Juli 29, 2021

Ansiedlung des Weißstorches in Außernzell – eine kleine Naturschutz-Erfolgsgeschichte

Ein Sprichwort sagt: Tue Gutes und rede darüber. In einem beglückenden Falle reihe ich eine Geschichte aus dem eigenen Leben unter den positiven Beispielen ein.

Der Hintergrund: In Außernzell, unserer wunderschönen Wahlheimat, haben noch nie Weißstörche gebrütet, jedoch:

Im Jahr 2019 hat ein Paar versucht, auf einem Baukran ein Nest zu errichten, und scheiterte mit diesem Versuch.

Die Nisthilfe wurde, nachdem uns dieser vergebliche Ansiedlungsversuch im Jahr 2019 ein Jahr später bekannt geworden war,  von meiner Frau und mir der Gemeinde als Einstandsgeschenk gemacht.

Eine Nisthilfe wird vorbereitet…

Es waren – neben dem finanziellen Aufwand – über Monate hinweg etliche logistische Schritte und helfende Hände von Nöten und beteiligt:

Herstellung des Horstkorbes durch den jungen Schlosser Michael Urmann aus Schöllnach im Januar 2020:

Professionelle Schlosserarbeit für den Ganzheitlichen Naturschutz. Dank an Michael Urmann aus Schöllnach! Foto: Wolfgang Epple

IMG_1473.jpeg
Im Februar 2020 wird eine Fichte aus unserem kleinen Waldbesitz auf ihre große Rolle vorbereitet. Bürgermeister Michael Klampfl bei der fachgerechten Fällung. Foto: Wolfgang Epple

…und an guter Stelle der Gemarkung platziert:

In Abstimmung mit Bürgermeister Michael Klampfl/Außernzell wurde die Nisthilfe auf unseren Vorschlag im Februar 2020 am Ortsrand von Außernzell, im Bereich der „Kleinen Ohe“ aufgestellt.

Der Horstkorb wird an den Fichtenstamm montiert. Dank an die motivierten Helfer! Foto: Wolfgang Epple
Vorbereitung der Nestgrundlage. Holzwolle und Naturholz…Foto: Anna Lena Leimbach-Epple

Auf dem Traktor Tobias Fischl aus Gunzing. Danke für den umsichtigen und gekonnten Einsatz! Foto: Wolfgang Epple
Der Horst steht (!) … leicht gen Osten geneigt ;-))…Fotos: Anna Lena Leimbach-Epple


Der Bereich der „Kleine Ohe“ bot sich an, weil in unmittelbarer Horstnähe augenscheinlich wertvolle Nahrungshabitate sind. Die Störche werden sicher nicht nur diesen Bereich, sondern auch andere Bereiche der Talaue – wie sich in den ersten Tagen zeigt besonders Richtung Schöllnach – und selbstverständlich auch höher liegende Ackerflächen bei Gelegenheit nutzen. Jede extensiv genutzte Fläche mit Kleintierangebot ist auch Nahrungshabitat.

Im Jahr 2020 passierte wenig: nur ein Besuchsstorch im Mai…manch einer lächelte, unser Optimismus aber blieb…

Nach einem weiteren Jahr Abwarten : Außernzell wird zur Heimat eines Storchenpaars

Am 25. April 2021 war es dann so weit: Zwei Störche kamen an diesem Sonntag an. Sie waren ofensichtlich bereits verpaart, denn die Paarung fand schon am ersten Tag statt!

Viele Bürger kamen an den Ortsrand, es wurde kräftig „gepostet“, und wenige Tage später berichtete die Passauer Neue Presse

Das Storchenpaar unmittelbar nach der Ankunft (oben) und bei der Paarung im Nest. Das Weibchen sitzt in diesem Falle…Fotos: Wolfgang Epple

Die Feuchtgrünländereien, die von Tobias Fischl an der „Kleinen Ohe“ in Erstpflege genommen wurden, sind wichtige Bestandteile des Weißstorchhabitats in Außernzell. Auch das geschützte Feuchtgebiet an der „Kleinen Ohe“ südöstlich des Ortes hat sicher zum Erfolg der Ansiedlung beigetragen.

Die Situation in Außernzell ist nahezu ideal: die Störche können vom Horst „barrierefrei“ ins Nahrungsgebiet gleiten…Foto: Wolfgang Epple

Die ufernahen Bereiche werden zur Schreit-Jagd genutzt. Foto: Wolfgang Epple

Ab Anfang Mai wird gebrütet…
…Eiwenden und Brutablösung, beide Partner sind fleißig…
…und die Idylle ist perfekt. Alle Fotos: Wolfgang Epple
Schrecksekunde: Am 6. Mai 2021 liegt ein zerbrochenes Ei unter dem Horst. Einen halben Tag lassen sich die Störche nicht mehr sehen…Aber der Brut-Trieb ist stark, – es geht doch weiter, und…
…ab Mitte Juni sind bei genauem Hinschauen zwei Küken erkennbar!! Geschlüpft sind sie um den 4. Juni 2021 herum…
Beide Storcheneltern sind nun immer mehr gefordert. Runde 1,5 kg Nahrung in Form von Kleintieren aller Art müssen für jedes Küken täglich zum Nest. Man kann den vollen Kropf des ankommenden Elternvogels erkennen….

…und der wird sehnsüchtig und hungrig erwartet und begrüßt. Übrigens: Storchenküken klappern vom ersten Tag an. Man kann es angesichts der weichen Schnäbel allerdings lange nicht hören…
An den heißen Tagen im Juli werden die Jungen auch von Schnabel zu Schnabel getränkt. Das Wasser stammt aus der Kleinen Ohe…
Mit offenen Schnäbeln wird gehechelt, ganz ähnlich, wie das Säugetiere auch tun…
Mitte Juli (hier am 11. Juli) sind die Jungstörche schon richtige Brocken. Bei der Ankunft eines Elternvogels ducken Sie sich auf die Intertarsalgelenke, und werden zum Betteln „ganz klein“.

Nun wacht nicht mehr immer ein Altvogel am Nest; die beiden Jungstörche üben auch schon mal…
…das Ausfechten kleiner Meinungsverschiedenheiten mit den Schnäbeln. Alle Fotos: Wolfgang Epple
Nach wie vor bilden die Wiesen in unmittelbarer Horstnähe wichtige Nahrungsquelle.

27. Juli 2021: Erste zaghafte Flatterspünge eines der beiden Geschwister. Noch stecken die großen Handschwingen in den Federschäften, und Flugfähigkeit ist noch lange nicht erreicht…aber bald kann es losgehen. …

Die Eltern erscheinen nur noch zum Füttern am Nest. die augenscheinlich gute Entwicklung der Jungstörche zeigt, dass eine gute Nahrungssituation in Außernzell herrscht. Fotos: Wolfgang Epple

Auf nahegelegenen Dächern wird gelegentlich elterliche Wache gehalten und der Horst mit dem Nachwuchs „beobachtet“.
Dort herrscht insgesamt angesichts der entspannten Situation große Eintracht. Putzen und sorgfältiges Vorbereiten des Gefieders, oft synchron bei beiden Geschwistern.Fotos: Wolfgang Epple

Die Außernzeller Störche sind unberingt. Vermutlich gehören Sie angesichts der späten Ankunft zur Ost-Population. Aber das ist unsicher, denn Erstansiedlungen sind häufig „später dran“. 

Bereits der jetzige Verlauf dieser Neuansiedlung ist ein wunderbarer Erfolg, denn viele Jungstörche sind dieses Jahr in ganz Bayern und Süddeutschland Opfer der Wetterkapriolen geworden: Erst war es im Mai sehr kalt und nass, und die gewittrigen Hagelstürme des Frühsommers haben zu Verlusten geführt.

Es gibt einigermaßen Anlass zur Hoffnung , dass die Außernzeller Störche, falls es zur Tradition des Horstplatzes kommt, zur Festigung der in unserem Bereich am Fuß des Bayerwaldes nicht sehr ausgeprägten Storchenbevölkerung beitragen. Ein Ansporn für weiteren Flächenschutz sind diese Störche allemal…

In den nächsten zehn bis vierzehn Tagen, also Ende Juli/Anfang August 2021 dürften unsere beiden Youngster flügge werden – wenn vollends alles gut geht.

Diese kleine Erfolgsgeschichte wird also hoffentlich fortgesetzt