{"id":4087,"date":"2021-05-18T09:20:02","date_gmt":"2021-05-18T09:20:02","guid":{"rendered":"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=4087"},"modified":"2026-04-13T10:01:28","modified_gmt":"2026-04-13T10:01:28","slug":"ganzheitlicher-naturschutz-und-klimawandel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=4087","title":{"rendered":"Ganzheitlicher Naturschutz und Klimawandel"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein Denkansto\u00df zu Biodiversit\u00e4t und Klimawandel am Beispiel der Dynamik der Alpengletscher<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Das Beitragsbild zeigt ein Hochgebirgstal im <a href=\"https:\/\/www.spain.info\/de\/natur\/nationalpark-ordesa-y-monte-perdido\/\"><em>Nationalpark Ordesa y Monte Perdido<\/em><\/a>, spanische Pyren\u00e4en. Foto: Wolfgang Epple. Die T\u00e4ler der Pyren\u00e4en sind wie die der Alpen durch Vorr\u00fccken und R\u00fcckzug der Gletscher gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits zu Ende der Seite \u00fcber den <strong><a href=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=1441\">Naturschutz-Schl\u00fcsselbegriff  Vielfalt<\/a><\/strong>  habe ich Aspekte zum Klimawandel aufgegriffen und vor pauschalen Vereinfachungen eines komplexen Themas gewarnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch habe ich mehrfach in der Homepage auf die <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/news\/biodiversity-the-ravages-of-guns-nets-and-bulldozers-1.20381\"><strong>unbestrittenen &#8222;BiG Killers&#8220; der Biodiversit\u00e4t<\/strong><\/a> hingewiesen, unter denen der Klimawandel nach wie vor und noch lange nicht an vorderer Stelle rangiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Zitat aus <strong>&#8222;Focus online&#8220; zum <em>&#8222;Tag des Artenschutzes&#8220; vom 19. November 2013<\/em> <\/strong>(kmi\/dpa) sei an den Anfang gestellt. Denn: So gehen nun seit acht Jahren Schlagzeilen in den Medien, die im Grunde m\u00f6glicherweise gut gemeint sind, jedoch angesichts der zunehmenden Reduktion der komplexen Thematik des Artenschwundes auf Klimawandel des Nach-Denkens w\u00fcrdig bleiben, weil in der alarmistischen medialen Vereinfachung die Aufmerksamkeit in nicht gerechtfertigter Weise verschoben wird (siehe Epple 2021, Kap.1).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.focus.de\/wissen\/natur\/tag-des-artenschutzes-handeln-bevor-es-zu-spaet-ist_aid_376557.html\"><em><strong>\u201eJeder Berg ist oben irgendwo zu Ende\u201c<br><\/strong><br>Das Birkhuhn hat schon Probleme. G\u00e4msen und Steinb\u00f6cke, Alpengl\u00f6ckchen und Schnee-Enzian ebenfalls. Denn jede Erh\u00f6hung der Durchschnittstemperatur um ein Grad Celsius l\u00e4sst die Vegetationszonen in den Alpen um 200 Meter nach oben wandern. Die Folge: In der floristisch reichhaltigsten Region Mitteleuropas wird der Lebensraum knapp. \u201eJeder Berg ist oben irgendwo zu Ende\u201c, sagt Christine Margraf. F\u00fcr k\u00e4lteliebende Pflanzen wie den Gletscher-Hahnenfu\u00df oder den Moos-Steinbrech gebe es schon keine Ausweichm\u00f6glichkeiten nach oben mehr. Der Klimawandel treibt \u2013 wie in anderen Gebieten Deutschlands auch \u2013 den Artenschwund massiv voran.<\/em>&#8222;<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ist das so einfach? Wer treibt zuvorderst den Artenschwund massiv voran? <a href=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=1441\">Siehe hier<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich stimmt es, dass &#8222;Berge irgendwo oben zu Ende&#8220; sind. Nat\u00fcrlich stimmt es, dass im Zuge der Verschiebung der Klimazonen die an die obersten Stufen angepassten Arten aus den Alpen (zumindest regional) verschwinden.  F\u00fcr immer&#8230;? <\/p>\n\n\n\n<p>Es geht mir hier um die angebliche &#8222;Unumkehrbarkeit&#8220;  der Ph\u00e4nomene und die implizit im Rahmen des Klima-Hypes geforderte &#8222;Konstanz&#8220;. Es geht um die Rolle der immer schon bestehenden DYNAMIK  des Klimas und also um die Rolle des &#8222;Klimawandels&#8220; beim Aussterben oder regionalen Verschwinden von Arten.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier soll also keinesfalls der Klimawandel &#8222;geleugnet&#8220; werden (der abwegige Vorwurf gegen jede wissenschaftliche Skepsis). Nach Erstellung dieses Beitrags erscheint eine <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41598-021-93826-0\">neue Studie in <em>Scienticic Reports <\/em> (R\u00f6dder, D., Schmitt, T., Gros, P. et al. Climate change drives mountain butterflies towards the summits. Sci Rep 11, 14382 (2021)),<\/a> die die Reaktion der Schmetterlinge auf die Klimaerw\u00e4rmung an einem Beispiel in den Ostalpen (Salzburger Land) beschreibt und einordnet. Eine begleitende <a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/institution150\">Pressemitteilung des <em>Leibniz-Institutes zur Analyse des Bidoviversit\u00e4tswandels<\/em><\/a> (Titel: &#8222;Nach dem Gipfel ist Schluss: Klimawandel bedroht Gebirgs-Schmetterlinge&#8220;) macht die Ergebnisse gut verst\u00e4ndlich; dort zur Methodik: <\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;(&#8230;)Das \u00f6sterreichisch-polnisch-deutsche Team hat hierf\u00fcr historische Aufzeichnungen von 5836 Tagfalterbeobachtungen aus den Datenbanken des \u201eHauses der Natur Salzburg\u201c mit hochaufl\u00f6senden Klimadaten von der Zentralanstalt f\u00fcr Meteorologie und Geodynamik Salzburg korreliert und so die Verbreitungsgebiete der Tiere im Zeitraum 1960 bis 2019 analysiert.(&#8230;)&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Abstract der <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41598-021-93826-0\">Original-Arbeit<\/a> (\u00fcbersetzt):<\/p>\n\n\n\n<pre id=\"tw-target-text\" class=\"wp-block-preformatted\">Wir haben langfristige Verbreitungstrends von Bergfaltern in den Ostalpen untersucht und\n basierend auf Feldbeobachtungen und Artenverteilungsmodellen\n die artenspezifischen j\u00e4hrlichen Verbreitungsverschiebungen berechnet(...)\nWir haben auch Details zur \u00d6kologie, zum Verhalten \nund zur Lebensgeschichte sowie zur Klimanische jeder bewerteten Art zusammengestellt.\n Wir fanden, dass die h\u00f6chsten H\u00f6henmaxima in den meisten F\u00e4llen erst k\u00fcrzlich beobachtet wurden, \nw\u00e4hrend die niedrigsten Beobachtungsh\u00f6hen vor 1980 aufgezeichnet wurden.\n Mobile und generalistische Arten mit einer breiten \u00f6kologischen Amplitude\n bewegten sich tendenziell st\u00e4rker bergauf\n als spezialisierte und sesshafte Arten. \nAls Haupttreiber identifizierten wir \nklimatische Bedingungen und topografische Variablen\n wie Sonneneinstrahlung und Sonnenausstrahlung. \nDiese Studie liefert wichtige Beweise \nf\u00fcr die Reaktionen von Hochgebirgstaxa auf den schnellen Klimawandel. \nUnsere Studie unterstreicht den Vorteil,\n historische Erhebungen und \nmuseale Sammlungsdaten mit modernsten Analysen zu kombinieren.<\/pre>\n\n\n\n<p>Weitere Zitate aus der begleitenden<a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news772736\" title=\"\"> Pressemitteilung <\/a>(s.o.); Prof. Thomas Schmitt vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut in M\u00fcncheberg\u00a0 <em>\u201eDa es in Mitteleuropa w\u00e4rmer wird, verlagern zahlreiche Arten ihr Verbreitungsgebiet in h\u00f6here Lagen. Das kann vor allem f\u00fcr Gebirgsarten zum Problem werden, denn solche vertikalen Verschiebungen sind endlich. Ihr gesamter Lebensraum wird \u2013 bedingt durch die Topographie \u2013 kleiner und die Frage bleibt, was passiert, wenn die Arten an den Gipfeln angekommen sind?\u201c<\/em> \u00a0Laut der Studie werden zudem auch Interaktionen zwischen Arten gest\u00f6rt oder k\u00f6nnen nicht mehr stattfinden. Futterpflanzen von Schmetterlingen reagieren beispielsweise langsamer auf klimatische Ver\u00e4nderungen als ihre Konsumenten.<em>\u201eVereinfacht k\u00f6nnte man sagen, dass die Pflanzen aufgrund ihrer geringeren Mobilit\u00e4t nicht schnell genug mitwandern k\u00f6nnen. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist der Natterwurz-Perlmutterfalter (Boloria titania), dessen Verbreitungsgebiet sich immer weniger mit dem seiner bevorzugten Futterpflanze, dem Schlangen-Kn\u00f6terich (Bistorta officinalis) \u00fcberlappt.\u201c\u00a0<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist in der Tat die Frage: <\/p>\n\n\n\n<p>Was geschah in der Vergangenheit (also in einem Zeitraum viel gr\u00f6\u00dfer als die hier untersuchten 60 Jahre) mit den Artengemeinschaften des Hochgebirges? Was geschah, wenn Gletscher kamen und gingen? Die Studie best\u00e4tigt eindrucksvoll, dass die Lebensgememeinschaften mit dem schnellen derzeitigen Erw\u00e4rmungstempo nicht mithalten k\u00f6nnen. Sie best\u00e4tigt aber auch die grunds\u00e4tzliche Anpassungsf\u00e4higkeit vieler Arten, besonders der &#8222;Generalisten&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.pixabay.com\/photo\/2021\/01\/23\/16\/32\/glacier-5942962_960_720.jpg\" alt=\"Gletscher, Gebirge, Tal, Mountain Valley, Bergige\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der aktuelle R\u00fcckzug der Gletscher ist Zeuge und Zeichen der Klimaerw\u00e4rmung. Foto: Harald Tedesco, <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/photos\/gletscher-gebirge-tal-5942962\/\">Pixabay<\/a>. Die Dynamik der Vorg\u00e4nge weist entscheidend darauf hin, dass &#8222;Konstanz&#8220; klimatischer Bedingungen, wie sie die derzeitige Klima-Diskussion voraussetzt und vehement fordert, mit der erdgeschichtlichen Realit\u00e4t nicht in Einklang zu bringen ist. <strong>Ganzheitliche Naturschutzbem\u00fchungen um die vom Wandel betroffenen Lebensgemeinschaften m\u00fcssen Dynamik und die Pfade der Evolution in die Zukunft offen halten<\/strong> (Epple 2017, 2021),<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>L\u00e4sst sich die steile These von endg\u00fcltigem Verschwinden (und damit letztlich Unumkehrbarkeit) ganzer Lebensgemeinschaften und die Forderung nach &#8222;Konstanz&#8220; der Verh\u00e4ltnisse mit anderen Hinweisen zum Klimawandel aus der Gletscher- und Klimaforschung in Deckung bringen? Warum finden wir \u00fcberhaupt Gebirgs-Lebensgemeinschaften, die &#8222;eingespielt&#8220; wirken, wenn doch z.B. die Alpen eine ganz erhebliche Dynamik lange vor dem &#8222;anthropogenen&#8220;, also menschengemachten  Klimawandel hatten?<\/p>\n\n\n\n<p>Hier sei eine erhellende und durchaus \u00fcberraschende Publikation aus dem Jahr 2018 vorgestellt: <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em><a href=\"https:\/\/tc.copernicus.org\/articles\/12\/3265\/2018\/\">Seguinot, J. et al. (2018) Modelling last glacial cycle ice dynamics in the Alps. The Cryosphere, 12, 3265\u20133285, 2018https:\/\/doi.org\/10.5194\/tc-12-3265-2018<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Spektakul\u00e4res Kernst\u00fcck ist eine Modellierung der Vorst\u00f6\u00dfe und R\u00fcckz\u00fcge der Alpengletscher in der letzten Kaltzeit, also \u00fcber ca. 120.000 Jahre. <a href=\"https:\/\/ethz.ch\/de\/news-und-veranstaltungen\/eth-news\/news\/2018\/11\/eiszeitensimulation-macht-gletscherausdehnung-sichtbar.html\">Die ETH Z\u00fcrich hat in sehr verst\u00e4ndlicher Weise Anlass und Anliegen der Studie dargelegt.<\/a> Hier die Einbettung des Videos:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-vimeo wp-block-embed-vimeo\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Vorstoss und R\u00fcckzug der Alpen-Gletscher w\u00e4hrend der letzten Eiszeit\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/294686110?dnt=1&amp;app_id=122963\" width=\"1200\" height=\"675\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write; encrypted-media; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Die ETH schreibt zum Entstehen der Simulation:<em><a href=\"http:\/\/F\u00fcr die Simulationen der Gletscherentwicklung und der Ausbreitung des Eises nutzten sie ein spezielles Modell (Parallel Ice Sheet Model (PISM)), das sie mit Daten der anf\u00e4nglichen Topographie von Gebirgen und Gletschern f\u00fctterten, der physikalischen Eigenschaften von Gestein und Gletscher, teilweise basierend auf Beobachtungen aus der Antarktis und Gr\u00f6nland, und Daten des W\u00e4rmefluss\u2019 im Erdinneren sowie der klimatischen Bedingungen. Die Grundlagen f\u00fcr letzteres lieferten unter anderem aktuelle Wetterdaten kombiniert mit Pal\u00e4o-\u200bKlimadaten aus Sediment-\u200b und Eisbohrkernen der vergangenen 120'000 Jahre.\"> &#8222;(&#8230;)F\u00fcr die Simulationen der Gletscherentwicklung und der Ausbreitung des Eises nutzten sie ein spezielles Modell (Parallel Ice Sheet Model (PISM)), das sie mit Daten der anf\u00e4nglichen Topographie von Gebirgen und Gletschern f\u00fctterten, der physikalischen Eigenschaften von Gestein und Gletscher, teilweise basierend auf Beobachtungen aus der Antarktis und Gr\u00f6nland, und Daten des W\u00e4rmefluss\u2019 im Erdinneren sowie der klimatischen Bedingungen. Die Grundlagen f\u00fcr letzteres lieferten unter anderem aktuelle Wetterdaten kombiniert mit Pal\u00e4o-\u200bKlimadaten aus Sediment-\u200b und Eisbohrkernen der vergangenen 120&#8217;000 Jahre.(&#8230;)&#8220;<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dass eine Simulation nicht der vollst\u00e4ndigen Realit\u00e4t entspricht, und dass das Wissen begrenzt bleibt trotz Modellrechnungen durch einen Super-Computer, darauf weist der Autor Julien Seguinot am Ende des Videos &#8211; ganz entsprechend sorgf\u00e4ltiger Wissenschaft &#8211; hin.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Dynamik des Kaltzeit-Klimas<\/strong>&#8230;<\/h4>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Ganzheitlichen Naturschutz innerhalb der Klimawandel-Diskussion, der den Artenschutz ebenso ganzheitlich auffasst, ergeben sich  spannende Fragen und einige Konsequenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst bleibt festzuhalten, wie <strong>\u00fcberraschend gro\u00df die Dynamik der Eisbedeckung der Alpen (Vorst\u00f6\u00dfe, R\u00fcckz\u00fcge der Gletscher) selbst innerhalb einer   Kaltzeit ist<\/strong>. <\/p>\n\n\n\n<p>Denn: Es gab&#8230; <\/p>\n\n\n\n<p>&#8230;&#8220; <strong><a href=\"https:\/\/ethz.ch\/de\/news-und-veranstaltungen\/eth-news\/news\/2018\/11\/eiszeitensimulation-macht-gletscherausdehnung-sichtbar.html\">Mehr Vorst\u00f6sse als angenommen<\/a><\/strong>&#8220; (&#8230;)&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/ethz.ch\/de\/news-und-veranstaltungen\/eth-news\/news\/2018\/11\/eiszeitensimulation-macht-gletscherausdehnung-sichtbar.html\">&#8222;<em>Die Simulation zeigt nun, dass sich einige Alpengletscher in den vergangenen 120&#8217;000 Jahren bis zu mehr als zehn Mal ausbreiteten und wieder zur\u00fcckzogen.&#8220;(&#8230;)&#8220;Kalt-\u200b und Warmzeiten wechseln sich in einem Eiszeitalter ab. Grunds\u00e4tzlich befindet sich die Erde momentan in einem Eiszeitalter.(&#8230;&nbsp;)<\/em>&#8222;<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die heute vorgefundene Fauna und Flora der verschiedenen H\u00f6henstufen der Alpen &#8211; auch die oben herausgegriffene Schmetterling-Fauna &#8211; mussten diese Dynamik &#8211; vom Vorsto\u00dfen bis hin zum fast vollst\u00e4ndigen Abschmelzen der Gletscher mitmachen, mitgehen. Sonst w\u00e4ren Tiere und Pflanzen der Alpen nicht da, wo wir sie heute kartieren und sch\u00fctzen k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Es ist also zumindest unsicher, wie und warum trotz der offensichtlich hohen Variabilit\u00e4t der Verh\u00e4ltnisse im Hochgebirge immer wieder (scheinbar?) stabile Lebensgemeinschaften entstanden. Vielleicht ist Dynamik selbst ein Anpassungsvorteil? Das f\u00fchrt zu den einigerma\u00dfen gesicherten &#8230;<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">&#8230;<strong>Konsequenzen f\u00fcr den Naturschutz?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Bioz\u00f6nosen, das sind die Lebensgemeinschaften, sind zumindest w\u00e4hrend der (noch immer anhaltenden) eiszeitlichen Bedingungen auf der Erde m\u00f6glicherweise  auf Dynamik &#8222;selektiert&#8220;, sonst h\u00e4tten sie nicht \u00fcberlebt. Das gilt ausgepr\u00e4gt f\u00fcr die gem\u00e4\u00dfigten und polaren Breiten, in denen die Klimaschwankungen vermutlich st\u00e4rker sind als in den inneren Tropen, die \u00fcber l\u00e4ngere Zeiten und eher konstanter &#8222;warm&#8220; bleiben.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Das Festhalten an einem &#8222;steady state&#8220;, also einer irgendwie vorauszusetzenden &#8222;Konstanz&#8220; (nicht nur) der Bedingungen in den Alpen (und vermutlich auch anderer Gebirge der Erde) und des begleitenden Klimas ist vor dem Hintergrund der erdgeschichtlichen Dimension der \u00c4nderungen  wirklichkeitsfremd.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Schutzbem\u00fchungen m\u00fcssen auf die Dynamik-Konzepte, die der Natur schon evolutions-stabil innewohnen, setzen. Die Anpassungs- und Wandlungsf\u00e4higkeit der Natur ist so etwas wie ein Angebot, das zur Rettung genutzt werden will!<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>F\u00fcr die Alpen: Alle m\u00f6glichen (nicht nur) glazialen R\u00fcckzugsorte, die verbleiben, verdienen strengsten Schutz. <\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Grunds\u00e4tzlich: Lebensr\u00e4ume m\u00fcssen vernetzt und verbunden bleiben, damit Arten in horizontaler und vertikaler Richtung ver\u00e4nderten Klimabedingungen angepasst &#8222;wandern&#8220; und ihre Verbreitung anpassen k\u00f6nnen. Das Konzept des Biotopverbundes, und das in den Naturschutzrichtlinien der Europ\u00e4ischen Union geforderte koh\u00e4rente Netz intakter und gesch\u00fctzter Lebensr\u00e4ume als Beispiel eines kontinent-\u00fcberspannenden Schutzsystems wird durch die Erkenntnis der enormen Dynamik des Klimageschehens w\u00e4hrend der letzten Kaltzeit eindrucksvoll gest\u00fctzt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"673\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dia-04110-673x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4104\" srcset=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dia-04110-673x1024.jpg 673w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dia-04110-197x300.jpg 197w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dia-04110-768x1169.jpg 768w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dia-04110-1009x1536.jpg 1009w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dia-04110-1346x2048.jpg 1346w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dia-04110-scaled.jpg 1682w\" sizes=\"(max-width: 673px) 100vw, 673px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"673\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dia-04101-673x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4108\" srcset=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dia-04101-673x1024.jpg 673w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dia-04101-197x300.jpg 197w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dia-04101-768x1169.jpg 768w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dia-04101-1009x1536.jpg 1009w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dia-04101-1346x2048.jpg 1346w, https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dia-04101-scaled.jpg 1682w\" sizes=\"(max-width: 673px) 100vw, 673px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Spanische Steinb\u00f6cke in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sierra_de_Gredos\">Sierra de Gredos<\/a>, Spanien; aufgenommen im Sommer 1984. Fotos: Wolfgang Epple. Hochgebirgsarten sind der nat\u00fcrlichen Dynamik ihres Lebensraumes einschlie\u00dflich Klima-\u00c4nderungen von jeher stark ausgesetzt und entsprechend angepasst. <strong>Der Schutz (der Ver\u00e4nderlichkeit) ihrer Lebensr\u00e4ume ist vordringlich, gerade auch im Zuge der derzeitigen Klima-Erw\u00e4rmung.<\/strong> <strong>Die Vorstellung, Klima- und Lebens-Bedingungen k\u00f6nnten durch technische Ma\u00dfnahmen des &#8222;Klimaschutzes\u201c in eine vom Menschen (vor)gegebene Konstanz gezwungen werden, ist vollkommen realit\u00e4tsfremd.<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ob also wirklich und f\u00fcr alle Zeit gilt: <em><a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news772736\">&#8222;Nach dem Gipfel ist Schluss&#8220;,<\/a><\/em> mag dahingestellt bleiben. Sicher ist: Gegensteuern gegen die rasche Klimaver\u00e4nderung ist sinnvoll. Die Wahl der Mittel allerdings will gut \u00fcberlegt sein, denn wie der Ausbau sogenannter Erneuerbare Energien zeigt: <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen des Klima-Hypes und &#8222;Klimaschutzes&#8220; (siehe Epple 2021) wird st\u00f6rend, zerst\u00f6rend und Barrieren-bildend durch sogenannte Erneuerbare Energien in das verletzliche Netz der Natur und ihrer Lebensr\u00e4ume  immer r\u00fccksichtsloser eingegriffen (siehe <strong><a href=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=86\">Windkraft<\/a><\/strong>; und speziell f\u00fcr Flie\u00dfgew\u00e4sser (gerade der Gebirge!) die <a href=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=2772\"><strong>Wasserkraft<\/strong><\/a>). Dass dies auch noch als <strong>&#8222;F\u00f6rderung der Landespflege&#8220;<\/strong>(!) (so in einer <a href=\"https:\/\/okvote.osrz-akdb.de\/OK.VOTE_OB\/16052021\/09175000\/html5\/KreisBuergerentscheid_Bayern_148_Kreis_Landkreis_Ebersberg.html\">Volksbefragung am 16. Mai 2021 zum geforderten Eindringen der  Windkraftindustrie in den<strong> Ebersberger Forst <\/strong>bei M\u00fcnchen<\/a>) , &#8222;effektiver Naturschutz&#8220; (die Parolen der Windkraftindustrie, Beispiele siehe Epple 2021) und insgesamt als Weltrettung verbr\u00e4mt wird, ist absurd. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rettung der Natur durch ihre weitere Industrialisierung ist einer der Anachronismen und Widerspr\u00fcche der Politik in Zeiten des Klima-Alarms und Klima-Hypes. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die <em>Reduktion der komplexen Zusammenh\u00e4nge der \u00d6kologischen Krise auf &#8222;Klima und CO2&#8220;<\/em> ist <strong><em>die<\/em><\/strong> Vers\u00fcndigung des Zeitgeistes, der bekanntlich &#8222;gr\u00fcn&#8220; ist, dem die Natur (das eigentliche, den Menschen einschlie\u00dfende  Schutzgut) aber immer ferner und fremder wird. Unter reduktionistischer Argumentation mit medialem Trommelfeuer kommen wesentliche und kaum mehr gut zu machende Entscheidungen gegen die Natur, gegen den Ganzheitlichen Naturschutz zustande. Ich nenne bewusst noch einmal die <a href=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=2772\">verheerenden Auswirkungen von Wasserkraft<\/a> und die zunehmend brachiale  <a href=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=86\">Invasion der Windkraft in die letzten halbwegs intakten Natur-Landschaften unter der fragw\u00fcrdigen Anma\u00dfung, durch weitere Technisierung und Industrialisierung die Natur vor ihrem angeblich weitgehend klimatisch verursachten Ende retten zu k\u00f6nnen.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ganzheitlicher Naturschutz nimmt die Dynamik der Natur auf, leugnet dabei keineswegs die Dynamik auch des Klimas dieser Erde. Er leugnet auch nicht, <strong><a href=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=672\">dass vieles daf\u00fcr spricht, dass eine bereits zahlenm\u00e4\u00dfig \u00fcberbordende Menschheit mit ihren Aktivit\u00e4ten und Anspr\u00fcchen zur aktuellen schnellen Erw\u00e4rmung der Erde beitr\u00e4gt<\/a>. <\/strong>Er stellt jedoch gerade nicht die Technisierung und den Glaube an die Weltrettung durch Industrie und Technik in den Vordergrund, sondern mahnt zum Erhalt, zur St\u00fctzung aller nat\u00fcrlichen Anpassungsf\u00e4higkeiten und zum <strong>Respekt vor<\/strong> den M\u00f6glichkeiten <strong>der Natur<\/strong> und ihrer Arten. <strong>Zentrales Anliegen bleibt dabei der Schutz, Erhalt und die Weiterentwicklung m\u00f6glichst gro\u00dfer zusammenh\u00e4ngender Lebensr\u00e4ume, in denen die Anpassung an die Dynamik und die Dynamik der Anpassung selbst im Sinne der Zukunft der Evolution weiterhin stattfinden kann.<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>In (kluger..!) <em>Anpassung<\/em>, nicht in verengtem Festhalten an ohnehin nicht bestehender und nicht m\u00f6glicher &#8222;Konstanz&#8220; liegt die Zukunft des Artenschutzes und damit letztlich der Menschheit auch vor dem Hintergrund des Klimawandels. Ganzheitlichkeit erfordert diese Einsicht. W\u00fcrde nach dieser Einsicht gehandelt, m\u00fcssten Ma\u00dfnahmen des &#8222;Klimaschutzes&#8220; grunds\u00e4tzlich unter den Vorbehalt des Vorrang des Erhalts der<a href=\"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/?page_id=1441\"> Vielfalt <\/a>des Lebens auf der Erde gestellt werden. Denn <strong>der Verlust der biologischen Vielfalt ist die st\u00e4rkste Wirk-Gr\u00f6\u00dfe und damit umfassendste Bedrohung innerhalb der sozial-\u00f6kologischen Krise.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Denkansto\u00df zu Biodiversit\u00e4t und Klimawandel am Beispiel der Dynamik der Alpengletscher Das Beitragsbild zeigt ein Hochgebirgstal im Nationalpark Ordesa y Monte Perdido, spanische Pyren\u00e4en. &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4119,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"om_disable_all_campaigns":false,"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"class_list":["post-4087","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4087"}],"collection":[{"href":"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4087"}],"version-history":[{"count":51,"href":"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4087\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6983,"href":"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4087\/revisions\/6983"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/4119"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wolfgangepplenaturschutzundethik.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4087"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}