April 17, 2024

Windkraft in der Traumlandschaft Bayerischer Wald?

19. Februar 2024

Das Bild zeigt Lalling im Landkreis Deggendorf mit dem Waldrücken im Hintergrund, der für die Windkraftindustrie geöffnet und geopfert werden soll. Foto: Wolfgang Epple

Drohende historische Versündigung an Mensch, Natur und Landschaft

Liebe Besucher dieser Seite, schauen Sie sich bitte den nachfolgend verlinkten Film an. Nehmen Sie sich bitte 13 Minuten Ihrer kostbaren Zeit.

Der von mir produzierte Film soll wachrütteln. Er soll zum Nachdenken anregen über den Umgang mit unseren letzten naturnahen Gebieten und mit den wertvollen Wäldern im Rahmen der naturfressenden Energiewende :

https://www.youtube.com/watch?v=HtBMqKYCbno

Bislang von Windkraft verschont – eine der größten zusammenhängenden Vorzugslandschaften Mitteleuropas

Der Bayerische Wald/ Böhmerwald ist eines der letzten großen Waldgebirge Mitteleuropas, in das die Windkraftindustrie noch nicht flächendeckend eingedrungen ist. Nun droht ausgerechnet in einer der schönsten Landschaften des Vorderen Bayerischen Waldes, im „Lallinger Winkel“ die Industrialisierung eines bedeutenden und landschaftsprägenden Waldrückens mit bis zu 15 riesengroßen Windkraftanlagen. Noch wirbt man dort vollmundig für den Tourismus – mit der Schönheit der Landschaft…

Die umrandeten Gebiete zeigen die ungefähren Standorte der Windkraftanlagen. Im Nordwesten der Leopoldshochwald (3 bis 4 Anlagen), im Nordosten der Ranzingerberg (11 Anlagen).

Maßstabsgetreue Visualisierung durch den Landschaftsarchitekten Ulrich Bielefeld. Der gesamte Waldhöhenrücken, der den Lallinger Winkel in einzigartig schöner Weise prägt, würde zukünftig als Windindustriegebiet wahrgenommen. Die heutigen Schwachwindanlagen haben Höhen bis annähernd 300 Meter. Aber auch schon bei einer Gesamthöhe von „nur“ 260 Metern wäre die Verschandelung von weihter und aus der Nähe sichtbar. Die gesamte Landschaft wäre überprägt, Fernblicke beeinträchtigt.

Maßstabsgetreue Visualisierung Landschaftsarchitekt Ulrich Bielefeld. Das Lallinger Ortsbild und das weiterer Teilorte wäre zukünftig durch Windkraft geprägt. Die Gemeinde wirbt mit der Schönheit der Landschaft für den Tourismus…und strebt gleichzeitig diese kolossale Entwertung an. Bis jetzt ist der Lallinger Winkel mit dem Sonnenwald und dem Ohetal durchaus als Kultur- und Naturlandschaft von europäischem Rang einzuordnen, wie einige nachfolgende Bilder bestätigen können.

Ohetal bei Gaissa. Foto: Wolfgang Epple
Blick über das Ellerbachtal in Richtung Brotjacklriegel und Büchelstein (Sonnenwald). Foto: Wolfgang Epple. Die Großlandschaft aus Lallinger Winkel, Ohetal und Sonnenwald bietet eine besonders herausragende, für deutsche Verhältnisse schon rare naturräumliche Geschlossenheit. Sie ist verglichen mit vielen anderen Regionen Deutschlands kaum belastet, und in Verbindung mit der Nationalparkregion des „Inneren Waldes“ (NP Bayerischer Wald, NP Sumava auf tschechischer Seite) Teil des „Grünen Dachs“ Europas. Bis heute ist die Region des Bayerischen Waldes weitgehend von der Verschandelung und Entwertung durch Windraftindustrie verschont. Diese herausragende Alleinstellung sollte von den örtlichen und regionalen Entscheidungsträgern besser erkannt und berücksichtigt werden.

Werbung des „Heimatviertels“ aus Lallinger Winkel, Ohetal und Sonnenwald.

Die Unterstützung der Windkraft-Industrialisierung dieser überregional bedeutsamen Vorzugslandschaft durch die politischen Parteien und örtlichen Gremien, voran durch Vertreter der CSU und der Freien Wähler im Verein mit den GRÜNEN, macht eine solche „Heimat“-Werbung unglaubwürdig. Man überlässt die Kritik an der Entwertung der Heimatlandschaft auf dem Altar einer scheiternden Energiewende der AfD.

Zur Geschichte und aktuellen Entwicklung:

Erster Anlauf für Windkraft im Bayerwald schon 2013 – durch eine Untergliederung des Bayerischen Bauernverbandes (BBV-LandSiedlung)

Die ersten Anläufe für die Invasion der Windkraft in den Lallinger Winkel gehen ein Dutzend Jahre zurück. Aber 2013 hatte die Gemeinde ihre Zustimmung zu einem Antrag der bbv-Landsiedlung für einen Standortsicherungsvertrag mit den Bayerischen Staatsforsten verweigert. Schon damals hatte man sich fragen können: Wo bleibt eigentlich die vielbesungene Heimatliebe gerade im Bauernverband? In der Pressemeldung der Deggendorfer Zeitung vom 28. Februar 2013 erfährt man:

(…)Bekanntlich hat die bbv-Landsiedlung kürzlich die Gemeindegremien von Hunding und Lalling ausführlich über ihre Planungen zum Bau von elf Windrädern im Norden der beiden Hauptorte informiert (…). Aus der Bevölkerung war daraufhin Für und Wider zu hören. Die Gemeinderäte der beiden Kommunen haben zwischenzeitlich einen Windpark bei Velburg in der Oberpfalz besichtigt.
Bürgermeister Josef Streicher stellte in der Sitzung klar, dass er nach eingehender Prüfung seine Meinung zu der Planung geändert habe. Es ergäben sich nicht nur negative Auswirkungen auf das Landschaftsbild. Da die geplanten Windräder von vielen Ortschaften des Lallinger Winkels aus zu sehen seien, könne auch der Tourismus Schaden nehmen. Auch könne die Gemeinde nicht auf hohe Gewerbesteuereinnahmen hoffen, wie immer wieder behauptet werde.(…)“

Der jetzige Bürgermeister (CSU) sieht keine Nachteile

Nun sind die Bestrebungen wieder auf der Tagesordnung. Eine weit über die örtlichen Grenzen herausragende Natur-, Kutur- und Erholungslandschaft von europäischem Rang steht auf dem Spiel, den Interessen von Projektierern, Verpächtern und Profiteuren geopfert zu werden.

Wie überall in solchen Fällen wird suggeriert, die Windkraft könne so und so viele Haushalte mit Strom versorgen, und man müsse seinen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten (siehe TV-Interview des Lallinger Bürgermeisters, unten).

Dass die Windkraft so gut wie nicht zur Versorgungssicherheit beiträgt, dass Immobilien im Einzugsbereich an Wert verlieren, dass insbesondere der Eingriff in eine bisher einzigartig intakte Vorzugslandschaft nicht wiedergut zu machen wäre, wird in den Medien kaum oder zu wenig kommuniziert.

Besonders betrüblich: Der jetzige Bürgermeister (CSU) sieht keine Nachteile für Landschaft und Tourismus, wie aus seinem Interview in einem TV-Bericht (niederbayern-tv) vom 26.10.2022 hervorgeht (sehenswert ist das ganze über den Beitrag verteilte Interview, besonders aber ab Minute 2.00).

Skandalös: Die Rolle der Bayerischen Staatsforste – Politische Verantwortung: Minister Hubert Aiwanger und Ministerpräsident Dr. Markus Söder

An anderer Stelle gehe ich seit Jahren auf den Skandal der Zweckentfremdung öffentlichen Wald-Eigentums in Deutschland, die Auslieferung der Staatswälder an die Windkrafindustrie ein.

Mit ihrer Broschüre „Waldenergie“ haben die Bayerischen Staatsforsten hinterlegt, dass sie voll und ganz hinter der Industrialisierung von Wäldern mit Windkraft stehen. Offenbar überwiegt – wie in anderen Bundesländern – der lockende Profit aus den inzwischen teilweise horrenden Pachteinnahmen unter Windkraft den Auftrag, die Wälder vor schädlichen Eingriffen zu schützen.

Zur neuen Entwicklung im Vorderen Bayerischen Wald, zur ökologischen Schädlichkeit der Windkraft im Wald, zur persönlichen politischen Verantwortung für die an weiteren Stellen drohende Windkraft-Entwertung der Wälder Bayerns – Hauptantreiber und Verantwortliche sind Minister Hubert Aiwanger und der Ministerpräsident Dr. Markus Söder – einige zusammenfassende Hinweise und Quellen:

Anmerkung: Im gleichen Regionalplan, der die Vorzüge der Landschaft wortreich und vollmundig beschreibt (siehe Zitate im eingangs verlinkten Film) wird aufgrund des von der Bundesregierung und der Bayerischen Staatsregierung „beschlossenen Ausstiegs aus der Nutzung der Atomenergie“…die „Nutzung der Windenergie auch in der Region Donau-Wald verstärkt in den Fokus gerückt“… und mit (unter anderen) den „Vorranggebieten für die Errichtung und den Betrieb raumbedeutsamer Windkraftanlagen Nr.48 (Rusel) Nr. 49 a (Lalling) und 49 b (Hunding“) der Vordere Bayerische Wald in dieser so sensiblen und weitgehend intakten Region de facto landschaftlich der Windkraftindustrialisierung geopfert. Aus bisherigen Reinluftgebieten der betroffenen Wälder werden durch Mikropartikel aus der Erosion der Rotorblätter der Windkraftanlagen langfristig auch bis in die Böden beeinträchtigte Gebiete…

Mischwald auf dem Ranzingerberg. Der den Lallinger Winkel prägende Waldrücken bietet wertvolle Naherholungsräume und Wald-Habitate…Foto: Wolfgang Epple
Flügger junger Schwarzstorch, aufgenommen in der Nähe des Ellerbaches, eines Seitenbachs der Großen Ohe. Das Vorkommen des Schwarzstorchs deutet auf den großen Wert der betroffenen Landschaft hin. Foto: Wolfgang Epple

Wie naturverachtend der CO2-Reduktionismus der Windkraft-Befürworter argumentiert, erfahren Sie im Begleittext dieses Videos auf meinem YouTube-Kanal:
https://m.youtube.com/watch?v=bCuqfw493Ag

Ein persönlicher Appell zum Schluss

Liebe Naturfreunde, liebe Urlauber und Liebhaber des Bayerischen Waldes!

Schreiben Sie bitte höflich an die Verantwortlichen in der Staatsregierung Bayerns, in der Verwaltung der Bayerischen Staatsforsten und an die Verantwortlichen der Regionalplanung für die niederbayerische Region Donau-Wald, wenn Sie mit der Opferung dieser einzigartig schönen und so reich mit Natur und Kultur gesegneten Landschaft auf dem Altar des sogenannten Klimaschutzes nicht einverstanden sind.

Ich danke Ihnen persönlich sehr dafür!

Ihr

Dr. Wolfgang Epple