November 28, 2020

Ökologischer Fußabdruck, Überbevölkerung, Earth-Overshoot und CO2 – Gedanken und Fakten zur Überlebensfrage

Kleinbauern verkaufen ihre Produkte auf einem Markt in Rajasthan/Indien. Das Bild entstand 1985. Bis heute ist das Hungerproblem in Indien bei ca. 200 Millionen Unterernährten innerhalb 1,25 Milliarden Einwohnern nicht gelöst. Foto: Wolfgang Epple

Gerechte Verteilung von Land und gerechte Teilung des Zugangs zu lebensnotwendigen Naturgütern ist bis heute in großen Teilen der Erde nicht verwirklicht. In den letzten 20 Jahren begingen über 300 000 indische Bauern Selbstmord wegen Überschuldung. „Viele Produzenten verschuldeten sich für die Anschaffung von modernem, meist genmanipuliertem Saatgut aus dem Hause Monsanto und kauften die zugehörigen Herbizide gleich dazu“, schreibt Franziska Kohlhoff, Referentin bei der Aktionsgemeinschaft solidarische Welt e.V. am 12. Februar 2019… Doch es gibt Hoffnung…. Mehr hier und speziell zu Projekten in Indien hier.

„Heute beginnt erschreckend klar zu werden, dass der biologische Erfolg nicht nur den ökonomischen in Frage stellt, also vom kurzen Fest des Reichtums wieder zum chronischen Alltag der Armut zurückführt, sondern auch zu einer akuten Menschheits- und Naturkatastrophe ungeheuerlichen Ausmaßes zu führen droht. Die Bevölkerungsexplosion (…) nimmt dem Wohlfahrtsstreben das Heft aus der Hand und wird eine verarmende Menschheit um des nackten Überlebens willen zu dem zwingen, was sie um des Glückes willen tun oder lassen konnte: zur immer rücksichtsloseren Plünderung des Planeten, bis dieser sein Machtwort spricht und sich der Überforderung versagt.“ ( Hans Jonas (1979): Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation. 426 S. Insel Verlag, Frankfurt/M; dort Seite 252).

Hatte Hans Jonas recht? Ist die Befürchtung des großen jüdischen Naturphilosophen nach 40 Jahren noch aktuell? Wenn ja – lässt sich diese aktuell durch Fakten stützen? Wenn nein – welche Fakten geben Anlass zur Entwarnung?

Es soll auch der Frage nachgegangen werden: Was unterscheidet die Heuristik der Vorsicht, für die Hans Jonas plädiert, von der Panik-Mache heutiger Klima-Katastrophen-Apologeten? Welche Fakten der sozial-ökologischen Krise sind es, die uns das Fürchten lehren sollten? Ist es so, dass die Menschheit durch gewachsene und immer weiter wachsende Ansprüche und den ebenfalls immer noch wachsenden Bevölkerungsdruck die Grenze der Belastbarkeit des Planeten zumindest in einigen Regionen nicht längst überschritten hat?

Oder können wir das Bevölkerungsthema für die Erde insgesamt schon als gelöst betrachten, weil in einigen Teilen der Erde die Zahl der Kinder pro Frau deutlich zurückgegangen ist, und deshalb die Bevölkerung in diesen Ländern nicht mehr wächst? Auf den seit Jahrzehnten bekannten und beklagten Zusammenhang von aus Ungleichverteilung von Land, Naturgütern, und Ressourcen entstehender Armut und hohen Geburtenraten müsste gesondert eingegangen werden. Die folgende Feststellung des Wirtschaftswissenschaftlers Parta S. Dasgupta aus dem Jahr 1995 gilt leider bis heute („Spektrum der Wissenschaft Magazin“ 01.07.1995):

„Die Daten über den Status der Frau in 79 Ländern der sogenannten Dritten Welt zeigen unmißverständlich, daß hohe Fertilität, verbreiteter Analphabetismus, geringer Anteil an Lohnarbeit und hoher Prozentsatz unbezahlter Hausarbeit miteinander zusammenhängen. Aus der Statistik allein läßt sich kaum erkennen, welche dieser Faktoren hohe Fertilität verursachen und welche lediglich damit statistisch korreliert sind. Immerhin lassen die Ergebnisse die Deutung zu, daß Mangel an Verdienstmöglichkeiten und unzureichende Bildung die Entscheidungsfähigkeit der Frau einschränken und dadurch das Bevölkerungswachstum fördern“

Fallen 230.000 neue Erdenmenschen täglich nicht ins Gewicht, weil dieser Zuwachs überwiegend in armen Regionen stattfindet, und diese Menschen dann, solange sie armutsbedingt einen kleinen Fußabdruck haben, nicht „klimarelevant“ sind, wie es kürzlich bei einem meiner Freunde – er ein Verfechter des Klima-Alarms – anklang? Auch diesen aus dem Tunnelblick aufs Klima entstehenden menschenverachtenden Zynismus gilt es, mit Fakten zu durchleuchten.

Zunächst einige Zahlen zur „Ökologie des Menschen“; u.a. soll hier die Arbeit von William R. Catton , Jr. gewürdigt werden, weil es sehr bemerkenswert ist, dass ein Soziologe die wesentlichen Gedanken zur Humanökologie und zu dem, was heute unter Overshoot verstanden wird, zusammengetragen hat. Es wird auf eine Übersichtsarbeit in deutscher Sprache aus dem Jahr 2000 verwiesen:

Was braucht der Mensch? Die unabdingbaren Bedürfnisse:

Es sind drei Funktionen, die die Tragfähigkeit des Lebensraumes für eine Spezies bestimmen. Dies gilt auch für den Menschen, aufgrund der Globalisierung sind Gesamtbetrachtungen (im Sinne Catton 2000) erlaubt: Die Erde dient als Quelle („Versorgungsdepot“), als Lebensraum und als Senke („Abfallbehälter“). In dieser Betrachtung spielt es keine Rolle, wann endliche Reserven aus dem Depot (z.B. Erdöl) erschöpft sein werden („peak oil“-Prognosen lagen gehörig daneben, und dies wird vorschnell zur „Entwarnung“ benutzt). Es geht um Nachhaltigkeit, deren einzige ökologisch zulässige Definition die Nutzung dessen umfasst, was der Planet in der Gegenwart an Primärproduktion für den Menschen erneuerbar, also „auf Dauer“ bereitstellen kann, was er uns „verstoffwechseln“ lässt, und in der Senkenfunktion wieder aufnehmen, d.h. schadlos „verarbeiten“ und „abbauen“ kann. Zu den Ansprüchen anderer Arten, die den Planeten mit uns teilen kommen wir an anderer Stelle.

„Nachhaltigkeit“ wird im Sinne des hier vertretenen ganzheitlichen Ansatzes als Kreislauf verstanden. Das Ziel: Nicht nachwachsende und nicht erneuerbare Rohstoffe müssen zur Erreichung eines Idealzustandes ebenso wie energieintensive Artefakte vollständig wiederverwertet werden können. Bis jetzt schafft eine solche Nachhaltigkeit nur die Natur mit ihren Stoffkreisläufen – in einem von der Energie der Sonne gestützten offenen System. Insofern ist jeder Rückgriff des Menschen bei der Nutzung von Naturgütern auf in Zeithorizonten des Menschen nicht Erneuerbares nicht nachhaltig, weil diese Ressourcen erschöpfbar sind. Ebenso ist die Erzeugung von Abfällen, die nach heutiger Kenntnis nicht in den Kreislauf entweder des Lebendigen oder der Wirtschaft zur Wiederverwertung zurück gegeben werden können, nicht nachhaltig. Fossile Brennstoffe sind das bekannte Beispiel für nicht nachhaltige Nutzung eines geschichtlich entstandenen Erd-Depots, weil sie ein Rückgriff auf Energievorräte aus der Erdgeschichte sind. Gleichwohl hat ihre Nutzung den entscheidenden wirtschaftlichen Entwicklungs- und Wohlstandsschub in den heutigen Industrieländern verursacht. Auch der Abbau und Verbrauch nicht fossiler, dennoch nicht erneuerbarer Stoffe („Rohstoffe“) ist letztlich nicht nachhaltig, wenn die Produkte nicht in Zukunft vollständig in einer Kreislaufwirtschaft münden. „Plastik“ und viele andere Chemie-Industrie-Produkte bzw. deren Reste, genauso „Abfälle“ aus heutigen Kernreaktoren sind Beispiele für ein weltweit ungelöstes Senkenproblem aus nicht nachhaltigem Wirtschaften. Insgesamt ist das Anwachsen der Artefakte ein Zeichen der menschlichen Kultur, auch und gerade dann, wenn Kultur mit nicht nachhaltiger Entwicklung „erkauft“ ist.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen verfügbarer produktiver Erdfläche und Erfüllung der menschlichen Grundbedürfnissen?

Der Flächenbedarf eines Erdenmenschen für ein nachhaltiges Leben:

Die Tabelle ist entnommen aus Catton 2000 KULTURELLE RÜCKSTÄNDIGKEIT GEFÄHRDET DIE ZUKUNFT, mit der dortigen Anmerkung:
Die Landfläche pro Kopf zur Produktion von Nahrung basiert auf den Acker- und Weideflächen, die nötig sind, um die Diät bereitzustellen, die vom Rat des Präsidenten für die körperliche Gesundheit (President’s Council on Physical Fitness) empfohlen wird, und könnte verringert werden, indem man tierische Produkte weglässt. Die Bereiche der Naturnutzung, inklusive Parks und Erholungsflächen, könnten bei einem einfacheren Lebensstil kleiner sein. (Fette Hervorhebung Wolfgang Epple).

Erinnern wir uns an das winzige Mauswiesel, das bereits die fünffache Fläche, ca. 10 Hektar, als Streifgebiet benötigt? Natürlich hinkt dieser Vergleich, weil uns „moderne Menschen“ kein archaisches „Revier“ oder Homerange mehr eingrenzt. Aber trotz aller Kreativität und Finesse bei der Benutzung der Erde sind wir nicht ganz raus aus dem Spiel der Kräfte, wenn es um unsere Populationsdichte geht.

Die Fakten zur menschlichen „Siedlungsdichte“: Die „Siedlungsdichte“ des Menschen variiert zwischen praktisch 0 (letzte fast „menschenleere“ Wildnisse der Erde) und bezogen auf Staaten fast 20.000 Einwohner pro Quadratkilometer (Stadtstaat Monaco). In den Metropolen der Erde werden „Einwohnerdichten“ von bis zu über 40.000 pro Quadratkilometer erreicht (11. Arrondisement in Paris), und in einem Beispiel in Katalonien (L’Hospitalet de Llobregat) werden in einem Stadtviertel rund 75.000 Einwohner pro Quadratkilometer erreicht.

Der moderne Mensch zeigt damit ein Höchstmaß an Flexibilität und sozialer Toleranz, wenn es um die Besiedlung des Lebensraumes geht. Es versteht sich aber auch von selbst, dass solche Menschenzahlen und solche Ballungen nicht an Ort und Stelle ihren Ressourcenverbrauch stillen können, und dass auch die Senkenfunktion der Erde eine u.U. weitreichende Externalisierung, also die Verbringung der Abfälle und Fäkalien irgendwo hin, voraussetzt. Jede Menschensiedlung braucht ihr (unter Umständen weit entferntes) Umland, „von dem sie lebt“. Diese Erkenntnis ist nicht banal, und sie wird uns bei der Fächenbilanzierung wieder erreichen.

Weltkarte mit Bevölkerungsdichte des Menschen auf der Erde, Stand 2005
Die aus Wikipedia übernommene Karte zeigt eindrucksvoll das sehr heterogene Siedlungsbild der gegenwärtigen Menschheit. Chancen und Risiken für die Situation von Widnissen, für den Erhalt von Lebensräumen als Grundlage der Biodiversität, aber auch Regionen mit Konflikten um fruchtbares Land, Konflikte um Lebensräume zwischen Menschen und des Menschen mit der restlichen Natur sind bereits aus dieser Karte augenfälig. Dass die Ernährung des auf 7,7 Milliarden gewachsenen Kollektives nur mit Austausch und Handel zwischen sebst weit entfernten Regionen gewährleistet werden kann, lässt sich aus dieser Heterogenität ebenfalls erahnen.

Der Ökologische Fußabdruck – Berücksichtigung (nicht nur) des Energiehungers

Bei Würdigung aller Kritik an unvollständigen, vereinfachenden und reduktionistischen Ansätzen ist das von Mathis Wackernagel und William Rees entwickelte Konzept des Ökologischen Fußabdruckes, also das Bild der „Last“ oder des „Druckes“, den der Mensch je nach Lebensstil durch Ressourcenverbrauch, Stoffwechsel und Abfallproduktion auf die Erde bringt, ein hilfreicher Ansatz für die Ergründung der Frage, ob zu viele Menschen auf der Erde leben. Die Ermittlung des Fußabdruckes kann auf Individuen, Gemeinschaften oder ganze Staaten (im Mittel) angewandt werden. Weil in diesen Ansatz auch die Fläche eingeht, die zum „Binden“ des durch menschliche Aktivitäten erzeugten CO2 nötig ist, wird die durch den Menschen beeinfusste Klimaproblematik im Fußabdruck, wie er hier verwendet wird, mit aufgegriffen, ja sogar eher überbewertet. An dieser Stelle kann und soll nicht auf Feinheiten der CO2-Sensitivität des Klimas eingegangen werden. Für die Näherung an die Frage, ob wir Menschen in welcher Form die Erde überlasten, ist der Ansatz jedenfalls erhellend. Die Verfeinerung des Fußabdruck-Ansatzes durch den „Sustainable Process Index“ (SPI), der komplette Stoffkreisläufe berücksichtigt und in den Vordergrund stellt, sei für Interessierte bewusst erwähnt. Das Global Footprint Network liefert weitere Einzelheiten und Projekte. Durch die Ungleichverteilung der Menschen und ihre sehr unterschiedlichen Lebensstile gilt folgende Grafik als einigermaßen gesichert:

1,7 Erden bräuchte die Weltbevölkerung, um ihren aktuellen Lebensstil aufrecht zu erhalten. Deutschland bräuchte sogar drei Erden, die USA ganze fünf Erden. © Welthungerhilfe

Im Moment geht man von einem durchschnittlichen Fußabdruck von ca 2,8 globale Hektar /Mensch – also bezogen auf 7,7 Milliarden aus (s.u., Grafik zu Biokapazität und Fußabdruck).

Der 7,7-Milliarden-Menschheit stehen folgende Flächen zur Verfügung (Zahlen in Milliarden Hektar) (Quelle: P. Buringh und R. Dudal, Agricultural land use in space and time, zitiert in: S. J. Scherr, Soil Degradation. A Threat to Developing-Country Food Security by 2020, IFPRI Discussion Paper No. 27, Washington 1999):

Totale eisfreie Landfläche der Erde13,4 Milliarden Hektar
Genutztes Land8,7 Milliarden Hektar
Potenziell bebaubares Land,
davonmit mittlerer
bis hoher Produktivitätmit niedriger Produktivität 
3,2
1,3
1,9
Aktuelle Nutzung von potenziell bebaubarem Land
für landwirtschaftliche Kulturen
permanente Weideflächen, Wälder, Sträucher 

3,2
1,5
1,7

Fazit durch das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (Stand 2008): Von den 13 Milliarden Hektar Land sind lediglich 3,2 Milliarden potentielles Anbauland, wovon heute aus Gründen der Produktivität weniger als die Hälfte für den Anbau landwirtschaftlicher Kulturen zur Verfügung steht.

Wir können noch 3 Milliarden Hektar ertragreiche Ozeanflächen hinzurechnen, runden die Fläche der produktiven Äcker, Wiesen und Wälder auf 9 Milliarden Hektar auf, und kommen so auf eine Zahl von ca. 12 Milliarden Hektar für den Menschen nutzbare Fläche.

Wir setzen bewusst etwas niedriger an: Wenn der Durchschnitts-Fußabdruck pro Kopf 2,7 globale Hektar beträgt und gewisse Aussagekraft hat, benötigt die jetzige Menschheit ca 21 Milliarden Hektare. Egal, wie wir es drehen und wenden, und wenn wir noch so großzügig rechnen: Alleine bezogen auf die Ansprüche der jetzigen Menschheit reicht der Planet nicht aus. Wir bräuchten die von der Welthungerhilfe aufgeführten 1,75 Erden, um beim – wohlgemerkt – durchschnittlichen Lebensstil aller Menschen der Erde „nachhaltig“ leben zu können.

Wie komplex allerdings die Einschätzung aller Zusammenhänge ist, zeigt sich, wenn wir den Durchschnittsfußabdruck verschiedener Länder pro Person und deren zur Verfügung stehende Biokapazität (jeweils in globalen Hektaren) vergleichen. So ist das extrem dicht besiedelte Indien hinsichtlich des Fußabdruckes seiner Menschen noch ein „Zwerg“ . Dies schlicht, wei die Menschen dort insgesamt im Wortsinne nicht „auf großem Fuß“ leben, in vielen Gegenden noch wenig Fleisch gegessen wird, und Durchschnittseinkommen und Lebensstandard noch niedrig sind. Dennoch ist die Situation ungünstig, weil die biologischen Reserven des Landes pro Person niedrig sind. Dies liegt wiederum an der hohen Bevölkerungszahl. Aus dem Verhältnis von Fußabdruck zu Biokapazität errechnen sich Reserven oder Defizite.

Da diese Feststellungen auf z.T. sehr große Länder bezogen sind, ergeben sich nur grobe Anhaltspunkte zur Situation einzelner Regionen. Aber die Tendenz ist eindeutig: Relativ dichte Besiedlung und sehr hoher „Lebensstandard“ führen zu Defiziten (alle Länder Europas bis auf Skandinavien). Die USA haben zwar eine riesige Naturreserve, aber bedingt durch den hohen Fußabdruck und weiter gestiegene Bevökerung bereits eine negative Bilanz. Länder mit insgesamt geringer Bevölkerungszahl und großen Naturreserven haben noch immer günstige Bilanzen, und dies auch noch bei hohem Lebensstandard mit großem Fußabdruck (Beispiel: Kanada).

In Bezug auf die gesamte Erde und ihre Gesamt-Bevölkerung gilt: Die Biokapazität pro Person sinkt trotz gestiegener Gesamt-Biokapazität (Stichwort: Viele Anstrengungen der Menschheit um Effizienzgewinne, die durch Reboundeffekte zunichte gemacht werden), siehe unter Landwirtschaft! Der Ökologische Fußabdruck ist seit Jahren bei ca. 2,5 bis 2,8 globalen Hektar. Es entsteht seit Beginn der 1970er Jahre ein Defizit

Entwicklung der Biokapazität pro Kopf und Ökologischer Fußabdruck pro Kopf, bezogen auf die gesamte Erde und die gesamte Weltbevölkerung.
Der (leichte) Anstieg der globalen Biokapazität hält nicht Schritt mit dem Globalen Ökologischen Fußabdruck der gesamten Menschheit. Das Defizit wächst.

Das Defizit aus Fußabdruck und Biokapazität schägt sich nieder im „Overshoot“-Tag:

Der Tag, an dem die Menschheit die nachwachsenden Ressourcen des Jahres verbraucht hat, rückt seit den 1970er Jahren immer weiter nach vorne. Die Grafik ist auch Indiz, wann die Menschheit unter dem gewandelten Lebensstil und mit wachsender Kopfzahl die „Tragfähigkeit“ des Paneten für die eigene Spezies überschritten hat. Dies bei aller Vorsicht, wie dieser Begriff auf die menschliche Population angesichts ihrer extremen Ungeichverteilung sowohl des Ressourcenhungers, des Reichtums als auch der Siedlungsdichte (s.obige Weltkarte) „ökologisch“ anzuwenden ist. (Quelle: https://www.overshootday.org).

Selbst wenn wir uns als gesamte Menschheit bescheiden könnten auf die ca. 2 Hektare pro Mensch, die einleitend angedacht wurden, benötigen 7,7 Milliarden Menschen schon über 15 Milliarden Hektare. Wie erwähnt, wäre bei den existenzsichernden Flächen aber noch Luft nach unten: das Weglassen tierischer Produkte…

Schauen wir noch auf die konkrete Situation in unseren Heimatländern in der Mitte Europas:

Das ist die zur Verfügung stehende Fläche pro Kopf, Stand um die letzte Jahrtausendwende. Durch weiteren Bevölkerungszuwachs sind die Zahlen speziell in Deutschland heute schon wieder kleiner geworden. Die Größenordnung aber ist noch aktuell. Die Tabelle ist entnommen aus Catton 2000 . Selbst dann, wenn wir in diesen Ländern so bescheiden sein könnten, dass wir von nur 1 Hektar Mindestfläche pro Person ausgingen, steht uns z.B. in Deutschland immer noch nur die Hälfte zur Verfügung; gerade mal im dünner besiedelten Österreich würde eine solche – ohnehin utopische – Bescheidenheit reichen. In der Realität aber fehlt uns in allen drei Ländern deutlich mehr als nur eine weitere Erde, gemessen an Bevölkerungszahl, Fußabdruck und Biokapazität:

Das Biokapazitätsdefizit der drei Länder: Schweiz 362 %; Deutschland 199%; Österreich 107 % (Fußabdruck größer als Biokapazität).

Die Folge: Wir sind – zumindest für „Genussmittel“ – von der Belegung von Ackerfächen in anderen Teilen der Erde abhängig.

Das konkrete Beispiel Österreich:


Österreichs Belegung von Ackerfläche in den Industrieländern, Asien, Mittel- und Südamerika sowie Afrika durch Importe von Genussmitteln im Jahr 2000. Quelle: ERB ET AL. 2002. Abbildung entnommen aus Erb 2002. Die eigene österreichische Anbaufläche für Brotgetreide ist zum Zeitpunkt der Publikation ca, 260.000 Hektar

Die Frage darf als Fazit gestellt werden: Können fast 83 Millionen Menschen auf der Fläche Deutschlands selbst theoretisch überhaupt auf Dauer nachhaltig leben?…

Gutes Leben auch ohne „Homerange“?

Vom einstigen „Homerange“ oder Stammesgebiet der archaischen Lebensweise unserer Vorfahren ist im Zuge unserer kulturellen Revolution und der Globalisierung also nichts geblieben.

Trotzdem fühlen wir uns in aller Regel nicht oder wenig eingeengt – von prekären Wohnsituationen, die nichts mit der allgemeinen Bevökerungsdichte zu tun haben, einmal abgesehen.

Es überwiegt sogar in vielen Regionen auch in Mitteleuropa das Wohfühlen: Das gilt besonders für Bevölkerungen mit Anschluss an schöne Landschaften und Möglichkeit der Identifizierung. Das sind Landschaften, die – es überrascht nicht – halboffen und zum gewissen Maß bewaldet oder an Seen, Flüssen oder nahe am Meer sind…

Der Grund: Wir nehmen die gesamte Landschaft, in der wir aufwachsen und uns Dank heutiger Rechtsordnung zumindest in großen Teilen der zivilisierten Welt weitgehend frei bewegen können, unter dem Begriff Heimat „in Besitz“. Und wir können durch Ausflüge und Reisen selbst in entfernte Kontinente im Zuge der allgemeinen Beschleunigung unseres Lebens die globalisierte Welt persönlich erfahren. Jeder Vergleich mit unserer einstigen Herkunft ist letztlich überflüssig: Wir haben unser „Streifgebiet“ durch die große Mobilität verglichen mit der archaischen Stufe fast „unendlich“ ausgedehnt. Dennoch ist es nicht so, dass wir ohne zugrundeliegende uns persönlich ernährende und erhaltende Fläche auskommen könnten.

Dort aber, im nicht mehr undedingt direkt spürbaren Zusammenhang ist die Frage nach Knappheit des wichtigsten Gutes der Erde, der primärproduktiven und senkentauglichen Fläche angesiedelt. Die hier aufgezeigten Fakten belegen: Unser Wissen über die „Ökologie des Menschen“ jedenfalls reicht aus, die absehbar am stärktsten auf unsere Zukunftsfähigkeit wirkende planetare Grenze zumindest kognitiv zu erfassen. Welche Lehren und Schritte folgen, steht auf einem anderen Blatt Papier…

Mindestens zwei Fragen schließen sich an:

Die erste Frage: Weshalb ensteht aus Endzeitberechnungen zum CO2-Budget im gegenwärtigen Klima-Alarmismus, die auf insgesamt noch immer unscharfen Rechnungen beruhen, ein so großer Resonanz-Schub, während die reale Pro-Kopf-Verknappung des für den Menschen fruchtbaren, primärproduktiven Lebensraumes ein vergleichsweise geringes Echo hat in Politik und Medien-Mainstream?

Eine Befassung mit dieser ersten Frage benötigt einen Blick auf die Herkunft der herrschenden Klima-Katastrophen-Endzeitstimmung („nur noch xxx Jahre Zeit“ zum Handeln fürs Klima…):

CO2-Budget und Endzeitstimmung – 67 % Wahrscheinlichkeit, „Paris-Ziel“ und die Frage der Gerechtigkeit

Prof. Stefan Rahmstorf ist Klimaforscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Zusammen mit seine Institutskollegen ist er der meist zitierte und auch in den Medien ständig befragte Klimaforscher, wenn es um die Gründe, Ausmaße und Folgen des derzeitigen Klimawandels auf der Erde geht. Wenn hier auf seinen für die Allgemeinheit in einem an die breite Öffentlichkeit gerichteten Periodikum („Spektrum der Wissenschaft“) geschriebenen Beitrag eingegangen wird unter der Überschrift Fußabdruck und Überbevölkerung, soll dies unter dem Gesichtspunkt des hier diskutierten Zusammenwirkens von „westlich-zivilisatorischem“ Lebensstil (hoher Fußabdruck), (geschichtlicher) Bevölkerungsentwicklung und den angeklungenen eingeschränkten zukünftigen Möglichkeiten (knapper fruchtbarer Boden) geschehen. Weil die Stoßrichtung des Schaffens der Kimaforscher in Potsdam seit Jahren politisch ist, werden politisierende Originalzitate des Beitrages vom 01. April 2019 verwendet: Hier die Überschrift

„Wieviel Kohlendioxid bleibt Deutschland noch? Klimaforscher Stefan Rahmstorf rechnet vor, wie man unter zwei Grad bleibt: Es wird schwer – aber unmöglich ist es auch nicht.“

Stefan Rahmstorf bezieht sich auf eine Tabelle des Sondergutachtens des Wetklimarates (IPCC „Intergovernmental Panel on Climate Change“) 2018 zur Einhaltung eines 1,5 Grad-Zieles der Erderwärmung. In dem BLOG: „KlimaLounge“ von SciLogs („Spektrum der Wissenschaft“) wird das Rechenbeispiel von Rahmstorf mit teilweise gleichem Text wie im SdW-Beitrag konkret anhand jener IPCC-Tabelle hinterlegt:

Ab Anfang 2018 verbleibendes CO2-Emissionsbudget, um unter einer bestimmten Erwärmungsgrenze zu bleiben. Lesebeispiel: um mit 67% Wahrscheinlichkeit unter 1,5 Grad zu bleiben, können wir ab Anfang 2018 noch 420 Milliarden Tonnen in die Luft blasen. Ab Anfang 2019 sind das nur noch 380 Milliarden Tonnen, da jährlich rund 40 emittiert werden. Quelle: IPCC SR15, Tabelle 2.2

Die zentrale Grafik des Spektrum-der-Wissenschaft-Beitrages, mit Original-Bildunterschrift des Verfassers:

© STEFAN RAHMSTORF / CO2-EMISSIONEN IN DEUTSCHLAND / CC BY-SA 4.0 CC BY-SA (AUSSCHNITT)
Kohlendioxidausstoß in Deutschland | Grün: Emissionen bis 2018 nach Zahlen des Umweltbundesamtes (für 2018 habe ich denselben Wert wie 2017 veranschlagt, da die Zahl noch nicht veröffentlicht ist). Blau: exemplarische lineare Emissionsminderung, die einem fairen Beitrag Deutschlands zu den Paris-Zielen entsprechen könnte.

Die Folgerung Rahmstorfs, eine Endzeitberechnung mit Kommentierung der Politik der Bundesregierung:

„Die jährliche Minderung liegt bei rund 6 Prozent der heutigen Emissionen.“

„(…) Ab dem Jahr 2036 dürfen wir nichts mehr emittieren! Spielraum für Emissionen danach kann man sich nur erarbeiten, indem man dafür anfangs schneller reduziert – zum Beispiel durch Abschalten von Kohlekraftwerken – oder durch negative Emissionen, denn relevant sind ja die Nettoemissionen. Ich kann nicht erkennen, wie die Pläne der Bundesregierung – nach denen wir selbst 2050 noch nicht bei Nullemissionen sind – mit dem Pariser »deutlich unter 2 Grad« vereinbar sind. Geschweige denn, wie sie die in Paris versprochenen Anstrengungen umsetzen, die Erwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen.(…)“

Was lösen die Berichte des Weltklimarates aus? Was lösen solche politisch scharfmachende Statements aus? Es ist bei Laien die Vorstellung einer exakt bemessbaren „Endzeit“ die noch bleibt, um die CO2-Emissionen auf „null“ zu fahren oder gar ins Negative zu drehen.

Der Hinweis auf die 67 %-Wahrscheinlichkeit des „Szenarios“ wird im Katastrophen-folgernden öffentlichen Klima-Alarm (bewusst oder aus kognitivem Mangel?) nicht genug berücksichtigt, wenn z.B. in der Hassrede Greta Thunbergs vor den UN gerade auf (wohlgemerkt schein-exakt) feststehende Restbudgets abgehoben wird und die Mainstream-Medien entsprechend verkürzt und reißerisch berichten. Zum möglicherweise kognitiven oder bewusst Tatsachen verschweigenden Mangel der öffentlichen Darstellung ist auch die in den Klima-Alarm-Kreisen ständig aus der dort gepflegten Gleichsetzung von Ausbau Erneuerbarerer Energien und „Klimaschutz“ erhobene Forderung nach 100 % Erneuerbaren Energien zu nennen, weil mit dem Ausbau speziell der Windkraft ein zunehmend ernster Zielkonflikt mit dem Erhalt der Biodiversität einhergeht. Die Klima-Alarm-Behauptungen gehen inzwischen so weit, dass die „Klimaziele“ angeblich verfehlt würden, wenn die Windkraft in Deutschland nicht um das fünf- bis sechsfache ausgebaut werde, und entsprechende Katastrophen dann unausweichlich würden. Volker Quaschning, Ingenieurwissenschaftler und Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, tut sich seit Jahren mit solchen naturvergessenen Forderungen hervor, die er auch in den Straßen-Protest hineinträgt. Eine Würdigung auch der Folgen solcher Aussagen finden Sie hier.

Das „Mercator Research Institut on Global Commons an Climate Change“ (MCC) betreibt in Folge der IPCC-Berichte eine „CO2-Uhr“, und man kann live verfolgen, wie sie tickt, um das 2,0 Grad- oder 1,5-Grad Ziel der Begrenzung der Erderwärmung einzuhalten. Der IPCC-Sonderbericht SR1.5 wurde dort eingearbeitet. Zur beim MCC gepflegten wissenschaftlichen Redlichkeit, die ausdrücklich herausgestellt werden soll, gehört folgender Hinweis (fette Hervorhebung Wolfgang Epple):

„(…)Mit der Aktualisierung der CO2-Uhr des MCC auf Grundlage des IPCC-Sonderberichts geht zugleich eine technische Veränderung einher: Bisher hatte der Weltklimarat die Größe des Budgets in Form von einer geringeren (33 prozentigen), einer mittleren (50 prozentigen) und einer hohen Wahrscheinlichkeit (66 prozentigen) abgebildet. Im Lichte der neuen Erkenntnisse sprechen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun davon, dass das errechnete Budget von 420 Gt für das 1,5-Grad-Ziel mit 66 Prozent der untersuchten Szenarien erreichbar ist. Damit werden Unsicherheiten verlagert: Weg von der Wahrscheinlichkeit, das Temperaturziel einzuhalten – und hin zu der Wahrscheinlichkeit, dass die Modelle das Ziel einhalten.  Auch wenn die CO2-Uhr eine präzise Messung der verbleibenden Zeit für aktiven Klimaschutz suggeriert, so bleiben doch viele Unsicherheitsfaktoren bestehen, die sich unter anderem aus unterschiedlichen Definitionen des 1,5°C-Ziels, unterschiedlichen Annahmen über die Klimasensitivität (Anm. WE: des CO2) und den Grad der bisherigen Erwärmung sowie der zukünftigen Entwicklung anderer Treibhausgase ergeben. Weiterhin ist der Berechnung zugrunde gelegt, dass die jährlichen Emissionen auf dem Niveau von 2017 verharren, während die neuesten Zahlen zeigen, dass die Emissionen immer noch steigen. (…)“

Gerade dann, wenn alle Voraussetzungen für „exakte“ Naturwissenschaften in der Reduktion wesentlicher Klima-Fragen auf CO2 vorlägen und nicht verletzt würden und man die Unschärfen der Berechnungen wissenschaftlich redlich einliest – wovon ich hier nur mit diesem Vorbehalt ausgehe , ist die direkte politische Agitation von Wissenschaftlern, die im Stile von Volkstribunen bis hinein in den Klima-Straßenprotest führt, doch mehr als fragwürdig (Epple 2019). Dies insbesondere, wenn diese Agitation zum Generationenhass anzettelt und zu hektischem politischem Aktionismus hinsichtlich der sogenannten Klimaschutz-Maßnahmen führt.

Auch der im Grunde von Stefan Rahmstorf sehr zu Recht aufgenommene Aspekt der globalen Gerechtigkeit bei der Verteilung des CO2-Kuchens, Zitat:…

„Welcher Anteil von diesem begrenzten Emissionskuchen steht Deutschland zu? Das ist keine Frage der Wissenschaft sondern der Gerechtigkeit. Steht uns Deutschen einfach mehr als anderen zu, weil wir schon reich und industrialisiert sind? Wohl kaum. Bestenfalls können wir von diesem Restbudget den Anteil beanspruchen, der unserem Anteil an der Weltbevölkerung entspricht. Also 1,1%.“

….verweist dennoch auf die Frage, ob die erkennbar entstehende Endzeitstimmung gerechtfertigt ist.

Sollten andere Fragen sowohl der Gerechtigkeit als auch der Virulenz beim Aufbrauchen des (im Gegensatz zu scheinbar exakt“berechneten“ CO2-Budgets) real vorhandenen Natur-Guthaben-Depots unseres Heimatplaneten nicht mindestens ebenso stark in den Focus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt werden, anstatt den Diskurs fast ausnahmslos auf CO2-Schädlichkeit zu reduzieren?

Warum wird in den Medien nicht mit ähnlich starker Penetranz über andere, weit fortgeschrittene Überschreitungen planetarer Grenzen für die „Nachhaltigkeit“ berichtet?

Dies führt noch einmal zurück auf die Nutzung und Devastierung real nicht vermehrbarer Naturgüter, konkret: zu Siedlungsdichte und zur Verfügung stehender Lebensraum für den Menschen:



Die Entwicklung der Bevölkerungszahl in Deutschland,
1500–2000. (Quelle: Ehmer 2004; Pfister 2007;
Statistisches Bundesamt 2012; Quelle der Grafik: https://studlib.de/5435/sozial/bevolkerungszahl

Wir erinnern uns an die Überlegungen und Voraussetzungen zur Primärproduktion des Planeten, die auch für die deutsche Erdoberfäche nicht außer Kraft sind. Und wir beziehen uns wie Stefan Rahmstorf auf ein Restbudget für Deutschand. Das Budget eines sehr realen Naturdepots: die den Menschen zur Verfügung stehende Fläche:

•Zur Erinnerung: Pro Kopf-Flächenbedarf des Menschen im Erd-Mittel. Ca. 2 ha, etwa die Fläche von vier Fußballfeldern; dies ist entspricht jener Mindestanforderung für das „gute, nachhaltige“ Überleben eines Menschen. •In Deutschland (357.578 qkm) stehen jedem der derzeit 82,79 Millionen Menschen ca. 0,43 Hektar Staatsfläche zur Verfügung. Davon gehen die überbauten, betonierten, asphaltierten Flächen für die Primärproduktion und Senkenfunktion noch ab. Die „ökologisch“ voll funktionsfähige Fläche ist also noch kleiner. Würden wir jedem Deutschen ca 2 Hektar „Überlebensfläche“ zugestehen wollen: Für nur ca. 18 Millionen Menschen wäre ein „ökologisch“ angemessenes Flächenangebot vorhanden. •Nicht ganz ohne Grund betreiben wir aus der Mitte Europas heraus seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nach Beginn des rasanten Bevökerungsanstieges, die Externalisierung eines Teils der Bedürfnisbefriedigung. Diese Externalisierung blieb auch dann in gewissem Maße erhalten, obwohl chemische Dünger und Effizienzsteigerung inzwischen enorme Produktivitätszuwächse in der Landwirtschaft gebracht haben. Die Frage der „Nachhaltigkeit“, also des auf Dauer schadlosen Nutzens der Erdreserven ist mit Blick auf diese Zahlenspiel und die Debatten um das Thema aktuell wie nie.

Stefan Rahmstorf stellt in seinem Beitrag zur gerechten Verteilung von CO2-Budgets fest (fette Hervorhebeung Wolfgang Epple): „Dann muss man noch fragen: Wann wird der Kuchen verteilt? Manche Entwicklungsländer argumentieren, spätestens seit die Folgen des Klimawandels allgemein bekannt sind (also etwa seit dem ersten IPCC-Bericht von 1990), müsste jeder Verantwortung für seine Emissionen übernehmen; das 1990 noch vorhandene Emissionsbudget müsse also gerecht aufgeteilt werden. Das Problem: Dann hätte Deutschland längst mehr als seinen Anteil verbraucht. Wir emittieren auch derzeit noch doppelt so viel, wie unserem Bevölkerungsanteil entspricht. (Anmerkung WE: Diese Relation wird bei jeder Gelegenheit von der „Klimakanzerin“ Angela Merkel nachgesprochen). Und nach den kumulativen (also Gesamt-)Emissionen liegen wir auf Rang vier aller Länder – hinter den USA, China und Russland. Seien wir daher großzügig zu uns selbst und nehmen den Abschluss des Pariser Abkommens als Zeitpunkt, verteilen also das Anfang 2016 noch vorhandene Restbudget.“ (…)

Wann stellt sich die Öffentlichkeit unserem längst vollzogenen Overshoot in Sachen Fläche und Belastung des eigenen Lebensraumes? Wann stellt sie sich endlich diesbezüglich Fragen? Wo bleibt der dem Klima-Alarm vergleichbare Medien-Hype zum Flächenverbrauch? Und wo bleiben die jungen Weltrettung- und Klima-Aktivisten, wenn es um Natur- und Landschaftsschutz als Voraussetzung des Erhalts der letzten wertvollen Reste unserer Natur geht?

Fakt ist: Wir haben gemessen an Bevökerungszahl und Lebensstil die uns für globale Gerechtigkeit zur Verfügung stehende Fläche seit mehr als Hundert Jahren „verbraucht“. Mehr noch: Wir benötigen aktuell die drei- bis vierfache Fäche. Wir benutzen Fächen in anderen Ländern, auf Kosten dortiger Menschen und zu Lasten dortiger Natur. Was müssten wir tun?

Die zweite, nicht abschließende Frage schließt sich nun unmittelbar an, sobald wir über den Tellerrand des anthropozentrischen und egoistischen Nutzendenkens hinausschauen und die Klima-Frage wenigstens versuchen, einzuordnen:

Was bedeutet es für eine ganzheitliche Sicht des Naturschutzes, wenn in die hier aufgezeigten Überlegungen zum verbrauchten Lebensraum die Ansprüche außermenschliche Lebens, das diese Erde mit uns teilt, eingehen? Wenn im ethischen Sinne das Lebensrecht anderer Spezies noch mit berücksichtigt werden soll? Dies vor dem Hintergrund der zum Teil enorm großen und oft sehr speziellen Lebensraumansprüche der uns (noch) begleitenden Fauna und Flora?

Wieviel Platz in welchen Bedingungen müssen wir für ein gerechtes Teilen zwischen Mensch und Natur den anderen Lebewesen (übrigens einschließlich unserer „Nutztiere“ ) zugestehen? Hier schließt sich der bedrohliche Wirk-Kreis aus Überbevölkerung und Fußabdruck.

Was wäre eine Erde ohne Wildnis, ohne die unermessliche Vielfalt des wilden Lebens, der Schönheit und Eigenart der Widtiere, der Pflanzen. Reicht es, unseren Nachfahren nur noch museale Schaustücke in zu kleinen Reservaten zu hinterlassen?

Die allgegenwärtige Panik-Mache der Klima-Alarmisten und der Tunnelbick auf das IPCC-CO2-Budget jedenfalls reichen auch in Summe trotz etlicher umfänglicher Vorschläge in dessen Berichten nicht heran an die in Tiefe und das Format angemessener auch an die Moral appellierender Antworten, wie sie Hans Jonas in der von ihm formulierten Heuristik der Vorsicht und der Sprengung der anthropozentrischen Hülle in seiner Verantwortungsethik vorausgedacht hatte.

Besonders zweischneidig: Die Klimaberichte bewirken Panik. Ist das gewollt, Kalkül? Wie die Agitation in Folge der IPCC-Berichte und der aus ihr folgende Polit-Aktionismus zum „Klimaschutz“ belegen, ist Angst der schlechteste Ratgeber, wo kühler Kopf, ruhige Hand und der Blick auf das GANZE (einschließlich der Unzulänglichkeiten der Conditio humana) gefragt wären (vgl. Epple 2017).

Wir werden an verschiedenen Stellen dieser Seiten Antworten versuchen. Bevölkerungsexplosion und Fußabdruck verweisen wieder auf den zentralen Schwachpunkt unserer Gegenwart: Menschlichkeit und gerechte Teilung. CO2-Emissionen und Klimawandel als aktuell wichtigste Überlebensfrage der Menschheit über Panik-Mache in den Vordergrund zu spielen, ist aus einer ganzheitlichen Sicht des Naturschutzes und für die Bewahrung unserer (auch wirtschaftlichen) Lebensgrundlagen zu kurz gesprungen. Der Hype um das Klima erdrückt nicht nur den Naturschutz (Epple 2017). Er birgt erkennbar die Gefahr, das rechte Maß für sorgfältige Abwägung zu verlieren.

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