00e4higkeit und Konsens \u00fcberpr\u00fcft und zur ausformulierten Ethik werden. Die H\u00f6he der jeweils (individuell und kollektiv) erreichten Stufen wird von komplexen Sozialisationsprozessen innerhalb der \u201eIntersubjektivit\u00e4t\u201c des Menschen, also in der Kommunikation der jeweiligen Gesellschaft und von der \u201eH\u00f6he\u201c des dort m\u00f6glichen Konsenses bestimmt. Die zun\u00e4chst heteronome (also von au\u00dfen) \u00dcbernahme von Moralvorstellungen und Weltbild kann dabei \u2013 je nach Ausstattung und Lebenserfahrung des Individuums &#8211; in immer \u201ereifere\u201c, eigene, autonome \u00dcberlegungen und Handlungen zur Ethik f\u00fchren. Entwicklung wird hierbei in grober N\u00e4herung mit abnehmender Egozentrik&nbsp;beschrieben.<strong> Die Sprengung des anthropozentrischen Denk- und Moralrahmens ist demnach sowohl eine Frage des Konsenses als auch pers\u00f6nlicher Merkmale und derzeit f\u00fcr gro\u00dfe Kollektive im Konsens weltweit au\u00dfer Reichweite (Einzelheiten mit Literaturhinweisen bei <a href=\"https:\/\/core.ac.uk\/download\/pdf\/14520106.pdf\">Epple 2009<\/a>)<\/strong>.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"943\" height=\"529\" src=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/fullsizeoutput_1d45.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2834\" srcset=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/fullsizeoutput_1d45.jpeg 943w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/fullsizeoutput_1d45-300x168.jpeg 300w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/fullsizeoutput_1d45-768x431.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 943px) 100vw, 943px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das Gedicht Rainer Maria Rilkes zur pers\u00f6nlichen Reifung greift in vollendeter Poesie die Holarchie der Entwicklung des Individuums auf. Darstellung aus dem pers\u00f6nlichen ppt-Curriculum Wolfgang Epple<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Jedes Menschenindividuum f\u00e4ngt &#8222;bei &#8222;Null&#8220; an. Entsprechend der milliardenfach individuell verschiedenen pers\u00f6nlichen Reifung in allen Bev\u00f6lkerungen der Erde entsteht folgendes Bild:<\/p>\n\n\n\n<p> <strong>Nicht-Anthropozentrismus&nbsp;ist bis heute nirgends auf der Erde mehrheitsf\u00e4hig. Zur Jahrtausendwende befanden sich etwa 70 % der Weltbev\u00f6lkerung in konventionellen Moral-Bewusstseinsstadien. Diese Mehrheit legitimiert weltweit etwa 80 % der politischen Macht, w\u00e4hrend nur etwa 15 % der Weltbev\u00f6lkerung mit postkonventionellen Stufen enger in Ber\u00fchrung kommen (diese Zahlen nach Wilber 2001). Hier liegt eine der Erkl\u00e4rungen, <\/strong><a href=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=636\"><strong>weshalb \u201eklassischer Naturschutz\u201c mit dem Inhalt eines \u00fcber die Artgrenzen reichenden Altruismus&nbsp;im Wettstreit gegen den anthropozentrisch nutzenorientierten \u201eKlimaschutz\u201c im \u00f6ffentlichen Wettstreit der Argumente und in der zustimmenden Wahrnehmung unterliegt<\/strong>.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Das Engagement junger Menschen im Rahmen von <a href=\"https:\/\/fridaysforfuture.de\">&#8222;Fridays for Future<\/a>&#8220; oder<a href=\"https:\/\/350.org\"> 350.org<\/a> f\u00fcr den &#8222;Klimaschutz&#8220; ist, wie an den dortigen im Wesentlichen auf <a href=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=636\">CO2 und die Unterst\u00fctzung von &#8222;Erneuerbaren Energien&#8220; reduziert<\/a>en Forderungen erkennbar ist, nicht im Sinne der auf dieser Homepage vertretenen Ganzheitlichkeit ausgereift. Dies auch dann, wenn Plakate und Parolen der &#8222;Klimademonstranten&#8220; suggerieren, man wolle sich um die ganze Erde k\u00fcmmern. Auch das gelegentliche Huckepack-Nehmen des Artenschutzes erscheint nicht im Kontext der Unterst\u00fctzung oder gar des Verst\u00e4ndnisses f\u00fcr den klassisch-altruistischen und m\u00fchsamen Ansatz ganzheitlichen Naturschutzes. Vielmehr m\u00fcndet die Einseitigkeit der Forderungen der &#8222;Klimasch\u00fctzer&#8220; sogar <a href=\"https:\/\/www.naturschutz-initiative.de\/images\/PDF2019\/ESSAY-EPPLE-WOLFGANG.pdf\">in Teilen in eine erkl\u00e4rte Frontstellung gegen den Naturschutz.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Trotz immer m\u00f6glicher R\u00fcckschl\u00e4ge und derzeit weltweit nicht naturschutzf\u00f6rderlicher Tendenzen im Weltgeschehen ist ein Wertewandel&nbsp;f\u00fcr die Zukunft nach vielen Richtungen, also auch in Richtung einer vertieften und erweiterten Naturethik, im Bereich des M\u00f6glichen. Eine positive Entwicklung  w\u00e4re im Kollektiv geteilte weiter abnehmende Egozentrik bis zur Konsens- und Mehrheits-f\u00e4higen barmherzigen Weltsicht und dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Mensch-Natur-Verh\u00e4ltnis entwickelt sich in verschiedenen Kulturstufen<\/strong> <\/h4>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Stellung des Menschen zur Natur kann auch mit der Entwicklung menschlicher Kultur in den vergangenen 200.000 Jahren in Beziehung gesetzt werden. Die Weitungen des Denkrahmens und damit auch der Moralgemeinschaft und Ethik begegnen uns gewisserma\u00dfen auf einer Zeitreise oder Zeitachse (rechte Spalte der folgenden Tabelle, nicht ma\u00dfst\u00e4blich): <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"979\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd6-979x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2439\" srcset=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd6-979x1024.jpeg 979w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd6-287x300.jpeg 287w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd6-768x803.jpeg 768w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1cd6.jpeg 1180w\" sizes=\"(max-width: 979px) 100vw, 979px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Tabelle zeigt die Stellung des Menschen zur Natur im Laufe der kulturellen Geschichte und Entwicklung der Menschheit; mensch\u00adliche Ethiken im Bezug auf Natur (Tabelle 1 in <a href=\"https:\/\/core.ac.uk\/download\/pdf\/14520106.pdf\">Epple 2009<\/a>; ver\u00e4ndert nach <em>Epple (2002) Jagd \u2013 eine Frage der Ethik. In: Vogeljagd. Zusammenfassung Seminar des&nbsp;&nbsp;\u00d6JV 2001: 68-80<\/em>.)<br>Archaischer Anthropozentris\u00admus herrscht zun\u00e4chst unreflektiert w\u00e4hrend der gesamten fr\u00fchen, pr\u00e4rationalen Entwicklung&nbsp;der Menschheit, also ann\u00e4hernd 200.000 Jahre. <a href=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=672\">Vergleiche die in dieser Zeit erfolgte &#8222;Eroberung der Erde&#8220; als praktisch unbegrenzter Siedlungsraum<\/a>. <strong>Archaische Kulturstufen gingen und gehen dabei jedoch&nbsp;vorbewusst (pr\u00e4rational) von der Einheit des Menschen mit der Natur aus<\/strong>; sie praktizieren eine nicht &#8222;rational&#8220; reflektierte Form des <em>Mitseins in der Natur<\/em>. Die Natur wird deshalb \u201evor\u00adrational\u201c&nbsp;verehrt, respektiert und gef\u00fcrchtet (der &#8222;gro\u00dfe Geist&#8220;, &#8222;Mutter Erde&#8220; usw.). Reflektierte anthropozentrische Ethik beginnt in der An\u00adtike mit Nachdenken \u00fcber und Erkenntnis der Sonderstellung des Menschen. <strong>Reflektierter&nbsp;Anthropozentrismus herrscht damit grob seit etwa 3000 Jahren. Kultur wird zum Entwurf&nbsp;\u201egegen\u201c die Natur.<\/strong> <br><strong>Die grunds\u00e4tzliche Hinterfragung des anthropozentrischen Standpunktes&nbsp;setzt erst gegen Ende des 20. Jahrhundert n.Chr. ein. Diese Entwicklung w\u00e4hrt also bislang etwa 40 Jahre. Erste Naturschutzbem\u00fchungen sind zwar mehr als 100 Jahre alt; der anthropozentrische Standpunkt wurde jedoch zun\u00e4chst und sehr lange noch beibehalten, und \u00fcberwiegt bis heute weiterhin im Diskurs (s.o., Anteile der Moral-Bewussteseinsstufen an der Gesamtbev\u00f6lkerung). Die \u201eintegrale&nbsp;Stufe\u201c (angelehnt an Wilber 2001, 2007) eines transrationalen <em>Mitseins in der Natur<\/em> ist vorl\u00e4ufig eine Vision<\/strong>&#8230;:<br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"758\" src=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1ce2-1024x758.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2537\" srcset=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1ce2-1024x758.jpeg 1024w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1ce2-300x222.jpeg 300w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1ce2-768x569.jpeg 768w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/fullsizeoutput_1ce2.jpeg 1332w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Entwicklung der Ethik in Beziehung zu Kulturstufen, Weltbildver\u00e4nderungen mit einigen ethischen &#8222;Durchbr\u00fcchen&#8220; (Speerspitzen). Die Farben sind angelehnt an Ken Wilbers Kosmologie. Die Abbildung ist entnommen aus dem pers\u00f6nlichen ppt-Curriculum und Archiv Wolfgang Epple. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die letzten Grafiken zeigen: <strong>Erst in allerj\u00fcngster Vergangenheit seiner ungef\u00e4hr 200.000 Jahre w\u00e4hrenden Geschichte befasst sich der moderne Mensch, der Homo sapiens, mit Ethik; noch k\u00fcrzer, quasi ein Wimpernschlag dauert die Befassung ethischer Belange \u00fcber den anthropozentrischen Tellerrand hinaus. Es ist die Frage einer Erweiterung dessen, was wir mit \u00fcberzeugenden Argumenten in unsere Moralgemeinschaft aufnehmen. In diese \u00dcberlegungen geht zentral das Zugest\u00e4ndnis von differenziertem Eigenwert nat\u00fcrlicher Seinsformen ein. <em>&#8222;Ehrfurcht vor dem Leben&#8220;<\/em> ist im Sinne reflektierter Befassung mit Eigenwert und Recht auf Sein des nat\u00fcrlichen Gegen\u00fcbers zu verstehen. <\/strong>Das weitgehendste Zugest\u00e4ndnis von moralischer Ber\u00fccksichtigung allerdings f\u00fchrt \u00fcber die Voraussetzung, dass es sich beim Gegen\u00fcber um Lebendiges handeln muss, hinaus. Dies ist der \u00f6kozentrisch\/holistische Ansatz einer Wertetheorie, die auch die Rahmenbedingungen f\u00fcr die Existenz des Lebens moralisch ber\u00fccksichtigt. <\/p>\n\n\n\n<p>Gewisserma\u00dfen schlie\u00dft sich der Kreis: Waren unseren fr\u00fchen Vorfahren in mythisch-vorrational-archaischen Kulturstufen auch Felsen, Steine, ganze Berge, Fl\u00fcsse als Naturwesen heilig, so schl\u00e4gt eine ganzheitliche Ethik einen Umgang mit der Natur vor, der bereits den Eingriff selbst  moralisch auf den Pr\u00fcfstand stellt: Die Besch\u00e4digung nat\u00fcrlicher Seinsformen muss in einem solchen ethischen Denkrahmen existenziell begr\u00fcndet sein. Eine Folge holistischen Ethikansatzes: Nicht der Verteidiger der Natur muss die Sch\u00e4dlichkeit des Eingriffes beweisen, sondern die Beweislast wird in Folge ganzheitlicher Ethik umgekehrt (Gorke 1999; W\u00fcrdigung und Diskussion der vorlaufenden Gedankeng\u00e4nge von Hans Jonas in<a href=\"https:\/\/core.ac.uk\/download\/pdf\/14520106.pdf\"> Epple 2009<\/a>). Klar ist: Der Mensch hat auch in diesem Rahmen ein Notwehrrecht. Denn Notwehr  &#8211; auch gegen au\u00dfermenschliches Leben &#8211; ist existenziell begr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein letzter, sehr wesentlicher Aspekt f\u00fcr die Befragung unseres moralischen Empfindens ist der&#8230;<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>&#8230;.Zusammenhang von Ethik und Intuition<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=181\">Jedem Engagement f\u00fcr den Naturschutz geht eine grundlegende<strong> Intuition<\/strong>, die uns auch bei der Befassung mit dem \u00c4sthetik-Argument begegnet, voraus<\/a>. Es ist etwas &#8222;Unwillk\u00fcrliches&#8220;, das uns <em>Verantwortung<\/em> und<em> Schuld<\/em> auch gegen wehrlose Natur sp\u00fcren l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehrere Vordenker einer Naturschutzethik haben diese intuitive Seite im Zusammenhang mit Ethik beleuchtet; Zitat aus <a href=\"https:\/\/core.ac.uk\/download\/pdf\/14520106.pdf\">Epple (2009)<\/a>, dortige Fu\u00dfnote Nr.9: <em>&#8222;Das Konzept einer&nbsp;<strong>elementaren menschlichen&nbsp;Intuition&nbsp;<\/strong>als Grundlage eines auf den Eigenwert nat\u00fcrlicher Gegen\u00fcber bezogenen Verantwortungsgef\u00fchls&nbsp;findet sich bei Jonas (1979: 168, 175) in der Beleuchtung des <strong>motivierenden Interesses<\/strong>. H\u00f6sle (1991) pl\u00e4diert f\u00fcr das&nbsp;<strong>Gef\u00fchl als moralisch wertverleihende Instanz&nbsp;<\/strong>&nbsp;(weiteres Zitat&nbsp;&nbsp;in Klier 2007:113).&nbsp;<strong>Intuition<\/strong>&nbsp;ist auch von Gorke (1999:124 ff., und 2000) als Beweggrund letztlich aller Naturschutzbem\u00fchungen \u00fcberzeugend in der j\u00fcngeren Ethikdebatte herausgestellt worden. Zur Herkunft dieser Intuition vgl. Epple (2006a). Und vergleichbar ist f\u00fcr&nbsp;&nbsp;Wilber (2001: 196) eine&nbsp;\u201e<strong>Grundlegende Moralische Intuition<\/strong>\u201c&nbsp;(GMI) innerliche Voraussetzung f\u00fcr die Verwirklichung seines integralen Ansatzes.&#8220;<\/em> Die Erkenntnis, dass Gef\u00fchle in diese grundlegende Intuition eines Eigenwertes des nat\u00fcrlichen Gegen\u00fcber hineinreichen, unterstreicht die Berechtigung emotionaler Argumente f\u00fcr den ganzheitlichen Naturschutz (ausf\u00fchrlich erneut begr\u00fcndet in Epple 2017 f\u00fcr die Auseinandersetzung um die<a href=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=86\"> Naturzerst\u00f6rung durch die Windkraftindustrie<\/a>). <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das <a href=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=181\">Sch\u00f6nheit-Argument <\/a>zur Verteidigung der Natur geht Hand in Hand mit intuitiver Wertannahme, und also Hand in Hand mit dem hier ausgebreiteten Ethik-Argument. Das eine ist ohne das andere nicht zu denken. Warum sollten wir f\u00fcr die Unversehrtheit einer Narturlandschaft k\u00e4mpfen, f\u00fcr die Verschonung von Arten vor Verfolgung, wenn wir ihnen nicht intuitiv einen Eigenwert zugestehen w\u00fcrden?<\/strong> Gef\u00fchlsbetonte Argumentation schlie\u00dft dabei keineswegs aus, sich in der Ethik-Debatte ganz rational mit den Argumenten f\u00fcr oder gegen die Ausdehnung der verschiedenen Denk-Ans\u00e4tze auseinanderzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Der hier vertretene Ethik-Entwurf f\u00fcr einen ganzheitlichen Naturschutz wirkt sich sehr konkret auch darauf aus, <a href=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=1207\">wie wir mit den Indivduen von Arten im Interessenkonflikt umgehen: Jede Form gewaltloser Konfliktl\u00f6sung muss anderen, blutigen und verachtenden  Alternativen vorgezogen werden. <\/a>Mit dieser Forderung \u00fcbrigens stehen die Ausnahmegr\u00fcnde nach den Naturschutz-Richtlinien der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften (FFH-RL- und Vogelschutz-RL) voll im Einklang: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-red-color has-text-color\"><strong>Ausnahmen vom Schutz nur <em>&#8222;sofern es keine andere zufriedenstellende L\u00f6sung gibt&#8220;<\/em><\/strong>&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt wird die Disksussion um eine der umfassenden sozial-\u00f6kologischen Krise  angemessene Ethik durchaus kontrovers gef\u00fchrt.  Kritiker des ganzheitlichen Ansatzes vertreten die Ansicht, dass die <a href=\"https:\/\/core.ac.uk\/download\/pdf\/14520106.pdf\">Argumente eines gel\u00e4uterten Anthropozentrismus <\/a>gen\u00fcgen, die Natur umfassend zu sch\u00fctzen. Ich tendiere zur Notwendigkeit der Sprengung des anthropozentrischen Rahmens, und ziehe ein vorl\u00e4ufiges&#8230;<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>&#8230;Fazit mit Schlussbemerkungen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Ganzheitlicher Naturschutz, wie ich ihn hier verstehe, kann ohne  Erweiterung der Ethik \u00fcber den anthropozentrischen Rahmen hinaus nicht gedacht und nicht verwirklicht werden.<\/strong> Auch weiterhin eingeschr\u00e4nkte Ethiken unterhalb eines ganzheitlichen Ansatzes, wie der Pathozentrismus und selbst der Biozentrismus, reichen nicht hin f\u00fcr einen ganzheitlichen und umfassenden Ansatz. Wertedifferenzierungen und Entscheidungen, die G\u00fcterabw\u00e4gung beinhalten, sind allerdings weiterhin nicht pauschal und durch Vereinfachung l\u00f6sbar. Die hier versuchte Synopse wird eher als Denkrichtung und Gef\u00fchlsansto\u00df denn als L\u00f6sung verstanden. F\u00fcr Differenzierungen und Entscheidungen aber gibt es damit immerhin eine Richtschnur.<\/p>\n\n\n\n<p>Finden Sie selbst heraus, wo sich das von mir im Titel der Homepage verwendete <strong>&#8222;Mitsein des Menschen in der Natur&#8220;<\/strong> ansiedeln lie\u00dfe. Es findet sich in zwei sehr verschiedenen &#8222;Stadien&#8220; menschlicher Kultur&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Frage: <em>Mensch oder Natur? &#8211; Was hat Vorrang?<\/em> &#8230; lasse ich ganz bewusst den gro\u00dfen, die Sprengung des Anthropozentrismus vordenkenden Naturphilosophen Hans Jonas aus &#8222;Prinzip Verantwortung&#8220; (1979) zu Wort kommen, denn &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:24px\"><sup>&#8230;die Auffassung Jonas\u2019 (1979: 246) ist eindeutig und dennoch differenziert:\u00a0\u00a0<\/sup><em><sup>\u201eIn der Wahl zwischen Mensch und Natur, wie sie sich im Daseinskampf von Fall zu Fall immer wieder stellt, kommt der Mensch zuerst und die Natur, auch wenn ihr W\u00fcrde zugestanden ist, muss ihm und seiner h\u00f6heren W\u00fcrde weichen&#8230;\u201c<\/sup><\/em><sup>\u00a0\u00a0Diese Auffassung kann allerdings nicht in eine verk\u00fcrzte anthropozentrische Haltung umgedeutet werden<\/sup><a href=\"https:\/\/core.ac.uk\/download\/pdf\/14520106.pdf\">. <\/a><sup>Denn Jonas\u00a0\u00a0pl\u00e4diert gerade in diesem besonders heiklen Zusammenhang (1979: 245) eben nicht eng anthropozentrisch , sondern genauso unzweideutig gegen eine\u00a0<\/sup><em><sup>\u201eanthropozentrische Verengung\u201c\u00a0<\/sup><\/em><sup> bei der Abw\u00e4gung zwischen der <strong>Pflicht zum Menschen<\/strong> und der <strong>Pflicht zur Natur<\/strong>, da selbst, so Jonas w\u00f6rtlich:\u00a0<\/sup><em><sup>\u201eim Gl\u00fccksfall biologischer Erhaltung<\/sup><\/em><sup>\u201c in\u00a0<\/sup><em><sup>\u201eeiner ver\u00f6deten (und gro\u00dfenteils durch Kunst ersetzten) Lebensumwelt\u201c<\/sup><\/em><sup>, diese \u201e<\/sup><em><sup>Verengung auf den Menschen allein und als von aller \u00fcbrigen Natur verschieden\u201c<\/sup><\/em><sup>\u00a0nur\u00a0<\/sup><em><sup>\u201eEntmenschung des Menschen selbst\u201c<\/sup><\/em><sup>\u00a0und\u00a0<\/sup><em><sup>\u201edie Verk\u00fcmmerung seines Wesens\u201c<\/sup><\/em><sup>\u00a0bedeuten kann. Nach Hans Jonas k\u00f6nnen demnach beide Pflichten\u00a0<\/sup><em><sup>\u201eunter dem Leitbegriff\u00a0<\/sup><\/em><strong><em><sup>der Pflicht zum Menschen<\/sup><\/em><\/strong><em><sup>\u00a0als eine\u201c<\/sup><\/em><sup>\u00a0(Hervorhebung von Jonas) behandelt werden. <strong>Als zentraler Gedanke der Verantwortungs-Ethik taucht hier, folgend dem nat\u00fcrlichen\u00a0Gewordensein des Menschen, die\u00a0<\/strong><\/sup><em><strong><sup>Treue zum verwandten Ganzen<\/sup><\/strong><\/em><sup><strong>\u00a0auf. <\/strong>Jonas (1979: 246) weiter:\u00a0<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:25px\"><em><sup>\u201eIm wahrhaft menschlichen Blickpunkt bleibt der Natur ihre Eigenw\u00fcrde, die der Willk\u00fcr unserer Macht entgegensteht. <strong>Als von ihr hervorgebracht schulden wir dem verwandten Ganzen ihrer Hervorbringungen eine Treue, wovon die zu unserem eigenen Sein nur die h\u00f6chste Spitze ist. Diese aber, recht verstanden, befasst alles andere unter sich.<\/strong>\u201c<\/sup><\/em> <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Formulierungen sind in ihrer gedanklicher Weitf\u00fchrung und Vollendung die ethisch begr\u00fcndete Besinnung des Menschen auf seine Herkunft, mit allen aus ihr folgenden Konsequenzen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/prison-fence-219264_1280-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2933\" srcset=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/prison-fence-219264_1280-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/prison-fence-219264_1280-300x225.jpg 300w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/prison-fence-219264_1280-768x576.jpg 768w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/prison-fence-219264_1280.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Mensch hat als einzige Spezies der Erde den Vernichtungskrieg, die gezielte Freiheitsberaubung, die mit Bedacht durchgef\u00fchrte Ausgrenzung und Eingrenzung, Gefangenschaft, Folter oder Misshandlung als Mittel von Herrschaft und Gewalt &#8211; aus welchen Gr\u00fcnden auch immer &#8211; erfunden. Eine konsequent zur barmherzigen Weltsicht f\u00fchrende Entwicklung ist die nach Hans Jonas wohlverstandene Pflicht zum Menschen, die die Gerechtigkeitsfrage nicht nur als dringliche und ungel\u00f6ste Aufgabe f\u00fcr den Umgang unter Menschen stellt, sondern sie auf unser Verh\u00e4ltnis und Handeln gegen\u00fcber allem nat\u00fcrlich Seienden und Gewordenen ausdehnt. Foto: Jody Davis, <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/photos\/gef\u00e4ngnis-zaun-219264\/\">Pixabay<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine vorl\u00e4ufige Schlussbemerkung, als Wunsch:<\/p>\n\n\n\n<p>Der hier vorgetragene Versuch einer Richtschnur f\u00fcr eine <strong>Ethik des  ganzheitlichen Naturschutzes<\/strong> soll am Ende getragen sein von Optimismus: Dass m\u00f6glichst viele Menschen auf der Erde mit h\u00f6heren Wellen des (moralischen) Bewusstseins in Ber\u00fchrung kommen, und damit im gro\u00dfen Menschheitskollektiv ein gemeinschaftlich getragener Sprung auf eine n\u00e4chsth\u00f6here und aus meiner Sicht n\u00e4chstbessere Stufe des Umgangs mit unserem Heimatplaneten erreicht werden kann &#8211; ein besserer Umgang mit allem, was auf diesem Planeten als &#8222;Geschenk der Natur&#8220; vorgefunden wird, was unser Leben erst erm\u00f6glicht und \u00fcber die Existenzsicherung hinaus bereichert. <\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht erm\u00f6glicht eine solcherma\u00dfen \u00fcber den Anthropozentrismus hinausgehende, erweiterte Ethik auch  die R\u00fcckbesinnung auf Erlebnis- und Gef\u00fchlswelten, die den archaischen Stufen der Menschheit im Umgang mit der Natur nicht fremd waren. Eine besondere Kategorie ist die <strong>Ehrfurcht<\/strong>. Man vergleiche hierzu das von mir gew\u00e4hlte <a href=\"http:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=636\">Eingangszitat zur Seite Klimawandel und &#8222;Klimaschutz&#8220;<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p>Noch einmal erh\u00e4lt der gro\u00dfe j\u00fcdisch-deutsche Naturphilosoph das Wort:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><em><strong>\u201e(\u2026) Die Ehrfurcht allein, indem sie uns ein \u201eHeiliges\u201c, das hei\u00dft unter keinen Umst\u00e4nden zu Verletzendes enth\u00fcllt (und das ist auch ohne positive Religion dem Auge erscheinbar), wird uns auch davor sch\u00fctzen, um der Zukunft willen die Gegenwart zu sch\u00e4nden, jene um den Preis dieser kaufen zu wollen. (\u2026) Ein degradiertes Erbe wird die Erben mit degradieren.\u201c<\/strong><\/em>   Hans Jonas\u2018 (zum in der Ehrfurcht enth\u00fcllten Tabu; in&#8220;Das Prinzip Verantwortung&#8220; 1979, S. 393)&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle Beitragsbild: Pixabay Von der Gerechtigkeitsfrage zur Ethik Wie auf der Startseite betont, hat eine ganzheitliche Herangehensweise an Naturschutzfragen ethische Konsequenzen. 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