{"id":3197,"date":"2020-10-29T12:33:31","date_gmt":"2020-10-29T12:33:31","guid":{"rendered":"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=3197"},"modified":"2022-09-07T07:21:34","modified_gmt":"2022-09-07T07:21:34","slug":"tierschutz-und-ganzheitlicher-naturschutz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=3197","title":{"rendered":"Tierschutz und ganzheitlicher Naturschutz"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Beitragsfoto: Joanne McArthur\/Animal Welfare, mit Dank f\u00fcr die freundliche \u00dcberlassung. Das Bild zeigt ein sterbendes Schwein, das versucht, sich zu erheben; in diesem Fall in einem thail\u00e4ndischen Mastbetrieb. Solche Zust\u00e4nde sind weltweit austauschbar.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"985\" src=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/PigFarm_Italy_JMcArthur_20150914-9465-Edit-2-1024x985.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3200\" srcset=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/PigFarm_Italy_JMcArthur_20150914-9465-Edit-2-1024x985.jpg 1024w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/PigFarm_Italy_JMcArthur_20150914-9465-Edit-2-300x288.jpg 300w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/PigFarm_Italy_JMcArthur_20150914-9465-Edit-2-768x739.jpg 768w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/PigFarm_Italy_JMcArthur_20150914-9465-Edit-2-1536x1477.jpg 1536w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/PigFarm_Italy_JMcArthur_20150914-9465-Edit-2-2048x1969.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption> Die industrielle &#8222;Erzeugung&#8220; von Schweinefleisch geht  weltweit mit erb\u00e4rmlichen und besch\u00e4menden Haltungsbedingungen einher. Deutschland macht keine Ausnahme. Foto: Industrial pig farming. Italien, 2015. Joanne McArthur, Animal Welfare.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"VIER PFOTEN Kampagnenvideo - Kastenstand - Wer hier lebt ist eine arme Sau.\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/IG-qEH84UEI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption><a href=\"https:\/\/www.vier-pfoten.de\/kampagnen-themen\/themen\/nutztiere\/schweine\/kastenstand\">Das Video der Organisation &#8222;Vier Pfoten&#8220;<\/a> zum Kastenstand f\u00fcr Zuchtschweine ist selbstredend.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Wie die Hausfrau, die die Stube gescheuert hat, Sorge tr\u00e4gt, dass die T\u00fcre zu ist, damit ja der Hund nicht hereinkomme und das getane Werk durch die Spuren seiner Pfoten entstelle, also wachen die europ\u00e4ischen Denker dar\u00fcber, dass ihnen keine Tiere in der Ethik herumlaufen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Was sie sich an Torheiten leisten, um die \u00fcberlieferte Engherzigkeit aufrechtzuerhalten und auf ein Prinzip zu bringen, grenzt ans Unglaubliche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Entweder lassen sie das Mitgef\u00fchl gegen Tiere ganz weg, oder sie sorgen daf\u00fcr, dass es zu einem nichtssagenden Rest zusammenschrumpft. Lassen sie etwas mehr davon bestehen, so glauben sie daf\u00fcr weithergeholte Rechtfertigungen, wenn nicht gar Entschuldigungen vorbringen zu m\u00fcssen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Zitat wird Albert Schweitzer zugeschrieben. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mit dem zur Schweinehaltung grunds\u00e4tzlich notwendigen Hinweis, dass es sehr wohl Formen der Zucht, Haltung und &#8222;Nutzung&#8220; von Hausschweinen gibt, die dem Wohl der Tiere mehr entsprechen,  sei hier ausdr\u00fccklich dem Verzehr von Schweinefleisch oder Fleisch im Allgemeinen nicht das Wort geredet. Dass ethische \u00dcberlegungen \u00fcber Vegetarismus hinaus bis zu Veganismus f\u00fchren, ist f\u00fcr viele Menschen inzwischen die konsequente Reaktion auf die Frage, ob \u00fcberhaupt weiterhin Tiere gegessen werden sollen. Dies auch vor dem Hintergrund des enormen Ressourcenverbrauchs f\u00fcr die Erzeugung von Fleisch.<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Dass Vegetarier oder Veganer bis heute in einigen Bev\u00f6lkerungskreisen noch immer mit Unverst\u00e4ndnis bis hin zum Spott konfrontiert sind, ist Zeichen mangelnder Entwicklung und Toleranz.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Tierschutz &#8211; sehr wohl eine Frage der Ganzheitlichkeit des Naturschutzes<\/strong> <strong>und der Conditio humana<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Warum befasse ich mich in einem Auftritt unter <em>ganzheitlichem Naturschutz<\/em> auch mit dem <em>Tierschutz,<\/em> und speziell mit dem Umgang des Menschen mit &#8222;Nutztieren&#8220;, &#8222;Haustieren&#8220; und &#8222;Zirkustieren&#8220;? Die Antwort ist einfach. Die Begleitumst\u00e4nde aber sind komplex. <\/p>\n\n\n\n<p>Aus der speziellen Beziehung des Menschen zur Natur ist in der sogenannten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neolithische_Revolution\">Neolithischen Revolution<\/a> die <strong>Domestikation von Wildtieren<\/strong> zun\u00e4chst als herausragende Leistung des Menschen zu betrachten und hat zu einem eigenen, <a href=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=1441\">vom Menschen verursachten und in allen &#8211; auch positiven &#8211; Konsequenzen zu verantwortenden  Aspekt der biologischen Vielfalt g<\/a>ef\u00fchrt. Urspr\u00fcnglich war durch den Vorgang der Haustierwerdung die &#8222;Wildbahn&#8220; theoretisch entlastet, wurden doch anstrengende und gefahrvolle Jagden durch den Zugang zur Nahrungsquelle direkt hinter dem Hofzaun ersetzt. Fleisch, Wolle, Leder, sp\u00e4ter Milch&#8230;alles &#8222;liefern&#8220; die sogenannten Nutztiere. Den fr\u00fchesten Tierhaltern war die eingegangene Verantwortung der Obhut, des H\u00fctens, des Wohlergehens des tierischen Partners noch Selbstverst\u00e4ndlichkeit, und mit der Hereinnahme des bis heute verfemten Wolfs in den Bestand der Ur-Bauernh\u00f6fe und Siedlungen war der &#8222;treueste Begleiter&#8220; des Menschen im Kreis der Nutzungs- und H\u00e4tscheltrabanten aufgenommen: der Hund. Fr\u00fch, letztlich &#8222;system-immanent&#8220; &#8211; war der <a href=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=1207\">Konflikt der ersten Tierhalter mit dem wilden Vorfahren der H\u00fctehunde <\/a>geboren, und begleitet uns bis heute.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=1441\">Inzwischen ist die Nutztierhaltung qualitativ wie quantitativ zum Bedrohungsfaktor f\u00fcr die Vielfalt des Lebens auf der Erde geworden.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ich wende mich auf dieser Seite dem speziellen Umgang des modernen Menschen mit den sogenannten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nutztier\">&#8222;Nutztieren&#8220;<\/a> zu. Das sind unter anderem die in Obhut genommenen Paarhufer (K\u00fche, Ziegen, Schafe, Schweine), das Pferd, die Kamele. Im Bereich der V\u00f6gel sind H\u00fchner und Puten, Enten und G\u00e4nse und selbst Tauben in den Nutzung-, Zucht- und Haltungsbereich des Menschen gelangt. Bei den Insekten in menschlicher Obhut ist herausragend die Honigbiene zu nennen. Im Umgang mit den gro\u00dfen Nutztieren und mit dem Gefl\u00fcgel offenbaren sich die gr\u00f6\u00dften Missst\u00e4nde und Gr\u00e4uel.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Einige Zahlen und Fakten zur Nutztierhaltung in Deutschland<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Nach <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Branchen-Unternehmen\/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei\/Tiere-Tierische-Erzeugung\/_inhalt.html;jsessionid=1DF582342D9DC0E6C34781510A2716D1.internet8722\">Angaben des Statistischen Bundesamtes werden <\/a>alleine in Deutschland <strong><em>22,3 Millionen Schweine und <\/em><\/strong><em><strong>11,0 Millionen Rinder<\/strong> <\/em>bei leicht abnehmender Tendenz gehalten. Hinzu kommen <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Branchen-Unternehmen\/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei\/Tiere-Tierische-Erzeugung\/schafe.html\">noch ca. 1,5 Millionen Schafe<\/a> und nach <a href=\"https:\/\/www.pferd-aktuell.de\/deutsche-reiterliche-vereinigung\/zahlen--fakten\">Hochrechnungen der &#8222;Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN&#8220; (Stand 2018) ca. 1,25 Millionen Pferde.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das sind rund 220 Gro\u00df-Nutz-S\u00e4ugetiere pro Quadratkilometer landwirtschaftlicher Nutzfl\u00e4che in Deutschland!<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Zum Vergleich: Eines der letzten gro\u00dfen und sehr dicht von Wildtieren nat\u00fcrlich besiedelten Areale der Erde, das  Savannengebiet der etwa 30.000 qkm gro\u00dfen und ber\u00fchmten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Serengeti\">Serengeti <\/a>beherbergt ungef\u00e4hr 1,6 Millionen gro\u00dfe Pflanzenfresser. Das sind 53 pro qkm. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Gefl\u00fcgel hat laut <a href=\"https:\/\/www.bmel-statistik.de\/landwirtschaft\/tierhaltung\/gefluegelhaltung\">BMEL-Statistik in Deutschland<\/a> (Stand 2020) inzwischen den h\u00f6chsten Individuen-Anteil:<\/p>\n\n\n\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.bmel-statistik.de\/landwirtschaft\/tierhaltung\/gefluegelhaltung\">&#8222;Mit \u00fcber 159 Millionen Tieren dominiert auf deutschen Gefl\u00fcgelh\u00f6fen das Huhn. Legehennen und Masth\u00fchner stellen damit 90 Prozent des Gefl\u00fcgelbestandes. An zweiter Stelle mit rund 11,5 Millionen Tieren steht das Truthuhn, das im Handel als Pute vermarktet wird. Platz drei belegt die Entenhaltung mit rund zwei Millionen Tieren. Oft als Martinsgans oder Weihnachtsgans vermarktet, nimmt die G\u00e4nsehaltung in Deutschland lediglich eine Marktnische ein. Perlh\u00fchner, Strau\u00dfe, Fasane, Wachteln und Tauben k\u00f6nnen auch landwirtschaftlich genutzt werden, was aber in Deutschland gemessen an den Schlachtzahlen nur in sehr geringem Umfang stattfindet.&#8220;<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Damit wird klar, welch gro\u00dfen \u00f6kologischen Druck die Nutztierhaltung f\u00fcr die zur Verf\u00fcgung stehenden landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen alleine in Deutschland bedeutet. <strong>Damit wird auch der innere Zusammenhang mit ganzheitlichem Naturschutz klar. <\/strong>Brennende Fragen dr\u00e4ngen sich auf. Einige werden an anderer Stelle meiner Homepage aufgegriffen (siehe Links): <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Woher stammen die Fremd- und Futtermittel&nbsp;f\u00fcr die Tierhaltung&nbsp;?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wo und wie werden die Abf\u00e4lle und Hinterlassenschaften \u201eentsorgt\u201c ?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Versch\u00e4rft die<\/strong> <strong>Fleischproduktion das <a href=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=849\">\u00dcberschreiten der Tragf\u00e4higkeit<\/a><\/strong>?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>K\u00f6nnen wir begrenzte und Fl\u00e4chen <a href=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=91\">gerecht mit Wildtieren teilen<\/a>?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Haben Fakten der (Massen-)Tierhaltung  <a href=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=2434\">ethische Relevanz<\/a>?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir wenden uns auf dieser Seite vertieft den Konsequenzen aus solchen Tier-Massen f\u00fcr das Wohl der &#8222;Nutztiere&#8220; zu, denn sie haben erhebliche ethische Brisanz:<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Deutsche Ethikrat &#8211; endlich eine Stellungnahme zum &#8222;Tierwohl&#8220;<\/strong> &#8211; <strong>was wird sie bewirken?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.ethikrat.org\/fileadmin\/Publikationen\/Stellungnahmen\/deutsch\/stellungnahme-tierwohlachtung.pdf\">Deutsche Ethikrat formuliert im Juni 2020 in seiner Stellungnahme <strong>&#8222;Tierwohlachtung &#8211; zum verantwortlichen Umgang mit Nutztieren&#8220;<\/strong>:<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Der Umgang des Menschen mit Tieren ist seit jeher durch erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftige Ambivalenzen gekennzeichnet: Zucht, Haltung, Schlachtung und Verwertung von Tieren sind eng mit der Kulturgeschichte des Menschen verbunden. So w\u00e4re die Besiedlung vieler Regionen wie Gebirge oder Steppen und die Entstehung von Kulturlandschaften und spezifischer lokaler Kulturformen (deren Koch- und Essgewohnheiten eingeschlossen) ohne die Nutzung bis hin zur T\u00f6tung von Tieren nicht vorstellbar. In diesem Sinne stellt die traditionelle Nutztierhaltung ein wichtiges Kulturgut dar. Allerdings war die Beziehung zwischen Menschen und Nutztieren oft durch ein enges und respektvolles Zusammenleben in h\u00e4uslicher Gemeinschaft gepr\u00e4gt, in dessen Rahmen die Menschen auch die einzelnen Tiere im Blick hatten. Demgegen\u00fcber ist die heutige Massentierhaltung durch gro\u00dfe Tierzahlen, beengte Verh\u00e4lt- nisse und starken Preisdruck gekennzeichnet. Das erschwert ein Eingehen auf die individuellen arttypischen Bed\u00fcrfnisse des Tieres oder den pers\u00f6nlichen Bezug zum einzelnen Tier. (&#8230;)Zwischen den Vorstellungen von einer angemessenen Tierhaltung und der in vielen Bereichen \u00fcblichen Praxis gibt es erhebliche kognitive, emotionale und operative Dissonanzen. Affektiver Zuwendung gegen\u00fcber Haustieren auf der einen Seite stehen teilweise brutal anmutende Zust\u00e4nde in der Massentierhaltung gegen\u00fcber. (&#8230;)&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ganz bewusst gehe ich nachfolgend noch mehrfach auf diese Stellungnahme des Deutschen Ethikrates ein und zitiere diese. Sie ist  f\u00fcr ihre gro\u00dfe Vorsichtigkeit \u00f6ffentlich stark kritisiert worden (siehe ganz unten).<\/p>\n\n\n\n<p>Zuvor noch ein konkreter Blick auf <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Putenhaltung und angeblich hohe Tierschutzstandards<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.pixabay.com\/photo\/2018\/06\/05\/14\/52\/turkey-3455659_960_720.jpg\" alt=\"Truthahn, Vogel, H\u00fchnervogel\"\/><figcaption>Wilder Truthahn. Foto: H.Hach, <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/photos\/truthahn-vogel-h\u00fchnervogel-3455659\/\">Pixabay<\/a>. Eine der eindrucksvollsten Wildhuhnarten der Erde &#8211; Lebenserwartung bis zu 15 Jahren&#8230;Was aus diesen Tieren in &#8222;menschlicher Obhut&#8220; geworden ist, zeigt bei genauem Hinsehen selbst die Sch\u00f6nf\u00e4rberei der Massenhaltung.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Das Beispiel \u00d6sterreich<\/strong> &#8211; Originalton einer Selbstdarstellung unter <\/p>\n\n\n\n<p><em><strong><a href=\"https:\/\/www.landwirtschaft-verstehen.at\/landwirtschaft-fuer-alle\/weg-der-lebensmittel\/pute\/putenhaltung\">&#8222;Land Wirtschaft verstehen&#8220;<\/a>:<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"has-medium-font-size wp-block-heading\">&#8222;<em>Putenhaltung&nbsp;<\/em><\/h1>\n\n\n\n<p><em>Die hohen Tierschutzstandards in \u00d6sterreich<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.landwirtschaft-verstehen.at\/landwirtschaft-fuer-alle\/weg-der-lebensmittel\/pute\/putenhaltung\">Da die Putenhaltung heute nur noch der Fleischgewinnung dient, wurden die Leistungsmerkmale hinsichtlich Gewichts besonders herausgez\u00fcchtet. Ein beschleunigtes Wachstum soll zu einem reduzierten Schlachtalter bei verringerter Futtermenge pro Kilogramm Schlachtvieh f\u00fchren. Putenmast wird in \u00d6sterreich vor allem gro\u00dfstrukturiert durchgef\u00fchrt, denn mehr als die H\u00e4lfte der Betriebe halten mehr als 5.000 Tiere. Aufgrund der strengen Tierschutzstandards zum Wohle der Tiere, ist das produzieren in \u00d6sterreich teurer und der globale Wettbewerb hart<\/a>&#8222;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dem sei eine Wortmeldung aus dem Tierschutzbereich hinzugef\u00fcgt:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/albert-schweitzer-stiftung.de\/massentierhaltung\/puten\">Die Albert-Schweitzer-Stiftung widmet dem Leiden der Truth\u00e4hne (&#8222;Puten&#8220;) in der heutigen Massentierhaltung eine sehr eindrucksvolle Seite<\/a>, aus der hier zitiert sei: <\/p>\n\n\n\n<p><em><a href=\"https:\/\/albert-schweitzer-stiftung.de\/massentierhaltung\/puten\">&#8222;In der Natur leben Puten in komplexen Sozialstrukturen zusammen: Zur kalten Jahreszeit formieren sie nach Geschlechtern getrennte Verb\u00e4nde von mehreren hundert Tieren mit fester Rangordnung. Speziell In der Brutzeit leben weibliche Puten dagegen abgeschieden in Nistgruppen von nur zwei bis f\u00fcnf Hennen. Nach dem Schl\u00fcpfen der Jungen schlie\u00dfen sich Hennen und K\u00fcken wiederum zu gro\u00dfen Herden zusammen. Sieben Monate lang werden die Jungtiere von ihren M\u00fcttern behutsam betreut und besch\u00fctzt. Diese soziale Vielfalt erleben Puten in der Massentierhaltung oder intensiven Tierhaltung nicht. (&#8230;)&#8220;<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Mit den bereits zitierten d\u00fcrren akademischen Formulierungen des Deutschen Ethikrates ist angerissen, was sich insgesamt in der Wirklichkeit heutiger, &#8222;moderner&#8220; <strong>Nutzung von Tieren durch die Menschheit weltweit als offene Wunde <\/strong>herausstellt: <\/p>\n\n\n\n<p>Von der&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230; <strong>Kastenhaltung der Zuchtschweine \u00fcber das Anbinden von K\u00fchen bis zu dem im eigenen Kot verendenden, mit Antibiotika gem\u00e4steten &#8222;Federvieh&#8220; in Massenst\u00e4llen, vom Hahnenkampf, Kampfhunde- und anderen Rasse-Qualz\u00fcchtungen von Hunden und Katzen, \u00fcber die Herabw\u00fcrdigung von Tieren in Zirkussen und Tierqu\u00e4lerei in schlechter K\u00e4fig-Haltung (z.B. &#8222;Pelztiere&#8220;, siehe eigene <a href=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=3384\">Seite zu Nerzfarmen<\/a>) und ebenso bis zur immer noch verbreiteten Einzelhaft von Pferden in Boxen<\/strong>&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230;ist die Zahl und Auswahl weltweit unzureichender bis tierqu\u00e4lerischer Praktiken und Methoden im Umgang mit den uns ausgelieferten Tieren kaum \u00fcberschaubar. Einige wenige seien im Folgenden als herausragende Negativbeispiele f\u00fcr die Gesamtdiskussion konkret beleuchtet. Den Zirkustieren und Haustieren werden sp\u00e4ter eigene Beitr\u00e4ge auf dieser Homepage gewidmet.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Umgang mit Tieren: Eine der Grundfragen des Menschseins<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Die \u00dcbernahme einer begrenzten Auswahl von Tierarten &#8222;aus der Natur&#8220; in menschliche Obhut, ihre anschlie\u00dfend gezielte Z\u00fcchtung und Haltung f\u00fcr Ern\u00e4hrungszwecke, f\u00fcr Arbeitszwecke und zum Zwecke des Schutzes von Haus und Hof, schlie\u00dflich die Haltung und Zucht von Tieren zum Zwecke reiner Belustigung, wirft uns zur\u00fcck auf Grundfragen unseres Seins und unserer Herkunft. <\/p>\n\n\n\n<p>Der direkte Umgang mit Tieren, seien es Wildtiere, &#8222;Nutztiere&#8220; oder Haustiere beinhaltet in tieferer Betrachtung die gleichen Voraussetzungen und Anw\u00fcrfe an sittliches Verhalten wie der Umgang des Menschen mit der von ihm nicht beeinflussten Natur.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Begegnung von Mensch und Tier ist so alt, wie es Menschen gibt. Sie ist sowohl und schon immer auch Angst-besetzt &#8211; man denke an die Begegnung mit giftigen Spinnen, Schlangen, Skorpionen usw., &#8211; auch an die Konfrontation mit wehrhaften Tieren im Rahmen der archaischen Jagd. Die Mensch-Tier-Begegnung ist aber auch &#8211; schon immer &#8211; von Neugier, Respekt und Bewunderung begleitet und gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p> Wenn wir Menschen uns die Behauptung anma\u00dfen, wir h\u00e4tten im Laufe unserer eigenen &#8222;Humanisierung&#8220; <em>moralische Fortschritte<\/em> gemacht (- und das haben wir: siehe Gleichberechtigung von Mann und Frau, Bek\u00e4mpfung von Rassendiskriminierung oder Sklaverei -) so m\u00fcssen wir uns fragen lassen: Warum gibt es noch immer&#8230;  <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>&#8230; Grauenhafte Missst\u00e4nde<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Die weltweiten grauenhaften Missst\u00e4nde im Umgang mit sogenannten &#8222;Nutztieren&#8220;, mit Haustieren (auch im Umgang mit unseren H\u00e4tscheltrabanten) und\/oder Zirkustieren versinnbildlichen einen ersch\u00fctternd niedrigen Entwicklungsstand menschlicher Gesellschaften rund um den Globus. Wenn die wortreich immer wieder beschworene Besinnung auf das &#8222;Mitgesch\u00f6pf&#8220; auf den Pr\u00fcfstand der harten Realit\u00e4t kommt, f\u00e4llt uns Anma\u00dfung und eklatanter Widerspruch auf die F\u00fc\u00dfe. Wir haben hierf\u00fcr ein sehr aktuelles Beispiel:<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>Schweinestau<\/em> &#8211; Demaskierung der Sch\u00f6pfungsverachtung im Sprachgebrauch der Journaille<\/strong> <strong>und der Eliten<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Gibt man in den fortgeschrittenen Tagen der Corona-Pandemie des Jahres 2020, etwa im Oktober, den Begriff <em><strong>&#8222;Schweinestau<\/strong><\/em>&#8220; in eine Suchmaske, wird mit Erschrecken deutlich, was die vereinheitlichte Sprache der schreibenden und berichtenden Zunft  an Gr\u00e4sslichem offenlegt: Kaum eine Zeitung &#8211; auch der &#8222;angesehensten&#8220; &#8211; , genauso die sich f\u00fcr die Elite der Journalismus haltenden &#8222;\u00d6ffentlich-Rechtlichen&#8220; und &#8222;Leitmedien&#8220;, die nicht auf diese unw\u00fcrdige Begriff-Entgleisung sondergleichen aufgesprungen w\u00e4ren. Von der <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/corona-schweine-schlachthoefe-101.html\">&#8222;Tagesschau&#8220;<\/a> \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/landwirtschaft-angst-vor-dem-schweinestau-1.5054786\">&#8222;S\u00fcddeutsche&#8220;<\/a> bis in die <a href=\"https:\/\/www.noz.de\/deutschland-welt\/niedersachsen\/artikel\/2142990\/trotz-schlachthof-oeffnung-in-soegel-schweinestau-bleibt-problem\">Provinzbl\u00e4tter des Schweinemast-gepflasterten deutschen Nordwestens <\/a>hat sich der Gebrauch des Wortes <em><strong>Schweinestau<\/strong><\/em>, das das Zeug zum &#8222;<a href=\"http:\/\/www.unwortdesjahres.net\">Unwort des Jahres<\/a>&#8220; hat, durchgesetzt &#8211; ganz nach dem Motto des gegenseitigen Abschreibens, Angleichens und Wetteiferns um die fette Schlagzeile. Und ganz dem auch in anderer Hinsicht unkritisch Hype-lastigen Medien-Mainstream entsprechend, der es entgegen seiner weitverbreiteten Selbstbeweihr\u00e4ucherung f\u00fcr den Umgang des Menschen mit Natur und Kreatur l\u00e4ngst nicht mehr so genau nimmt, stehen in den &#8222;Stories&#8220; \u00fcberwiegend die Schl\u00e4chter und Schweine-Industriellen im Mittelpunkt des kollektiven Mitleides. <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Schweinestau-trifft-Bauern-empfindlich-article22087185.html\">Davon zeugen am Ende \u00f6ffentlich vergossene Tr\u00e4nen einer Ministerin f\u00fcr die  von ihr so benannten &#8222;Tierhalterinnen und Tierhalter&#8220;. Immerhin, so m\u00f6chte man noch aufatmen, kommt sie dann doch auf ein <strong><em>&#8222;gravierendes Tierschutzproblem&#8220;<\/em><\/strong> zu sprechen, die Frau Ministerin.<\/a> Hier der Wortlaut aus der <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Schweinestau-trifft-Bauern-empfindlich-article22087185.html\">Berichtertattung von n-tv:<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ein Vion-Schlachthof im Kreis Cloppenburg musste seine Kapazit\u00e4ten um gut die H\u00e4lfte reduzieren, ein zum T\u00f6nnies-Konzern geh\u00f6render Betrieb im Emsland muss zum Wochenende f\u00fcr drei Wochen komplett schlie\u00dfen. T\u00f6nnies hat dagegen Rechtsmittel angek\u00fcndigt. Dadurch fehlen f\u00fcr etwa 120.000 Schweine in der Woche die Schlachtkapazit\u00e4ten. Beide Betriebe stellten zusammen 40 Prozent der Schlachtkapazit\u00e4ten f\u00fcr Schweine in Niedersachsen, sagte Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast im Landtag in Hannover.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Aus vielen pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen wei\u00df ich, dass die Verzweiflung bei den Tierhalterinnen und Tierhaltern in Niedersachsen sehr gro\u00df ist&#8220;, sagte Otte-Kinast in einer \u00e4u\u00dferst emotionalen Rede. &#8222;Mich erreichen Telefonate von weinenden Frauen und M\u00e4nnern von den H\u00f6fen, die nicht mehr ein noch aus wissen.&#8220; Die sagten, &#8222;ich t\u00f6te meine Schweine und ich werde mich umbringen&#8220;, erz\u00e4hlte die CDU-Ministerin unter Tr\u00e4nen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Wir werden in den n\u00e4chsten Wochen ein gravierendes Tierschutzproblem in vielen St\u00e4llen bekommen&#8220;, sagte Otte-Kinast mit Blick darauf, dass die Halter keine Abnehmer f\u00fcr ihre Tiere mehr finden.<\/em>(&#8230;)&#8220; Dass der obligatorische Hinweis auf die afrikanische Schweinepest noch folgt, die den Absatz des deutschen Schweinefleischberges erschwert, sei der Vollst\u00e4ndigkeit halber erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Schweinestau<\/em><\/strong> &#8211; nur der sprachliche Ausfluss eines Tier-Erzeugung- und Tier-Verbrauch-Systems, das  zur Industrie schlimmster Auspr\u00e4gung gewuchert ist? <\/p>\n\n\n\n<p>Nein: Nicht nur, dass die \u00d6ffentlichkeit durch die Corona-Ausbr\u00fcche in Schlachtfabriken auf die teilweise <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Stegner-spekuliert-ueber-Haft-fuer-Toennies-article21906423.html\">menschenverachtende Ausbeutung von Mitarbeitern <\/a>wenigsten aufmerksam wurde. Sondern auch: Die ganze Perfidie, das ist die Untreue, die im Fleisch-Erzeugung-System auch gegen die &#8222;Nutztiere&#8220; steckt, wird offenbar. <a href=\"https:\/\/www.landundforst.de\/landwirtschaft\/betrieb\/coronavirus-ausbruch-toennies-folgen-ticker-562326\">Die Zahlen, um die es geht, offenbaren das ungeheuerliche<\/a> Ausma\u00df, das wohl den meisten &#8222;Verbrauchern&#8220; entweder nicht bewusst, unbekannt oder aber auch egal ist. &#8222;<strong><em>Schweinestau<\/em><\/strong>&#8220; im Sprachgebrauch der Eliten: Eine Schande.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Massentierhaltung &#8211; Missstand seit Jahrzehnten. Das Tierwohl &#8211; nur Etikette?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Schon 1979 formulierte Hans Jonas in seinem  Hauptwerk &#8222;Das Prinzip Verantwortung&#8220; (S. 371 ff.) unter der \u00dcberschrift &#8222;Die humanisierte Natur&#8220; in einer Auseinandersetzung mit Ernst Bloch und der radikalen Anthropozentrik des Marxismus mit einem trefflichen Vergleich zu zwischenmenschlichen Beziehungen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;(&#8230;)Also w\u00fcrde die Natur im selben Sinne &#8222;humanisiert&#8220;, wie etwa der dem Feudaladel h\u00f6rige Leibeigene &#8222;nobilitiert&#8220; worden war, oder wie die der Herrenrasse unterworfenen Unterrassen &#8222;arisiert&#8220; worden w\u00e4ren, wenn es nach jener gegangen w\u00e4re. Mit diesem brutalen Zwecksinn ist daher &#8222;Humanisierung der Natur&#8220; eine hypokritische Sch\u00f6nrednerei f\u00fcr totale Unterwerfung unter den Menschen zwecks totaler Ausbeutung f\u00fcr seine Bed\u00fcrfnisse (&#8230;)&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Humanisierung&#8220; der Natur? Im Gegenteil, Entfremdung nicht nur von sich selbst, sondern auch vom Menschen. Und wie erst (&#8230;) bei den Brut- und Eierfabriken, die heute die Gro\u00dfm\u00e4rkte versorgen (&#8230;)! <strong>Die letzte Erniedrigung sinnen- und bewegungsbegabter, f\u00fchlender und lebenseifriger Organismen zu umweltberaubten, lebenslang eingesperrten, k\u00fcnstlich beleuchteten, automatisch gef\u00fctterten Lege- und Fleischautomaten (&#8230;)und von &#8222;Aufgeschlossenheit&#8220; und &#8222;N\u00e4he&#8220; vis \u00e0 vis dem Menschen kann gar keine Rede sein. \u00c4hnlich die Mastgef\u00e4ngnisse der Rindfleischerzeugung und so weiter. (&#8230;)&#8220;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mehr als vier Jahrzehnte nach dieser scharfen Hellsichtigkeit des gro\u00dfen Philosophen hat sich wenig ge\u00e4ndert an einer unaufrichtigen und zynischen Sch\u00f6nrednerei im Umgang mit der Natur, und ganz speziell im Umgang mit den sogenannten &#8222;Nutztieren&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Politiker aller Farben und Parteien gebrauchen das &#8222;Tierwohl&#8220; werbewirksam f\u00fcr Zwecke der Selbstdarstellung, wenn Wahlen n\u00e4her r\u00fccken. In der Lebewelt der uns Ausgelieferten hat sich im Bereich &#8222;konventioneller Landwirtschaft&#8220; allerdings nur in Teilbereichen eine Besserung eingestellt, etwa bei <a href=\"https:\/\/www.agrarheute.com\/tier\/rind\/anbindehaltung-laufstall-550273\">Laufst\u00e4llen<\/a> und Freilandhaltung von Rindern. <\/p>\n\n\n\n<p> <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Anbindehaltung beim Milchvieh<\/strong> &#8211; <strong>Beispiel f\u00fcr die Komplexit\u00e4t der anstehenden Probleme<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Wie komplex die gesellschaftliche Problematik um die Verwirklichung von Verbesserungen f\u00fcr das Tierwohl in der Praxis der Nutztierhaltung ist, zeigen Ausf\u00fchrungen und Stellungnahmen z.B. der Bauernverb\u00e4nde und der zust\u00e4ndigen Ministerien zur Anbindehaltung bei K\u00fchen. Niemand kann bestreiten, dass das Anbinden von K\u00fchen nicht artgerecht ist. Der anstehende Wandel aber l\u00e4sst sich nicht mit der Brechstange durchsetzen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.pixabay.com\/photo\/2013\/02\/10\/15\/29\/cows-80172_960_720.jpg\" alt=\"K\u00fche, Kuhstall, Bauernhof, Stall, Scheune, Fressen\"\/><figcaption>In Bayern haben derzeit noch ca. 30.000 landwirtschaftliche Betriebe beim Michvieh eine Anbindehaltung. Foto: Hans Braxmeier, <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/photos\/k\u00fche-kuhstall-bauernhof-stall-80172\/\">Pixabay<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/IyzSjMDRIi6A2gMsBqqQ-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3339\" srcset=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/IyzSjMDRIi6A2gMsBqqQ-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/IyzSjMDRIi6A2gMsBqqQ-300x225.jpg 300w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/IyzSjMDRIi6A2gMsBqqQ-768x576.jpg 768w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/IyzSjMDRIi6A2gMsBqqQ-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/IyzSjMDRIi6A2gMsBqqQ-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Ganzj\u00e4hrige Freilandhaltung (im Idealfall) oder doch mindestens t\u00e4glicher Weidegang w\u00e4re f\u00fcr die Haltung von Rindern artgerecht. Das Bild entstand im Vorderen Bayerischen Wald . Foto: Wolfgang Epple. Das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hausrind\">Hausrind<\/a> stammt vom <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Auerochse\">Auerochsen<\/a> ab, der sicher schon zur Jagdbeute steinzeitlicher J\u00e4ger geh\u00f6rte, und im 17. Jahrhundert endg\u00fcltig ausgerottet wurde. Das Rind wurde vor ca. 10.000 Jahren ausgehend vom Nahen Osten domestiziert. Trotz der fragw\u00fcrdigen Zucht heutiger &#8222;Hochleistungsk\u00fche&#8220; ist im Verhalten der Rinder das Erbe des Auerochsen lebendig: Dazu geh\u00f6rt das Leben in kleinen Herdenverb\u00e4nden. Auerochsen bevorzugten vermutlich halboffenes Grasland mit Waldanteil (letzte Refugien waren in Mitteleuropa Auw\u00e4lder und Erlenbr\u00fcche). Ideale Kuhweiden bieten daher den Rindern M\u00f6glichkeiten zum Aufenthalt im Schatten. Dieser kann durch Unterst\u00e4nde geboten werden; optimale Rinderweiden weisen Baumgruppen oder den Zugang zu einem Waldst\u00fcck auf. Es ist blanker Unsinn, wenn zur Verbr\u00e4mung beengter halbdunkler Stallhaltung (&#8222;die gehen lieber in den Stall als drau\u00dfen zu sein&#8220;) auf das Schattenbed\u00fcrfnis des Rindes verwiesen wird. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Hier als Beispiel Ausf\u00fchrungen des <a href=\"https:\/\/www.bayerischerbauernverband.de\/anbindehaltung\">Bayrischen Bauernverbandes; konkret hei\u00dft es auf dessen Homepage:<\/a><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">&#8222;<em>Stetige Weiterentwicklung statt Strukturbruch<\/em><\/h4>\n\n\n\n<p><em>Die Milchviehhaltung in Bayern ist gepr\u00e4gt von vielen kleineren und mittleren b\u00e4uerlichen Familienbetrieben. Viele dieser Milchviehbetriebe halten ihre Rinder in Anbindehaltung, auch wenn die Zahl dieser Betriebe stetig abnimmt.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><em>Der BBV k\u00e4mpft gegen ein Verbot der Anbindehaltung, wirbt aber zugleich f\u00fcr Weiterentwicklung und Alternativen zur ganzj\u00e4hrigen Anbindehaltung auf betriebsspezifischer Ebene.<\/em><\/li><li><em>Der BBV lehnt jegliche Fristsetzung entschieden ab. (&#8230;)<\/em><\/li><li><em>Ein politischer Erfolg ist die Unterst\u00fctzung unserer Ans\u00e4tze durch das bayerische Staatsministerium in der <a href=\"https:\/\/www.bayerischerbauernverband.de\/sites\/default\/files\/2018-04\/2018-01-19_erklaerung_anbindehaltung_sueddeutschland_final.pdf\">S\u00fcddeutschen Erkl\u00e4rung zur Anbindehaltung<\/a> (&#8230;)&#8220;<\/em><\/li><\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hoffnung f\u00fcr den Tierschutz: das Staatsziel ?<\/strong> <strong>Was sagen und bewirken die  Formulierungen des Deutschen Ethikrates?<\/strong> <\/h4>\n\n\n\n<p>Die Aufnahme der &#8222;Tiere&#8220; in das Grundgesetz (Artikel 20 a GG) im Jahr 2002 bedeutet immerhin ein &#8222;Staatsziel&#8220;. Der Artikel 20 a GG lautet:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Der Staat sch\u00fctzt auch in Verantwortung f\u00fcr die k\u00fcnftigen Generationen die nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Ma\u00dfgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jedoch wird um die konkreten Folgen des  Verfassungsrangs weiter und wohl bis in alle Zukunft gestritten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Immerhin ist die Befassung des Deutschen Ethikrates mit dem Tierwohl per se ein Zeichen f\u00fcr den in Gang gekommenen Diskurs um Missst\u00e4nde rund um Nutztierhaltung und Fleischerzeugung,<\/strong> und die Folgerungen im <strong>Kapitel 5 der schon zitierten <a href=\"https:\/\/www.ethikrat.org\/fileadmin\/Publikationen\/Stellungnahmen\/deutsch\/stellungnahme-tierwohlachtung.pdf\">Stellungnahme aus dem Juni 2020<\/a> <\/strong>m\u00fcnden in klare Formulierungen wenigstens f\u00fcr besonders virulente Bereiche. Einige seien herausgegriffen, auch um die weite Entfernung von Empfehlung oder Wunsch und Realit\u00e4t zu hinterlegen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Die Achtung des Tierwohls begr\u00fcndet dar\u00fcber hinaus die Forderung, aus verfassungsrechtlichen Gr\u00fcnden unabweisbare \u00dcbergangsfristen f\u00fcr die Beseitigung tierschutzwidriger Zust\u00e4nde auf den zwingend erforderlichen Zeitraum zu be- grenzen und nicht zu verl\u00e4ngern. In diesem Sinne sind etwa die mehrfach verl\u00e4ngerten Fristen f\u00fcr die Beendigung der bet\u00e4ubungslosen Ferkelkastration und der \u00fcberaus lange \u00dcber- gangszeitraum im Verordnungsentwurf zur Kastenstandhaltung von Zuchtsauen nicht hinnehmbar.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Die Achtung des Tierwohls impliziert nicht nur graduelle Verbesserungen, sondern ist als weitreichende Verpflichtung zu verstehen: Das Leben von Nutztieren sollte, solange es dauert, ein f\u00fcr das Tier m\u00f6glichst gutes, den artspezifischen Verhaltensformen und Erlebnism\u00f6glichkeiten entsprechendes Leben sein. Allen Nutztieren ist w\u00e4hrend ihres ganzen Lebens ein m\u00f6glichst gutes Gedeihen und Befinden zu erm\u00f6glichen. Dazu muss deren gesamte Lebenslinie von der Zucht \u00fcber die Haltung bis zum Schlachten in den Blick genommen werden. Es sind Haltungsbedingungen, die artgerechte Bewegungs- und Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten bieten und ein nat\u00fcrliches Sozialverhalten f\u00f6rdern, rechtsverbindlich festzulegen und effektiv zu kontrollieren.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Tieren d\u00fcrfen keine vermeidbaren Schmerzen und Leiden zugef\u00fcgt werden. Praktische Schwierigkeiten, Schmerzen und Leid unmit- telbar zu messen, d\u00fcrfen nicht einseitig zulasten der Tiere aufgel\u00f6st werden. Im Gegenteil sollten effektive Verfahren entwickelt und implementiert werden, wie der Grundgedanke des Tierwohls besser umgesetzt werden kann. Deshalb sollte erwogen werden, entsprechende tierschutzrechtliche Regelun- gen neu zu konzipieren (beispielsweise Umkehr von Begr\u00fcn- dungslasten, Festlegung von Sicherheitsmargen unter R\u00fcck- griff auf tierwohlbezogene Indikatoren). (&#8230;)\u00d6konomische \u00dcberlegungen reichen f\u00fcr sich gesehen nicht aus, um die Unvermeidbarkeit zu begr\u00fcnden. Das gesetzliche Verbot der \u201eQualzucht\u201c sollte deshalb auch dort zur Anwendung kommen, wo etwa durch Hochleistungszucht Funktionen, die f\u00fcr ein ertr\u00e4gliches Leben wesentlich sind, eingeschr\u00e4nkt werden (beispielsweise H\u00fchner- und Puten- br\u00fcste, die so umfangreich sind, dass sie die Tiere in ihrer Mobilit\u00e4t beeintr\u00e4chtigen) oder es zu Gesundheitssch\u00e4den kommt. Abzulehnen sind ferner Verst\u00fcmmelungen (Enthornung von Rindern, Schnabelk\u00fcrzen bei Gefl\u00fcgel), die allein zu dem Zweck erfolgen, mehr Tiere auf engem Raum halten zu k\u00f6nnen. \u00c4hnliches gilt beispielsweise f\u00fcr r\u00e4umliche Enge, die mit Gesundheit und artgerechtem (Sozial-)Verhalten nicht vereinbar ist, f\u00fcr funktionale Umgebungsbedingungen, die zu Stress und Gesundheitssch\u00e4den f\u00fchren (Dauerbeleuchtung in Gefl\u00fcgelzuchthallen, Spaltb\u00f6den in Kuhst\u00e4llen, enge K\u00e4fi- ge f\u00fcr Muttersauen) sowie f\u00fcr die Trennung von Mutter- und Jungtieren direkt nach der Geburt.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es folgen weitere Hinweise zu Tiertransporten und Schlachtungen. Auf die gesamte Stellungnahme des Deutschen Ethikrates sei verwiesen. Immerhin scheint man sich im Klaren, wo sprichw\u00f6rtlich der Hammer h\u00e4ngt, wenn in der Praxis &#8211; auch der Politik, speziell der Legislative &#8211; die gesetzlich l\u00e4ngst erreichten Standards unterlaufen werden (die fette Hervorhebung vom Betreiber dieser Homepage): <\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Die im Tierschutzgesetz festgelegten grunds\u00e4tzlichen Schutzstandards stehen mit den beschriebenen ethischen Anforderungen in Einklang bzw. lassen sich zumindest in diesem Sinne verstehen. Diese Grundausrichtung darf nicht im Wege der Interpretation oder der untergesetzlichen Konkretisierung (in Rechtsvorschriften, Gutachten etc.) ver\u00e4ndert werden. Um Inkoh\u00e4renzen und Wi-derspr\u00fcche zu vermeiden, ist das Tierschutzrecht insgesamt an der zentralen Zielvorgabe des Tierwohls auszurichten. F\u00fcr dessen Bestimmung sind prim\u00e4r die Kriterien der ethologischen Forschung zu ber\u00fccksichtigen, <strong>einschlie\u00dflich der Erkenntnis, dass unsere Nutztiere soziale Tiere sind. Andere Kriterien, insbesondere \u00f6konomische Erw\u00e4gungen, sind f\u00fcr den Tierwohlbegriff irrelevant.<\/strong> Sie sind deutlich als (Tierwohlbeeintr\u00e4ch- tigungen m\u00f6glicherweise legitimierende) \u201eGegengr\u00fcnde\u201c zu kennzeichnen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Leid der Schweine steht am Anfang dieses Beitrages. Wir k\u00f6nnen mit diesem unbeschreiblichen Leid auch enden: <\/p>\n\n\n\n<p>Wer die <a href=\"https:\/\/www.bundesrat.de\/DE\/plenum\/bundesrat-kompakt\/20\/992\/76.html;jsessionid=D938D6E5CC0E03158D5A791D9761E2D0.2_cid391?nn=4352768#top-76\">Auf-die-lange-Bank-Entscheidung in der <strong><em>Verordnung zum Kastenstand<\/em><\/strong> im Sommer 2020 verfolgt (\u00dcbergangsfrist von weiteren acht Jahren!)<\/a> hat und die st\u00e4ndige Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit vollmundiger Reden \u00fcber die Jahre wechselnder zust\u00e4ndiger Ministerinnen und Minister im Bereich Tierschutz kennt, versteht die Entt\u00e4uschung und Ungeduld des Tierschutzes in vielen nichtstaatlichen Organisationen. Der Kniefall der deutschen Legislative und speziell der derzeitigen Bundesministerin vor der Lobby der Agrarindustrie jedenfalls ist &#8211; nicht nur f\u00fcr dieses besch\u00e4mende Thema im Bereich des Tierschutzes  &#8211; historisch. Kleiner Trost: Immerhin ein Anfang ist gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Tierschutz jedenfalls ist von jeher bei den Agrarministern offensichtlich nicht gut aufgehoben. Der <a href=\"https:\/\/www.ethikrat.org\/fileadmin\/Publikationen\/Stellungnahmen\/deutsch\/stellungnahme-tierwohlachtung.pdf\">Deutsche Ethikrat \u00e4u\u00dfert hierzu in seiner Stellungnahme vom 16. Juni 2020<\/a> \u00fcberraschend eindeutig:<\/p>\n\n\n\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.ethikrat.org\/fileadmin\/Publikationen\/Stellungnahmen\/deutsch\/stellungnahme-tierwohlachtung.pdf\"><strong>&#8222;Institutionalisierte Interessenkonflikte und einseitige Besetzungen sind zu vermeiden. Schon die Zust\u00e4ndigkeit des Bundesministeriums f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft f\u00fcr Tierschutzfragen ist in diesem Sinne problematisch.&#8220;<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kritik am Deutschen Ethikrat &#8211; der Offene Brief von 16 Ethiker*innen<\/strong> <strong>vom 26. Juni 2020<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Die Kritik des Deutschen Ethikrates an Missst\u00e4nden in der Nutztierhaltung wurde in den Medien in den Vordergrund gestellt. Angesichts der vorbeugend kompromisslastigen Formulierungen wird die Haltung des Ethikrates dagegen von f\u00fchrenden Ethiker*innen als nicht ausreichend angesehen. 16 Tier-Ethikerinnen und -Ethiker haben sich daher am 26. Juni 2020 in einem <a href=\"https:\/\/www.praefaktisch.de\/002e\/offener-brief-an-den-deutschen-ethikrat\/?fbclid=IwAR0Cnc5-YnCHqtAZqB60RHBdKAQlyAeVgEiVbO7sbJ44gY0a0bqNc_i1Eac\">offenen Brief an den Deutschen Ethikrat gewandt. Er ist hier ver\u00f6ffentlicht<\/a>; ich gebe ihn ungek\u00fcrzt wieder: <\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Sehr geehrte (ehemalige) Mitglieder des Deutschen Ethikrates,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>in Ihrer j\u00fcngsten Stellungnahme betrachten und bewerten Sie den aktuell \u00fcblichen Umgang mit Tieren in der Nutztierhaltung. Wir, die als Philosophinnen und Philosophen zur Tierethik arbeiten, begr\u00fc\u00dfen es sehr, dass dieses ethisch und politisch so wichtige Thema endlich auch vom Deutschen Ethikrat aufgegriffen wird. Die moralischen Grundvorgaben, auf die Sie sich im Rat einigen konnten, werden von uns zwar nicht uneingeschr\u00e4nkt geteilt, sind aber nachvollziehbar und sicher gesellschaftlich weitgehend anschlussf\u00e4hig.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die von Ihnen aufgestellten Prinzipien haben allerdings in der Praxis sehr viel weiterreichende Konsequenzen als diejenigen, die Sie formulieren. Ihre Stellungnahme weist in dieser Hinsicht einen Widerspruch auf zwischen Prinzipien und Anwendung, der auch den \u00f6ffentlichen Tierschutzdiskurs kennzeichnet. Die Stellungnahme bleibt bei der Bewertung der heutigen Nutztierhaltung weitgehend \u00fcbervorsichtig und vage. In der Pressekonferenz zur Vorstellung des Berichts sagten Sie gar, es ginge nicht darum, \u201edas Schnitzel zu verteufeln oder die Nutztierhaltung insgesamt zu verdammen\u201c. Stattdessen m\u00fcsse die bestehende Praxis besser reguliert werden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dabei ist die Weise, wie Tiere heute genutzt werden, in der konventionellen wie auch in der \u00f6kologischen Tierhaltung, nicht mit den ethischen Prinzipien vereinbar, die Sie selbst formulieren. Das gilt auch dann, wenn wir die grunds\u00e4tzlichen Fragen danach ausklammern, ob wir Tiere f\u00fcr die Ern\u00e4hrung in ihrer Freiheit einschr\u00e4nken oder t\u00f6ten d\u00fcrfen. Zum Thema \u201eSchutz und F\u00f6rderung des Tierwohls\u201c hei\u00dft es beispielsweise: \u201eAllen Nutztieren ist w\u00e4hrend ihres ganzen Lebens ein m\u00f6glichst gutes Gedeihen und Befinden zu erm\u00f6glichen, das ihren artspezifischen Verhaltensformen und Erlebnism\u00f6glichkeiten entspricht.\u201c Obwohl sich ein \u00e4hnlicher Passus bereits im Tierschutzgesetz findet, ist dieses Prinzip typischerweise weder in konventionellen noch in Biobetrieben erf\u00fcllt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Zum artspezifischen Verhalten von Schweinen geh\u00f6rt es, in Gruppen und Familienverb\u00e4nden zu leben, zu laufen, in der Erde zu w\u00fchlen und Nester zu bauen. Alles das k\u00f6nnen sie in den \u00fcblichen Haltungssystemen nicht ausleben. Selbst in Biohaltung bedeutet Auslauf fast immer nur eine Au\u00dfenbucht mit Betonboden und einem Quadratmeter Platz pro Schwein. Beinahe alle H\u00fchner werden in Gruppen von mehreren tausenden bis zehntausenden Tieren gehalten. Sie k\u00f6nnen keine soziale Rangordnung aufbauen, die allermeisten k\u00f6nnen nicht sandbaden oder angemessen ruhen. Praktisch alle kommerziell genutzten Tiere wachsen mutterlos auf, was ebenfalls nicht ihren \u201eartspezifischen Verhaltensformen\u201c entspricht. In der Stellungnahme betonen Sie selbst, dass die Trennung von Mutter- und Jungtieren nicht akzeptabel sei. Sie wird jedoch \u00fcberall praktiziert, auch in der \u00f6kologischen Tierhaltung. Es lie\u00dfen sich viele weitere Beispiele anf\u00fchren. Es ist schlicht nicht m\u00f6glich, Tiere unter wirtschaftlichen Bedingungen zur Erzeugung von Fleisch, Milch und Eiern zu nutzen, ohne sie empfindlich einzuschr\u00e4nken und ihnen vermeidbare Leiden zuzuf\u00fcgen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wenn Sie die Prinzipien tats\u00e4chlich akzeptieren, die Sie formulieren, dann m\u00fcssen Sie zwangsl\u00e4ufig eine grundlegende Agrar- und Ern\u00e4hrungswende einfordern. Denn so gut wie alle heute praktizierten Formen der Nutztierhaltung m\u00fcssten aufgegeben oder umf\u00e4nglich modifiziert werden, damit m\u00fcsste auch die Menge der verzehrten Produkte tierlichen Ursprungs mindestens drastisch sinken. In Ihrer Stellungnahme ist davon aber keine Rede. Im Gegenteil: An den Stellen, an denen Sie konkret werden, sind die \u00c4nderungen, die Sie anmahnen, zumeist erschreckend klein: So kritisieren Sie Spaltenboden, Kastenstand oder bet\u00e4ubungslose Kastration und legen damit nahe, dass eine Abschaffung derselben das Problem l\u00f6sen w\u00fcrde. Sie scheinen noch nicht einmal eine allgemeine Anhebung auf Bio-Standard im Auge zu haben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Im Hinblick auf Ern\u00e4hrung fordern Sie gar, Kantinen sollten verpflichtet werden, \u201eimmer auch eine fleischfreie Option anzubieten\u201c. Das ist heute schon verbreitete Praxis und wird offensichtlich nicht die drastische Reduktion des Konsums bewirken, die angesichts Ihrer ethischen Forderungen n\u00f6tig w\u00e4re. Sie sprechen zwar von \u201eerheblichen Umstellungen, Anpassungen und Kostensteigerungen\u201c, aber nichts im Papier l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass Sie damit mehr meinen als \u00fcberschaubare Reformen von Tierschutzgesetz und Umsetzungspraxis, wie sie etwa auch die Borchert-Kommission vorschl\u00e4gt. Das ist aber in Anbetracht der Prinzipien bei weitem nicht genug.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Es ist ein Grundproblem des Tierschutzdiskurses, dass immer wieder hehre Ideale formuliert werden, die sich jedoch nicht in einer ver\u00e4nderten Praxis niederschlagen. Nat\u00fcrlich ist uns bewusst, dass \u00c4nderungsprozesse in der Regel in einzelnen, oft kleinen Schritten passieren, und dass m\u00e4chtige Interessengruppen wie auch viele B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger hinter der Nutztierhaltung und dem Tierkonsum stehen. Aber es ist nicht die Aufgabe des Ethikrates, die unvermeidlichen gesellschaftlichen Aushandlungsprozesse und Kompromisse gleichsam schon vorwegzunehmen und in die eigene Position zu integrieren. Im Gegenteil hat gerade eine Institution wie der Ethikrat die Chance und damit aus unserer Sicht auch die Pflicht, auch unbequeme Folgen der eigenen Annahmen anzuerkennen und auszusprechen. Darin best\u00fcnde ein wichtiger Beitrag zu einer ehrlich gef\u00fchrten gesellschaftlichen Debatte. Anstatt \u00fcber Anpassungen im Detail zu diskutieren, m\u00fcssen wir die Grundbedingungen der kommerziellen Nutzung von Tieren thematisieren. Wir m\u00fcssen die Strukturen angehen, die die staatlichen Entscheidungsprozesse pr\u00e4gen und f\u00fcr den weitgehenden Stillstand mitverantwortlich sind. Und wir m\u00fcssen endlich konkrete Pl\u00e4ne erarbeiten, wie die dringend n\u00f6tige grundlegende Agrar- und Ern\u00e4hrungswende praktisch und sozial gerecht umgesetzt werden kann.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><em>Unterzeichnerinnen und Unterzeichner: Dr. Johann S. Ach, Universit\u00e4t M\u00fcnster; Dr. Norbert Alzmann, Neu-Ulm\/T\u00fcbingen; Prof. Dr. Birgit Beck, Technische Universit\u00e4t Berlin; Prof. Dr. Dagmar Borchers, Universit\u00e4t Bremen; Leonie Bossert, Universit\u00e4t T\u00fcbingen; Prof. Dr. Anne Burkard, Universit\u00e4t G\u00f6ttingen; Dr. Mara-Daria Cojocaru, Hochschule f\u00fcr Philosophie M\u00fcnchen; Dr. Arianna Ferrari, Berlin; Dr. Philipp von Gall, Berlin; Prof. Dr. Bernd Ladwig, Freie Universit\u00e4t Berlin; Dr. Friederike Schmitz, Berlin; Hilal Sezgin, L\u00fcneburg; Jens Tuider, Berlin; Dr. Tatjana Vi\u0161ak, Universit\u00e4t Bayreuth; Prof. Dr. Markus Wild, Universit\u00e4t Basel; Prof. Dr. Ursula Wolf, Universit\u00e4t Mannheim&#8220;<\/em><\/h6>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"> <\/h4>\n\n\n\n<p>Geduld &#8211; die Seite wird weiter ausgebaut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Beitragsfoto: Joanne McArthur\/Animal Welfare, mit Dank f\u00fcr die freundliche \u00dcberlassung. 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