Januar 23, 2021

Nerzfarmen, systematische Tierquälerei und das Coronavirus – was eigentlich ist moralischer Fortschritt?

Im Spätsommer 2020 bahnt sich in Dänemark (und den Niederlanden) an, wovor Tierschutzorganisationen auch aus Anlass der Corona-Pandemie und davor schon jahrelang gewarnt hatten: Von der tierquälerischen Pelztierzucht geht weltweit – auch in Europa! – eine Gesundheitsgefahr für den Menschen aus.

Bis heute gibt es in Europa kein striktes Verbot der Pelztierzucht, die immer wieder mit systematischer Tierquälerei und für die Tiere absolut untragbaren Haltungsbedingungen einhergeht.

Was kommen musste: Ausbruch mutierter Coronavirus-Varianten in Nerzfarmen mit Übertragung auf den Menschen...

Im Zeichen der ohnehin bestehenden Alarm-Stimmung wurde reagiert; Euronews berichteten am 06. 11. 2020:

Über die Gefährlichkeit der Varianten des Virus, die von den in erbärmlicher Gefangenschaft gehaltenen Wassermardern auf den Menschen übertragen werden können, geht die Meinung unter Wissenschaftlern auseinander. Dieser Frage soll hier nicht weiter nachgegangen werden (wer sich interessiert, sei auf den oben verlinkten Artikel in „Spektrum der Wissenschaft“ oder einen sehr instruktiven Beitrag der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen verwiesen).

Hier soll es um den ausgewachsenen Skandal gehen, wie „hochentwickelte“ Länder im dritten Jahrtausend mit Fragen des Tierschutzes umgehen. Warum und wie ist es möglich, dass mitten in Europa weiterhin sinn- und schmerzbegabte Geschöpfe in der Weise misshandelt werden, wie es in sogenannten „Pelztierzuchten“ geschieht?

Wieder ist Ganzheitlichkeit im Umgang mit der dem Menschen anvertrauten Natur und Tierwelt angesprochen. Was eigentlich verstehen wir unter „moralischem Fortschritt – zumal in dunklen Zeiten“ (diese Wortwahl bewusst angelehnt an das Werk eines viel gefeierten Nachwuchs-Philosophen: Markus Gabriel: Moralischer Fortschritt in dunklen Zeiten – Universale Werte für das 21. Jahrhundert, Ullstein Verlag, 2020 – ein Werk, das die Unterbelichtung der Tier- und Natur-Ethik im Mainstream des öffentlichen Diskurses einmal mehr und auf beklemmende Weise hinterlegt – eine Besprechung und kritische Würdigung folgt an anderer Stelle)?

Daran anschließend erhebt sich auch die Frage, inwieweit die Öffentlichkeit den ethischen Skandal systematischer Tierquälerei im Zeichen materieller Gewinnsucht hinter den schockierenden Bildern aus Dänemark wahrnimmt bzw. wie dieser medial aufbereitet wird.

Lassen wir die Dänen noch selbst zu Wort kommen; so prahlt das „Danish Agriculture & Food Council“ auf seiner Website:

„Mink and Fur

Denmark is the world’s largest producer of mink skins.

Denmark is the world’s largest producer of mink skins. Danish mink skins are the most expensive on the world market, which is due to the fact that Danish mink farmers produce a superior fur quality in high demand by consumers.

1,500 Danish fur farmers produce approx. 19 million mink skins. In addition to mink, Denmark also produces a small number of fox, chinchilla and rabbit skins.

Kopenhagen Fur, the largest fur auction house in the world and global hub for the fur trade, sells the 19 million Danish mink skins and around 7 million mink skins from other countries annually. China is the largest market. Mink skins account for about one third of Danish exports to China.

Fur and mink skins are the third largest Danish agricultural export items of animal origin, representing an annual export value of approx. EUR 1,1 billion.

To learn more about Danish mink production and Kopenhagen Fur, visit…:“

Ich verlinke absichtlich nicht weiter.

Der Verlust von 1,1 Milliarden Euro durch die Tötung und Entsorgung von fast 20 Millionen dänischer Farm-Nerze der „Superior Quality“(es sind amerikanische Minks, die gezüchtet werden) ist neben der Corona-Übertragungs-Panik und der Furcht eingeschränkter Wirkung von Impfstoffen das Hauptthema der medialen Berichterstattung auch in Deutschland. Das ist der eigentliche Skandal. So ist beispielsweise ein knapp zweiminütiger Beitrag des ZDF für die „Heute“-Nachrichten-Sendung (Autor: Henner Hebestreit) vom 12.11.2020 (Video leider nur bis 12.11.2021 sichtbar) fast ausschließlich geprägt vom „Leid“ der Züchter und der Aufbereitung des finanziellen Schadens von „über einer Milliarde Euro“ bei der „Abwicklung“ der dänischen Nerz-Zucht, obwohl die begleitenden Bilder geradezu erschütternd sind, weil sie zeigen, wie brutal und verachtend die Massentötung von statten geht…

Nerz, Aquatischen, Lake Erie
Ein amerikanischer Nerz (Mink) in freier Wildbahn. Aufgenommen von Jan den Ouden, veröffentlicht bei Pixabay. Das wunderbar gelungene Foto vermittelt jedem mitfühlenden Menschen, was den in kleinen Käfigen in lebenslanger Gefangenschaft gehaltenen Minks in den Nerzfarmen zugefügt wird.

Immerhin haben die Medien wenigstens teilweise aufgegriffen, dass die Tötung der dänischen Farm-Nerze in Teilen illegal war. Erwähnt sei eine Darstellung auf Tagesschau.de. Das Tierleid aber ist in den Berichten kein Wort wert.

Die ganze beklemmende anthropozentrische und materialistische Einseitigkeit der Sicht der Dinge bringt die Regierungschefin Dänemarks – vermutlich ungewollt – auf den Punkt; web.de berichtet am 26.11.2020, aus Anlass der bei der Verwesung in den Massengräbern aufquellenden und wieder „aufsteigenden“ Nerz-Kadaver :

Das Schicksal der Züchter der Nerze geht Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sichtlich an die Nieren. Die Züchter sollten wissen, dass es nicht ihre Schuld sei, dass all die Tiere getötet werden müssten, sagte die Regierungschefin auf einer Nerzfarm in der Nähe von Kolding…. Den Tränen nahe berichtete sie von ihrem emotionalen Besuch auf der Farm, wo ein Vater und sein Sohn innerhalb kürzester Zeit das Ende ihres Lebenswerks miterleben müssten. „Das war nicht wegen ihnen, nicht, weil sie schlechte Nerzzüchter gewesen wären. Das ist wegen Corona, sagte sie, wie ein Mitschnitt der Sender TV2 und DR zeigte.

Moralischer Fortschritt – weiblich und made in Scandinavia?

Dänemark ist das skandinavische Land, das im Dezember 2020 gleich hinter Schweden für seine „Leistungen für den Klimaschutz“ gefeiert wird. Moralisch also fortschrittlich? Reicht der Klima-Tunnelblick auf ein Land, das solche Missstände zulässt?

Dänemark ist auch das Land der Schweinezüchter und -Schlachter – es gibt mehr Schweine als Menschen im Fortschrittsland: auf 5,81 Millionen Einwohner kommen ca 18 Millionen geschlachtete Schweine pro Jahr…Erinnert sei an die Verketzerung und Ausrottungsfeldzüge gegen das Wildschwein im Rahmen der „Afrikanischen Schweinepest“ (siehe hier). Zum Schutz des fortschrittlichen Schweine-Zucht-Landes wurde mit der Errichtung eines Grenzzaunes reagiert.

Frauen an der „Macht“, Leistungen für den „Klimaschutz“, hochgelobt durch Umweltverbände — moralischer Fortschritt?

Natur und Schicksal der Tiere in menschlicher Obhut ausgeblendet….

…in der Tat: Dunkle Zeiten.

Wann endlich wird in Europa die Pelztierzucht verboten?

Die sich selbst so gerne als Vorzeige-Kontinent beglaubigende Staatengemeinschaft benötigt statt eines naturschädigenden, an der Ökonomie orientierten Green Deal einen umfassenden, im Sinne dieser Homepage ganzheitlich verstandenen Ethic Deal.