August 12, 2020

Windkraft in den Medien

Bürgerlicher, friedlicher Protest gegen Naturzerstörung und fremdbestimmt empfundene Invasion der Windkraftindustrie in die wertvollsten naturnahen Areale der Kulturlandschaft, hier am Beispiel des Odenwaldes, wird in den Medien vielfach verzerrt dargestellt oder ausgeschwiegen. Das Bild zeigt ein gemeinsames Protestplakat mit einem Aufruf der „Initiative Hoher Odenwald e.V.“ und der Bürgerinitiative „Rettet den Odenwald“

Die Rolle der Medien im Konflikt Windkraft-Naturschutz – Tendenz und notorische Unausgewogenheit

Spaltung der Gesellschaft und das Herbeireden eines Generationenkonfliktes im Rahmen der Klimadiskussion und im speziellen in der öffentlichen Auseinandersetzung um die verheerenden Folgen der Windkraftindustrialisierung sind seit Jahren im Gange. Weitgehende Unausgewogenheit beim Thema Windkraft ist notorisch, sowohl im öffentlich-rechtlichen TV als auch in den Printmedien.

Ich veröffentliche hier meinen offen Brief an den Saarländischen Rundfunk vom 08. November 2016. Die seinerzeitige Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Senders, der dem Auftrag aus dem Rundfunkstaatsvertrag kaum gerecht wird, ist beispielhaft für Tendenz, die im großen Teil der deutschen Medien in Sachen Windkraft herrscht. Der Beitrag wurde vom Sender aus dem Netz genommen – wohl aus guten Grunde. Anlass: Der verstorbene Enoch zu Guttenberg, Doyen der Kritik an den Folgen der Windkraftindustrie für Deutschland, hatte im November 2016 auf einer Veranstaltung der Partei „Die Linke“ eine seiner legendären kritischen Reden zur Windkraftindustrialisierung in Deutschland gehalten. Der Saarländische Rundfunk berichtete mit einem in weiten Teilen an Häme grenzenden Bericht mit untergelegtem Tendenz-Kommentar. Hier der offene Brief; aus ihm gehen die Defizite der SR-Berichterstattung hervor:

Offener Brief  Herrn Intendanten des Saarländischen Rundfunks Prof. Thomas Kleist; Herrn Programmdirektor des Saarländischen Rundfunks Semmelrogge

08. November 2016

Betr: “Zu Guttenberg macht Dampf gegen Windkraft”; Ihre Kommentierung und Berichterstattung vom 04.11.2016; Bezug: Ihre Berichterstattung: http://www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/windkraftgegner_saarlouis_enoch_guttenberg100.html

Sehr geehrter Herr Prof. Kleist, sehr geehrter Herr Semmelrogge,

es ist nicht neu, dass im Rahmen der sogenannten “Energiewende” Skepsis – früher einmal die Zier des Denkers – in Deutschland verpönt und inzwischen je nach Gebrauch gar zum Schimpfwort wurde. 

Es ist auch nicht neu, dass der Medien-Mainstream weitgehend – mit einigen Ausnahmen – unkritisch im Rahmen der Berichterstattung zur “Energiewende”  Parolen der im Vortrag von Enoch zu Guttenberg kritisierten Windkraftindustrie kolportiert.

Es hat auch Methode, auf pointierte und/oder fundierte Kritik den Kunstgriff der diffusen Gleichsetzung anzuwenden. 

Kritiker der Windkraftindustrialisierung unserer letzten verbliebenen naturnahen Landschaften werden je nach Anlass und Gusto diffus gleichgesetzt mit 

– Vertretern der Atomlobby, – Vertretern der schmutzigen Braunkohleindustrie, – mit ewig gestrigen Maschinenstürmern, …oder ähnlichem.

Ihr Bericht-Kommentar fügt nun eine Variante dazu: Wer Naturzerstörungen durch Windkraftindustrie als „die Heimsuchungen von heute“ bezeichnet, und diese Zerstörungen in pointierter Sprache „wirkliche Verbrechen im perversen Vernichtungskampf unserer Endverbrauchergesellschaft gegen die uns eigene, uns schützende, uns nährende und Identität schenkende Heimat und Natur“  nennt (Enoch zu Guttenberg auf einer Windkraft-kritischen Veranstaltung der Partei der LINKEN im Saarland im November 2016), wird vom Kommentator Ihres öffentlich-rechtlichen ARD-Fernsehsenders in die Nähe des rechten politischen Spektrums gerückt; Originalton SR: „Mit derartigen Äußerungen hätte zu Guttenberg wohl auch problemlos bei einer Veranstaltung der AfD sprechen können“ ( Ihr Bericht und Video , siehe Bezug). 

“Heimat” und “Natur” sind ganz offensichtlich für Journalisten solchen Zuschnittes wie des SR-Kommentar-Verfassers  kaum erträgliche Reizworte, wenn es um die weitgehend unkritisch begleitete, GRÜN-induzierte „Energiewende“ geht.

Naturschutz scheint – wenn nicht in eher harmlose Hochglanz-Filmchen verpackt – in Energiewende-Deutschland zunehmend lästig, „Naturschützer vom alten Schlage“ sind als Feinde des “Klimaschutzes” im Rahmen einer Energiewende-Verhinderung-Verschwörungstheorie ausgemacht und werden nun auch vom SR als solche “geoutet”.  Da lässt man doch gleich bei solchem Anlass den an der Verbandsspitze nachweislich Windenergie-verbandelten BUND zu Wort kommen, um die Windkraft ins rechte “Naturschutz”-Licht zu rücken.

Es ist richtig: Die sogenannte „Energiewende“ – in Wirklichkeit eine ökonomisch desaströse und ökologisch verfehlte Windkraft-Strom-Wende – spaltet die Gesellschaft und verhilft – auch den Medien – zu neuen Feindbildern. Das hat Ihre einseitige Kommentierung deutlich belegt. Diese ist beschämend und bestürzend zugleich, denn es durfte nicht einmal die fachlich unhaltbare Relativierung der direkten Opferzahlen der Vögel und Fledermäuse an Windkraftanlagen durch den SR-Kommentar fehlen. 

Und am Schluss wurde durch den Kommentar herausgestellt, dass die meisten Zuschauer des Vortrags Enoch zu Guttenbergs “über 50 “ sind.  Wer spaltet hier, mit welchem Ziel?

Es ist einfach zu billig, die mediale Pro-Windkraft-Tendenz im Rahmen eines solchen ungehemmt einseitigen Kommentars unterschwellig im Sinne eines Generationenkonfliktes zu transportieren, gleichzeitig jedoch vordergründig darüber im selben Kommentar zu lamentieren, Enoch zu Guttenberg habe in seinem Vortrag die Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern noch tiefer geschaufelt.

Das ist die Realität: Mit jeder neuen Frontstellung, die durch Windkraftindustrie in Deutschland (nicht nur im Saarland) gezielt bei der Beantragung von Windindustriegebieten selbst in  wertvollsten Naturflächen eröffnet wird, mit jeder weiteren gezielten Schwächung der europäischen Rechtsgrundlagen des Naturschutzes durch die Windkraftindustrie und ihre politischen Erfüllungsgehilfen werden jene Gräben in der Tat tiefer geschaufelt, deren Verursacher der SR in völlig unannehmbarer Weise auf der falschen Seite fundierter Kritik verortet.

Ihre Berichterstattung ist ein weiteres Zeichen für die Beschädigung des Aufklärung- Bildungsauftrages, den die öffentlich-rechtlichen Medien durch die Gebührenfinanzierung zu erfüllen hätten. Es ist kein gutes Zeichen, wenn journalistische Sorgfalt und/oder doch wenigstens eine gewisse Neutralität hinsichtlich der ökologisch und ökonomisch höchst fragwürdigen “Energiewende” in dieser Weise auf der Strecke bleiben, wie dies Ihr im Bezug genannter Bericht-Kommentar belegt.

Mit freundlichen Grüßen Dr. Wolfgang Epple“

Es gibt einige wenige Ausnahmen und Beispiele für kritischen, investigativen Journalismus, die sich mit Auswüchsen und Korruption rund um die Windkraft befassen; einige seien hier herausgehoben:

Beide Beiträge stammen aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunkschaffen und werden im Gegensatz zur Legion von öffentlich-rechtlichen Tendenzbeiträgen pro Windkraft dem Auftrag aus dem Rundfunkstaatsvertrag gerecht.

Auf den Film „End of Landschaft“ des Autors, Filmemachers und Musikers Jörg Rehmann sei hier ausdrücklich hingewiesen. Er wurde in vielen deutschen Filmtheatern und von etlichen Bürgerinitiativen landesweit gezeigt und hinterlässt bleibenden Eindruck.

Bezeichnend ist, dass es bereits Proteste von „Fridays for Future“ gegen diesen Film gab. Die sogenannte Klima-Bewegung lässt sich von der Windkraftindustrie bereitwillig instrumentalisieren und vor ihren Karren spannen.

Tendenz auch in der Darstellung der Windkraft-Artenschutz-Problematik

Dass in den Medien speziell die Windkraft-Artenschutz-Problematik neuerdings zum „Mythos“ erklärt wird, und der Artenschutz als „vorgeschobenes“ Argument (hier eine Darstellung des Deutschlandfunkes DLF) zur Verhinderung der Windkraft gehandelt wird, ist besonders beschämend.

Wie schreibt man die gescheiterte Energiewende und die landschaftliche Entwertung eines Mittelgebirges schön? Das Beispiel Frankfurter Allgemeine Zeitung

Wie der Hunsrück zu Deutschlands Vorzeigeregion wurde“ (FAZ vom 31.01.2020, Verfasser Julian Staib)

So titelt ein Bericht der FAZ, auf den hier als Beispiel für Tendenz in den deutschen Medien hingewiesen werden soll. Ich empfehle den Artikel zum Abgleich der Feststellung, dass die deutschen Medien mehr oder weniger plumpe Tendenz berichten im Konfliktthema. Es herrscht durch die gesamte einseitige Darstellung des Schreibers Julian Staib vollkommene Blindheit für die Kollateralschäden der sogenannten Energiewende an Natur und Landschaft. In der Begriffswahl kann man ihm zustimmen: Der Hunsrück ist zur Vorzeigeregion geworden, wie Deutschlands letzte naturnahen Mittelgebirge zum Opfer der Windkraftindustrie werden.

Dass es in diesem Windkraft-Gelobten-Land auch Gegenstimmen gibt, und die Realität anders aussieht als in der Wahrnehmung eines FAZ-Schreibers, sei mit zwei Videos hinterlegt:

Im Gegensatz zur Schönfärberei durch Mainstream-Medien wie der FAZ ist die Realität der Windkraft-Entwertung des Hunsrücks in diesem Video von Gudrun Lahm greifbar. Vermutlich halten GRÜNEN-Politiker vom Zuschnitt Katharina Schulze in ihrer stadtgeprägten Kulisse fernab solcher Verwüstungen diese Bilder eines vorläufigen Endstadiums deutscher „Energielandschaft“ für ‚Montagen“.
Der 200°-Schwenk von Jörg Rehmann (soonmedia) ist selbsterklärend. Das ist die schöne neue Welt der „Energielandschaften“ in die die deutschen Mittelgebirge „transformiert“ werden sollen.

Ein erstes Fazit zur Rolle und zum Stand der Medien im Konflikt Windkraft-Naturschutz:

Am treffendsten umschrieben mit dem Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Allensbach-Institutes aus dem Jahr 2016 im Auftrag der Deutschen Wildtierstiftung: 

Der Zeitgeist ist grün – die Natur bleibt fremd

….Geduld, der Beitrag ist weiter in Bearbeitung…

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