Juni 1, 2020

Klimawandel und „Klimaschutz“: Anlass für Abrechnung und Hass oder Appell an Konsens und Gemeinsamkeit?

Der niemals Ehrfurcht empfunden hat, wird sie auch niemals erwecken.   Fähigkeit ruhiger Erwägung — Anfang aller Weisheit, Quell aller Güte! Marie von Ebner-Eschenbach, mährisch-österreichische Schriftstellerin und Humanistin (1830-1916)

Die Ehrfurcht allein, indem sie uns ein „Heiliges“, das heißt unter keinen Umständen zu Verletzendes enthüllt (…), wird uns auch davor schützen, um der Zukunft willen die Gegenwart zu schänden, jene um den Preis dieser kaufen zu wollen. (…) Ein degradiertes Erbe wird die Erben mit degradieren. Hans Jonas, (1979,. S.393) in „Das Prinzip Verantwortung“.

Bewusst sind diese Zitate zur Ehrfurcht, Güte und ruhiger Abwägung an den Beginn dieser Seite gestellt.

Denn die gegenwärtige Diskussion um den Klimawandel und seine Ursachen und Folgen ist nicht gekennzeichnet von Ehrfurcht, Güte, oder gar ruhiger Erwägung.

Die öffentliche Darstellung einer drohenden „Klimakatastrophe“ mündet inzwischen in einen in der Geschichte des Journalismus beispiellosen medialen Hype. Dieser macht differenzierte Wortmeldung zu den Themen rund um den Klimawandel beinahe unmöglich. In einer hysterisch agierenden Mainstream-Journaille werden skeptische Wortmeldung und vom Klima-Alarmismus fundiert abweichende Beiträge systematisch ausgegrenzt, stigmatisiert oder als politisch „rechts“ diffamiert (Epple 2017). Das gilt auch für kritische Wortmeldungen zu den inzwischen nicht mehr übersehbaren Auswüchsen der sogenannten Energiewende.

Thunberg: „Wir jungen Menschen erkennen, dass ihr uns verraten habt”

„Wir jungen Menschen erkennen, dass ihr uns verraten habt. Die Welt wacht auf. Die Veränderung kommt, ob ihr es wollt oder nicht."Greta Thunberg rechnet in einer wütenden Rede beim UNO-Klimagipfel mit der Politik ab. Sie wirft den Regierungen der Welt vor, beim Klimaschutz zu versagen – und kämpft mit den Tränen:

Gepostet von Zeit im Bild am Montag, 23. September 2019

Die Rede der jungen der „Klimaaktivistin“ Greta Thunberg vor den UN im September 2019 (Quelle „Zeit im Bild“) strahlt nicht nur Wut aus, wie die übereinstimmende Perzeption besonders in deutschen Medien vermitteln wollte, die insgesamt den Hype um den Klimawandel und Greta Thunberg reißerisch vertiefen. Körpersprachlich und in der Mimik werden erschreckender Hass („we will never forgive you…“) und eine eklatante Missachtung der älteren Generationen deutlich, die hier transportiert werden. Ganz vergessen wird in der medialen Resonanz, die in der Rede nachgesprochenen Zahlen zum CO2-Budget auf ihre wissenschaftliche Absicherung zu hinterfragen. Eine der Quellen für das Nachplappern einer Endzeit durch Greta Thunberg sind Berechnungen und Statements aus dem PIK, Stefan Rahmstorf, im Original hier. Einen eher redlichen Umgang mit Unsicherheiten hinsichtlich scheinbar exakter CO2-Budgets finden Sie z.B. hier.

Das im Grunde sehr zu unterstützende Anliegen junger Menschen, die Erde als unseren Heimatplaneten zu retten, wird durch den Tunnelblick und die Verengung auf nur eines der vielen Kennzeichen der umfassenden sozial-ökologischen Krise und den abstoßenden Hass gegen die Alten aus solchen Auftritten heraus selbst beschädigt. Wer auch immer der jungen Aktivistin Reden schreibt oder sie mit ihr einstudiert, tut ihr und dem Anliegen keinen Gefallen.

Hassreden zeigen Wirkung – speziell im Zusammenhang mit Greta Thunbergs Auftritten in der Abwertung der älteren Generation, auch wenn diese Abwertung angeblich unschuldig „satirisch“ verpackt ist. Urteilen und genießen Sie selbst den Meilenstein, den der öffentlich-rechtliche WDR geliefert hat, und achten Sie bitte auf die Wirkung der letzten den Kindern in den Mund gelegten Worte mit dem Original in Thunbergs Hassrede (s.o.)…:

Der WDR hat das Video aus dem Netz genommen. Dies angesichts der sehr zwiespältigen, überwiegend ablehnenden öffentlichen Reaktion. Einen vielsagenden Ausschnitt aus der Debatte über die vorgebliche „Satire“ liefert focus.de.

Gebaren und erkennbare Hybris eines von den Medien zur neuen „Jugendbewegung“ hochstilisierten Straßen-Protestes, ausgehend von einer elitären, urban-saturierten und erkennbar partei-politisch gesteuerten Gruppierung („Fridays for Future“), ist das Gegenteil dessen, was als Grundlage des ganzheitlichen Naturschutzes aufgefasst werden muss: Gerechtigkeit bereits innerhalb der anthropozentrischen Umhüllung. Gerechtigkeit, die sich auch und gerade auf den Umgang zwischen den Generationen und der Generationen untereinander und auf folgende Generationen beziehen und erstrecken muss.

Generationengerechtigkeit ist keine Einbahnstraße in die Zukunft. Zu ihrer Herstellung gehört die berechtigte Kritik an Fehlern und Versäumnissen der Vorfahren genauso wie das Würdigen des durch sie für ein gutes Leben der Menschen Erreichten. In der hier tangierten Friedens-, Umwelt- und Naturschutzfrage gehört zur Gerechtigkeit besonders auch Würdigung und Respekt für die Bemühungen derer, die mit dem Anliegen des Weltfriedens und des altruistischen Naturschutzes immer in der Minderheit waren, und trotz schierer Aussichtslosigkeit weltweit und sehr oft ehrenamtlich für dieses Anliegen eingetreten sind. Würdigen und Respekt setzt Lernen statt fanatisiertem Nachsprech von Parolen voraus, ebenso sorgfältige Erwägung und – eben – Ehrfurcht auch vor dem kollektiven, über Generationen erworbenen Wissen.

„Klima“-Demonstration mit kennzeichnenden Plakat-Hinweisen auf „Notstand“ (Emergency) und auf den die Zukunft killenden Kapitalismus. Foto: Pixabay „Geklaute Zukunft“, „Zerstörte Kindheit“ sind Schlagworte unter vielen ähnlichen, mit denen Unversöhnlichkeit gegen die älteren Generationen signalisiert wird. Ist die Kritik am naturfressenden Wirtschaftssystem und am ökonomischen Mythos vom Wachstum noch so berechtigt, mit dem kritiklosen Nachplappern und Glauben einseitiger und auf die CO2-Problematik reduzierter Weltrettung-Propaganda, mit dem nachweislichen Andienen der Anführer von „Fridays for Future“ an den ökoindustriellen Komplex der sogenannten Erneuerbaren Energien (siehe Auftritt der „Klima-Aktivistin“ Leevke Puls beim BWE am 23.05.2019), mit der eindeutigen Affinität und teilweiser Personalunion der Protest-Wortführerinnen mit der Partei Bündnis90/die GRÜNEN ist die Mitnahme einer Mehrheit der Gesellschaft so gut wie ausgeschlossen. Daran kann auch der all-freitägliche Medienpush nichts grundsätzlich ändern.

Die „Aktivistinnen“ und Pro-Windkraft-Agitatorinnen vom Zuschnitt einer Leevke Puls werden auch in führenden deutschen Printmedien „transportiert“. Hier als Beispiel die„Zeit“ vom 13. März 2019. Bereits die Dachzeile geht in Richtung Generationenkonflikt, weist die Schuld zu und suggeriert Tendenz:

KLIMASCHUTZ: PAPA, FÜHLST DU DICH SCHULDIG?“ „JA. DAS IST EIN SCHEISSGEFÜHL

Interview:  Moritz Aisslinger und  Hannah Knuth

Ist die Klimakrise ein Generationenkonflikt? Ein Streitgespräch zwischen Jugendlichen und ihren Eltern Am Tisch sitzen Isabel Renninger, 41, und ihre Tochter Luna, 16. Daneben Jan Puls, 48, und seine Tochter Leevke, 18, die gerade Abitur macht…

Es gibt vereinzelt (noch) eine vom medialen Mainstream sich abhebende fundiert kritische Auseinandersetzung mit Auftreten und Sprache der „Jugendbewegung“ in der deutschen Öffentlichkeit.

Deutlich wird z.B. ein Gastkommentar des Politikwissenschaftler und Extremismus-Spezialisten Prof. Alexander Straßner, der sich am 11.07.2019 in der „Welt“ mit „Fridays for Future“ befasst. Ein Auszug:

„(…)Aktivisten wie Luisa Neubauer und Greta Thunberg glauben, von vornherein im Recht zu sein – weil sie für das Gemeinwohl kämpfen. Andersdenkende dämonisieren sie, Kompromisse lehnen sie ab. Jede Diskussion wird so unmöglich. (…) Vertreter der Klimaschutzbewegung nehmen für sich in Anspruch, aus Gemeinwohlgründen zu handeln. Das mag gut klingen und vielleicht sogar altruistisch motiviert sein. Befeuert von Klimageografen, die mitunter eine kritische Distanz zu ihrem Forschungsfeld vermissen lassen, werden Wissenschaftler als Heilige betrachtet, solange sie die eigenen Standpunkte teilen. Andere Forschungsergebnisse werden in der gleichsam religiösen Logik als Häresie betrachtet. An die Stelle der Argumentation tritt die Dämonisierung. Die Abwertung des Gegenübers etwa als „alter, weißer Mann“, den man nicht brauche, so die „Fridays for Future“-Aktivistin Luisa Neubauer, ist mehr als ein Hilfeschrei der Jugend. Es ist ein Vorbote von extremistischen Denkformen.(…)“ 

Wer sich kritisch zu „Fridays for Future“ äußert, kann persönlich die Erfahrung von Ausgrenzung machen. Und er läuft in Deutschland Gefahr, als politisch inkorrekt, „rechts“ oder schlicht als Zukunft-Verweigerer geoutet und wegsortiert zu werden.

Tendenz und Gewichtung haben längst auch Niederschlag gefunden in der Darstellung und Berücksichtigung von Persönlichkeiten bei „Wikipedia“, das etlichen „Klima-Aktivisten“ ohne erkennbar bemerkenswerte Vita oder wissenschaftliche Leistungen umfangreiche Auftritte ermöglicht. Man vergleiche etwa Umfang und Inhalte der Seite zu Luisa Neubauer („FfF“) mit den Wikipedia-Darstellungen von führenden Umwelt-Ethikern Deutschlands: Prof. Dr. Martin Gorke, Prof. Dr. Konrad Ott

Die völlig einseitige Wahrnehmung der Bewegung „Fridays for Future“ schlägt sich auch in den Publikationen klar positionierter Institute nieder. Dies ist nicht überraschend, sind doch die Urheber der Endzeit-Stimmung rund um CO2 und die Treibhausgase gleichzeitig auch Trittbrettfahrer des Straßenprotestes, der die Gesellschaft offensichtlich gezielt spalten will. Wörtliches Zitat aus der Publikation des PIK zu „Gesellschaftlichen Kippmechanismen für die Stabilisierung des Klimasystems der Erde“: „ One possible transformative pathway that has recently started to materialize has been initiated within the education system by school children who started the climate strikes #FridaysForFuture. The movement is causing “irritations” in personal worldviews and thus might be changing peoples’ norms and values and the ways of thinking and acting, possibly leading to changes in policies and regulations, infrastructure development, as well as individual consumption and lifestyle decisions. For example, as a result of the massive school student protest in Germany, even the traditionally climate-conservative parties recently started to address climate change issues in their programs 

(…)weiter wird in der Publikation formuliert: „„…We call on both social and natural sciences to engage more intensively in collaborative interdisciplinary research to understand rapid social transformations, STEs (Anm. WE: „Social Tipping Elements), and their interactions with tipping elements in the Earth system….” 

Offenbar nehmen die Autoren des PIK nicht wahr, dass in der Realität alleine am naturschädigenden Ausbau der Windkraft in Deutschland bereits ein – inzwischen durch die Agitation der Anführerinnen von FfF vertiefter – erheblicher Riss durch die Gesellschaft geht, und sehr wohl wissenschaftlich fundierte Gegenrede (Epple 2017) existiert. Die Diffamierung der Kritik an der Energiewende aber wird unter anderem gespeist aus einseitiger Aufarbeitung und CO2-Tunnelblick des führenden Einsage-Institutes der Bundesregierung für den gesellschaftlichen Wandel…

Dass die Endzeitberechnungen (s. S. Rahmstorf, aufgearbeitet hier) zum CO2-Budget neben Generationenhass auch zu kognitiven Defiziten führen, zeigt der Auftritt der „Fridays fo Future“-Anführerinnen beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos 2020. Focus.de liefert die Übersetzung der Peinlichkeit gleich mit:

„2020 ist das letzte Jahr, das uns bleibt, um eine Erderwärmung von mehr als 1,5 Grad Celsius zu verhindern. Es muss dieses Jahr passieren. Und wir verlangen, dass dieses Jahr gehandelt wird, weil es das letzte Jahr ist, das wir haben, um die 1,5-Grad-Marke nicht zu überschreiten laut IPCC.“ erzählte Luisa Neubauer. Darauf warf Greta Thunberg ein „Ich möchte hinzufügen: Natürlich ist es nicht das letzte Jahr, das wir haben.“ Darauf hin ruderte Neubauer zurück: „Ja, es ist nicht letzte Jahr für Klimaschutz, bitte schreiben Sie das nicht auf… Wir brauchen Klimaschutz zu jeder Zeit.“

Hier das Video zum denkwürdigen Auftritt:

Auch von den Mainstrem-Medien aufgegriffen: Luisa Neubauer (die deutsche „Fridays for Future“-Anführerin und „Nachfolgerin“ Greta Thunbergs) verfängt sich im selbsterregten und selbstinszenierten Endzeit-Alarmismus hinsichtlich des Klimawandels. Die offensichtliche kognitive Überforderung der letztlich fachfremden Jugendlichen scheint von den Medien insgesamt kaum wahrgenommen zu werden.

Im Blick auf einen ganzheitlichen Ansatz zum Naturschutz, der auf „erledigten Hausaufgaben“ des Zwischenmenschlichen fußen muss, kann den fanatischen, eschatologisch angehauchten und autoritären Tendenzen der Klima-Aktivisten nur die Pflege eines redlichen, faktenbasierten Diskurses und damit einhergehend der Wille zur Aussöhnung entgegen gestellt werden, denn:

Umfassende Bedrohung erfordert Konsens statt Spaltung

Die Reaktion heutiger Staatengemeinschaften und letztlich des gesamten Menschheitskollektives auf die umfassende Bedrohung des GANZEN, zu der als ein Aspekt unter vielen der Klimawandel gerechnet werden muss, ist dringend, wie eine neue Übersichtsstudie in „Science“ eindrucksvoll und mahnend nahelegt.

Diese Reaktion kann nicht in einer zusätzlichen Spaltung der Gesellschaften und schon gar nicht im von FfF und Einsagern geschürten Generationenhass liegen.

Die Haupttreiber der umfassenden sozialökologischen Krise und insbesondere der Bedrohung der Vielfalt des Lebens sind die weitere durch Bevölkerungsdruck ausgelöste Landnahme des Menschen, Landnutzungswandel, direktes Eindringen in vorher ungestörte Lebensräume (auch der letzten Indigenen), Jagd und Wilderei, Übernutzung des Kulturlandes durch industrielle Landwirtschaft, Überfischung, Zersiedelung und Versiegelung von primärproduktiven Flächen, Abholzung der Wälder und Giftstoffeinträge, u.v.m… Der Klimawandel spielt als Treiber mit, zukünftig sicher verstärkt, ist aber nach wie vor und noch lange nicht nicht entscheidend, wie zusätzlich eine weitere Studie in „nature“ belegt. Pauschale Verächtlichmachung und Herabwürdigung der Lebensleistung der eigenen Vorfahren ist daher in jeder Hinsicht, insbesondere auch mit Blick auf das GANZE eine unangemessene Reaktion.

Konsens der Gemeinschaft aller Menschen also wäre nötig. Diesen Konsens und anschließendes gemeinsames Handeln aus Überzeugung gewinnt man nicht durch Hassreden, durch Ausgrenzung von Skepsis, durch Niederbrüllen Andersdenkender oder Häme gegen die Alten, denen man unterstellt, sie hätten die Welt nur angezündet und seien zur Änderung und Einsicht nicht fähig oder bereit.

Die in der Gegenwart immer stärker grassierende und sehr wohl klimarelevante Tropenwaldvernichtung fand bereits 1990 auf den Titel von „Spektrum der Wissenschaft“ (deutsche Ausgabe des Scientific American). Es war das Heft 6/1990.
Es kann nicht die Rede davon sein, dass Menschen der Generationen vor Greta Thunberg und „Fridays for Future“ nicht gemahnt und gekämpft hätten, und sich nicht um Lösungen regionaler wie globaler sozial-ökologischer und brennender Probleme bemüht hätten. Dabei wurde selbstverständlich auch fundierte Kritik am naturfressenden und die Existenz von Menschen (nicht nur) in der „Dritten Welt“ gefährdenden Wirtschaftssystem geübt. Das Titelbild stammt aus dem Archiv Wolfgang Epple, damals Abonnent von „Spektrum der Wissenschaft“.

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